4.4.7 Dativ in unpersönlichen Konstruktionen

« Kapitel 4.4.6  |  Kapitel 4.4.7  |  Kapitel 4.4.8 »

4.4.7 Dativ in unpersönlichen Konstruktionen

Wörter wie kell „muss“, szabad „darf“ und sikerült „gelang“ tragen keine Person. Wer handelt, zeigt die Personalendung am Infinitiv; die Person kann zusätzlich auf „-nak/-nek” genannt werden: Nekem ma dolgoznom kell. – Ich muss heute arbeiten.

1.Nekem … kell: wer muss etwas tun?

Nekem ma dolgoznom kell. – Ich muss heute arbeiten.

Neked korán kell kelned. – Du musst früh aufstehen.

Nekem holnap utaznom kell. – Ich muss morgen reisen.

Das Wort kell „ist nötig, muss“ ändert sich nicht: Es heißt kell bei „ich muss“, „du musst“ und „wir müssen“. Die Person steht an zwei anderen Stellen:

– im Infinitiv, der eine Personalendung erhält: dolgoznom statt dolgozni, kelned statt kelni;

– auf Wunsch zusätzlich in der Dativform des Personalpronomens: nekem „mir“, neked „dir“.

Wörtlich ist Nekem dolgoznom kell etwa „Mir ist mein Arbeiten nötig“. Die Person im Dativ ist hier weder Empfänger noch Begünstigter, sondern der Handelnde: Sie selbst muss arbeiten.

dolgoznom {dolgoz·N·om} – arbeiten·(INFINITIV)·mein(dass ich arbeite) kelned {kel·N·ed} – aufstehen·(INFINITIV)·dein(dass du aufstehst)

Die Endungen sind dieselben wie bei Besitzformen (karom „mein Arm“, karod „dein Arm“). Der Infinitiv wird dabei behandelt wie ein Substantiv: dolgoznom ist wörtlich „mein Arbeiten“. Die ungarische Grammatik nennt diese Form

ragozott főnévi igenév – gebeugter Infinitiv, Infinitiv mit Personalendung

Ohne Dativ ist der Satz ebenso vollständig, denn die Endung am Infinitiv zeigt die Person schon:

Ma dolgoznom kell. – Heute muss ich arbeiten.

Korán kell kelned. – Du musst früh aufstehen.

Das Pronomen nekem, neked … steht vor allem, wenn die Person betont oder anderen gegenübergestellt wird: Nekem ma dolgoznom kell, neked nem. „Ich muss heute arbeiten, du nicht.“

Wortschatz

  • kell – ist nötig, muss
  • nekem – mir
  • neked – dir
  • dolgoznom {dolgoz·n·om} – dass ich arbeite (ich muss arbeiten)
  • kelned {kel·n·ed} – dass du aufstehst (du musst aufstehen)
  • utaznom {utaz·n·om} – dass ich reise (ich muss reisen)
  • dolgozik – arbeiten
  • kel – aufstehen
  • utazik – reisen
  • korán – früh
  • holnap – morgen
  • ma – heute

↑ Hoch zum Seitenanfang

2.Er, sie und wir: Namen, Substantive, nekünk

Annának várnia kell. – Anna muss warten.

Péternek pihennie kell. – Péter muss sich ausruhen.

A gyereknek aludnia kell. – Das Kind muss schlafen.

Wird eine dritte Person genannt, steht ihr Name oder das Substantiv auf „-nak/-nek”: Annának, Péternek, a gyereknek. Der Infinitiv erhält die Endung der dritten Person: várnia, pihennie. In der dritten Person bleibt das i von „-ni” erhalten; in den anderen Personen fällt es weg (várnom, aber várnia).

Die Dativform zeigt nur, wer gemeint ist; ob „er“, „sie“ oder ein Name, entscheidet der Zusammenhang. Ohne genannte Person bedeutet Várnia kell. „Er/sie muss warten.“

Nekünk most indulnunk kell. – Wir müssen jetzt aufbrechen.

Nekünk fizetnünk kell. – Wir müssen bezahlen.

In nekünk und indulnunk steht dieselbe Person zweimal: einmal am Pronomen, einmal am Infinitiv. Diese Doppelung ist normal; kell bleibt unverändert.

Wortschatz

  • Annának – Anna (Dativ)
  • Péternek – Péter (Dativ)
  • gyereknek – dem Kind
  • neki – ihm, ihr
  • nekünk – uns
  • várnia {vár·ni·a} – dass er/sie wartet
  • pihennie {pihen·ni·e} – dass er/sie sich ausruht
  • aludnia {alud·ni·a} – dass er/sie schläft
  • indulnunk {indul·n·unk} – dass wir aufbrechen
  • fizetnünk {fizet·n·ünk} – dass wir bezahlen
  • pihen – sich ausruhen
  • alszik – schlafen (Infinitiv aludni)
  • indul – aufbrechen, losfahren
  • fizet – bezahlen
  • most – jetzt

↑ Hoch zum Seitenanfang

3.Ihr und sie: nektek, nekik

Nektek itt kell maradnotok. – Ihr müsst hier bleiben.

Nekik sokat kell tanulniuk. – Sie müssen viel lernen.

Nekik beszélniük kell. – Sie müssen sprechen.

Neked is jönnöd kell. – Du musst auch kommen.

Damit liegen alle sechs Personen vor. Die Endungen folgen der Vokalharmonie: hinten „-nom, -nod, -nia, -nunk, -notok, -niuk”, vorn „-nem, -ned, -nie, -nünk, -netek, -niük”; nach gerundetem Vokal „-nöm, -nöd, -nötök”.

Bezugspersonvárni – wartenkérni – bittenjönni – kommenBedeutung mit kell
nekem – mirvárnomkérnemjönnömich muss …
neked – dirvárnodkérnedjönnöddu musst …
neki – ihm/ihrvárniakérniejönnieer/sie muss …
nekünk – unsvárnunkkérnünkjönnünkwir müssen …
nektek – euchvárnotokkérnetekjönnötökihr müsst …
nekik – ihnenvárniukkérniükjönniüksie müssen …

Das n vor der Endung ist ein Rest von „-ni”, kein Bindevokal. Die Bildung im Einzelnen behandelt das Kapitel über den Infinitiv (→ 12.3, 12.4).

kell wird nie an die Person angepasst: Nach nekünk heißt es nekünk … kell, nicht *nekünk … kellünk.

Wortschatz

  • nektek – euch
  • nekik – ihnen
  • maradnotok {marad·n·otok} – dass ihr bleibt
  • tanulniuk {tanul·ni·uk} – dass sie lernen
  • beszélniük {beszél·ni·ük} – dass sie sprechen
  • jönnöd {jön·n·öd} – dass du kommst
  • marad – bleiben
  • tanul – lernen
  • beszél – sprechen
  • jön – kommen
  • kér – bitten
  • sokat – viel
  • itt – hier
  • is – auch

↑ Hoch zum Seitenanfang

4.Erlaubnis, Verbot, Gelingen: szabad, nem szabad, sikerül

Nekünk szabad itt parkolnunk. – Wir dürfen hier parken.

Neked nem szabad dohányoznod. – Du darfst nicht rauchen.

Nekem sikerült jegyet vennem. – Mir ist es gelungen, eine Fahrkarte zu kaufen.

Annának sikerült időben megérkeznie. – Anna ist es gelungen, rechtzeitig anzukommen.

Nach demselben Muster wie kell stehen szabad „erlaubt, darf“ und sikerül „gelingen“: Das Prädikat bleibt unverändert, die Person steht am Infinitiv und auf Wunsch im Dativ. nem szabad ist ein Verbot: „darf nicht“.

sikerül steht meist in der Vergangenheit, sikerült „es gelang“. Das Deutsche hat hier ebenfalls einen Dativ: „mir gelang es“, „Anna ist es gelungen“. Deutsch und Ungarisch bauen den Satz also gleich.

Prädikat – BedeutungMusterBedeutung des Musters
kell – müssenmennem kellich muss gehen
szabad – dürfenszabad mennemich darf gehen
nem szabad – nicht dürfennem szabad mennemich darf nicht gehen
sikerül – gelingensikerült mennemes gelang mir zu gehen

Einige Verben haben im Infinitiv einen Stamm mit nn, auch mit Personalendung: menni → mennem, venni → vennem, jönni → jönnöm, enni → ennem, inni → innom.

szabad heißt ursprünglich „frei“ (szabad ország „freies Land“). Es ist aus einer slawischen Sprache entlehnt und geht auf urslawisch *svoboda „Freiheit“ zurück; russisch свобода „Freiheit“ ist dasselbe Wort. sikerül ist von siker „Erfolg“ abgeleitet.

Wortschatz

  • szabad – erlaubt; frei
  • nem szabad – darf nicht, verboten
  • sikerül {sikerül} – gelingen
  • sikerült – es gelang
  • siker – Erfolg
  • parkolnunk {parkol·n·unk} – dass wir parken
  • dohányoznod {dohányoz·n·od} – dass du rauchst
  • vennem {ven·n·em} – dass ich kaufe
  • mennem {men·n·em} – dass ich gehe
  • megérkeznie {meg·érkez·ni·e} – dass er/sie ankommt
  • parkol – parken
  • dohányzik – rauchen
  • vesz – kaufen (Infinitiv venni)
  • megérkezik – ankommen
  • jegy – Fahrkarte, Eintrittskarte
  • időben – rechtzeitig

↑ Hoch zum Seitenanfang

5.Ohne Person: „man muss“, „man darf nicht“

Itt kell jegyet váltani. – Hier muss man eine Fahrkarte lösen.

Itt nem szabad dohányozni. – Hier darf man nicht rauchen.

Itt szabad fényképezni. – Hier darf man fotografieren.

Ist keine bestimmte Person gemeint, steht der Infinitiv ohne Endung und ohne Dativ. Der Satz entspricht dann dem deutschen „man“. Die Personalendung setzt eine bestimmte Person voraus:

Itt nem szabad dohányoznod. – Hier darfst du nicht rauchen.

Itt nem szabad dohányozni. – Hier darf man nicht rauchen.

Wortschatz

  • jegyet vált – eine Fahrkarte lösen
  • vált – lösen, wechseln
  • fényképez {fény·képez} – fotografieren
  • fényképezni – fotografieren (Infinitiv)
  • dohányozni – rauchen (Infinitiv)
  • itt – hier

↑ Hoch zum Seitenanfang

6.Das Wichtigste in Kürze

  • kell, szabad, nem szabad und sikerült bleiben unverändert; sie tragen keine Person.
  • Die Person steht am Infinitiv: várnom, várnod, várnia, várnunk, várnotok, várniuk.
  • Zusätzlich kann der Handelnde auf „-nak/-nek” genannt werden: Péternek pihennie kell. – Péter muss sich ausruhen.
  • Die Dativperson ist hier der Handelnde, nicht Empfänger.
  • Ohne bestimmte Person steht der Infinitiv ohne Endung: Itt nem szabad dohányozni. – Hier darf man nicht rauchen.

↑ Hoch zum Seitenanfang

Vertiefung

7.nem kell und nem szabad

Nem kell elmennem. – Ich muss nicht weggehen.

Nem szabad elmennem. – Ich darf nicht weggehen.

A vendégeknek nem kell sietniük. – Die Gäste müssen sich nicht beeilen.

A gyereknek nem szabad egyedül hazamennie. – Das Kind darf nicht allein nach Hause gehen.

nem kell hebt die Notwendigkeit auf: Man kann gehen, muss aber nicht. nem szabad ist ein Verbot: Gehen ist ausgeschlossen. Deutsch verhält sich genau so („muss nicht“ – „darf nicht“). In anderen Sprachen liegt die Grenze anders:

Sprachekeine NotwendigkeitVerbot
UngarischNem kell elmennem.Nem szabad elmennem.
DeutschIch muss nicht weggehen.Ich darf nicht weggehen.
EnglischI don’t have to leave.I must not leave.
FranzösischJe ne suis pas obligé de partir.Il ne faut pas que je parte.
SpanischNo tengo que irme.No debo irme.
RussischМне не надо уходить.Мне нельзя уходить.
LateinMihi abire non necesse est.Mihi abire non licet.

Englisch must not und französisch il ne faut pas bedeuten ein Verbot, obwohl must und il faut allein „muss“ heißen. Russisch und Latein stellen die Person wie das Ungarische in den Dativ: мне und mihi „mir“.

Neben nem szabad steht das förmlichere tilos „verboten“, typisch auf Schildern: Tilos a dohányzás! „Rauchen verboten!“ Auch tilos nimmt Dativ und Infinitiv mit Person:

A betegnek tilos cukrot ennie. – Der Kranke darf keinen Zucker essen.

tilos gehört zur selben Wurzel wie tilt „verbieten“.

Wortschatz

  • nem kell – muss nicht, ist nicht nötig
  • nem szabad – darf nicht
  • tilos – verboten
  • tilt – verbieten
  • elmennem {el·men·n·em} – dass ich weggehe
  • sietniük {siet·ni·ük} – dass sie sich beeilen
  • hazamennie {haza·men·ni·e} – dass er/sie nach Hause geht
  • ennie {en·ni·e} – dass er/sie isst
  • elmegy {el·megy} – weggehen
  • hazamegy {haza·megy} – nach Hause gehen
  • siet – sich beeilen
  • egyedül – allein
  • betegnek – dem Kranken
  • cukor – Zucker
  • dohányzás {dohányzás} – das Rauchen

↑ Hoch zum Seitenanfang

8.Vergangenheit: kellett, sikerült, szabad volt

Nekem nem kellett várnom. – Ich musste nicht warten.

Tegnap sokáig kellett dolgoznom. – Gestern musste ich lange arbeiten.

Nekünk nem sikerült bejutnunk. – Wir haben es nicht geschafft hineinzukommen.

Nem volt szabad elmennem. – Ich durfte nicht weggehen.

Die Zeit steht am Prädikat, die Person am Infinitiv. kellett „es war nötig“ und sikerült „es gelang“ sind Formen der dritten Person Singular, ganz gleich, wer handelt. Bei szabad trägt volt „war“ die Vergangenheit. Der Infinitiv mit Personalendung hat keine Zeitform: várnom gilt für Gegenwart und Vergangenheit.

Mit volna entsteht eine nicht erfüllte Notwendigkeit, deutsch „hätte … müssen“:

Korábban kellett volna indulnunk. – Wir hätten früher aufbrechen müssen.

Wortschatz

  • kellett {kell·ett} – es war nötig, musste
  • sikerült {sikerül·t} – es gelang
  • szabad volt – es war erlaubt, durfte
  • kellett volna – hätte … müssen
  • bejutnunk {be·jut·n·unk} – dass wir hineinkommen
  • bejut {be·jut} – hineingelangen, hineinkommen
  • tegnap – gestern
  • sokáig – lange
  • korábban – früher

↑ Hoch zum Seitenanfang

9.Verben mit Vorsilbe

Neked el kell olvasnod a levelet. – Du musst den Brief lesen.

Annának meg kell írnia a választ. – Anna muss die Antwort schreiben.

Nem kell elolvasnod a levelet. – Du musst den Brief nicht lesen.

A levelet kell elolvasnod, nem a könyvet. – Den Brief musst du lesen, nicht das Buch.

Bei Verben mit Vorsilbe (elolvas „durchlesen“, megír „schreiben, fertig schreiben“) tritt die Vorsilbe im neutralen Satz vor kell: el kell olvasnod, meg kell írnia. Die Personalendung bleibt am Infinitiv. In zwei Fällen bleibt die Vorsilbe am Infinitiv: nach nem kell (nem kell elolvasnod) und wenn ein anderes Satzglied betont vor kell steht (a levelet kell elolvasnod). Ebenso verhalten sich szabad und sikerül:

Nekem sikerült elaludnom. – Ich konnte einschlafen.

Nem sikerült elaludnom. – Ich konnte nicht einschlafen.

Wortschatz

  • elolvas {el·olvas} – (durch)lesen
  • megír {meg·ír} – (fertig) schreiben
  • elalszik {el·alszik} – einschlafen (Infinitiv elaludni)
  • elolvasnod {el·olvas·n·od} – dass du (durch)liest
  • megírnia {meg·ír·ni·a} – dass er/sie schreibt
  • elaludnom {el·alud·n·om} – dass ich einschlafe
  • levél – Brief
  • levelet – den Brief
  • válasz – Antwort
  • választ – die Antwort

↑ Hoch zum Seitenanfang

10.érdemes, lehet und die Formen auf „-hat/-het”

Nektek érdemes korán indulnotok. – Es lohnt sich für euch, früh aufzubrechen.

Érdemes megnézni ezt a filmet. – Es lohnt sich, diesen Film anzusehen.

érdemes „lohnend“ ist von érdem „Verdienst“ abgeleitet, wörtlich „verdienstvoll“. Es verhält sich wie kell: mit Person am Infinitiv oder allgemein ohne Endung.

lehet „es ist möglich, man darf“ steht vor allem in allgemeinen Aussagen mit unverändertem Infinitiv. Mit einer bestimmten Person ist der Infinitiv mit Personalendung möglich, wirkt aber schwerfällig; üblicher sind szabad oder eine Verbform auf „-hat/-het”:

Itt nem lehet parkolni. – Hier darf man nicht parken.

Nekem lehet itt várnom? – Darf ich hier warten?

Szabad itt várnom? – Darf ich hier warten?

Várhatok itt? – Darf ich hier warten?

Die drei Fragen bedeuten dasselbe. Die letzte ist die gewöhnlichste: Bei várhatok trägt das Verb selbst die Person, es braucht weder Dativ noch Infinitiv. lehet ist übrigens selbst eine solche Form: lehet zu lesz „werden, sein“, wörtlich „kann sein“.

Wortschatz

  • érdemes – lohnend, es lohnt sich
  • érdem – Verdienst
  • lehet – es ist möglich, man darf
  • indulnotok {indul·n·otok} – dass ihr aufbrecht
  • várnom {vár·n·om} – dass ich warte
  • várhatok {vár·hat·ok} – ich darf/kann warten
  • megnéz {meg·néz} – (sich) ansehen
  • parkolni – parken (Infinitiv)
  • film – Film

↑ Hoch zum Seitenanfang

11.Mit oder ohne Personalendung

Évának sokat kell pihennie. – Éva muss sich viel ausruhen.

Évának sokat kell pihenni. – Éva muss sich viel ausruhen.

Ist die Person im Dativ genannt, lässt die Umgangssprache die Personalendung am Infinitiv oft weg: Évának sokat kell pihenni. Die Person ist dann nur am Dativ erkennbar. In der Schriftsprache gilt die Form mit Endung als die sorgfältigere.

Keine Personalendung steht nach Verben, die die Person schon selbst tragen, etwa tud „können“, akar „wollen“, szeretne „möchte“:

Tudok úszni. – Ich kann schwimmen.

Dolgozni akarok. – Ich will arbeiten.

Dolgoznom kell. – Ich muss arbeiten.

Der Unterschied liegt im Prädikat: tudok und akarok zeigen „ich“, kell nicht. Die Personalendung erscheint nur dort, wo das Prädikat die Person nicht anzeigt.

Wortschatz

  • Évának – Éva (Dativ)
  • tudok {tud·ok} – ich kann
  • akarok {akar·ok} – ich will
  • szeretne – er/sie möchte
  • úszik – schwimmen (Infinitiv úszni)
  • pihenni – sich ausruhen (Infinitiv)

↑ Hoch zum Seitenanfang

12.Das Dativsubjekt: datívuszi alany

Die Schulgrammatik bestimmt nekem in Nekem dolgoznom kell als Dativergänzung (részeshatározó). Inhaltlich ist die Dativperson aber der Handelnde, also das, was sonst das Subjekt ausdrückt. Neuere Beschreibungen sprechen deshalb vom

datívuszi alany – Dativsubjekt

Das ist eine Deutung, keine allgemein anerkannte Satzgliedbestimmung. Der Begriff erklärt, warum die Dativperson in diesen Sätzen Handelnder ist und warum Person am Infinitiv und Dativ immer übereinstimmen: nekem … dolgoznom, neked … dolgoznod.

alany „Subjekt“ ist ein Wort der Spracherneuerung (nyelvújítás): gebildet aus al- „unter“ (wie in alatt „unter“) nach dem Vorbild von lateinisch subiectum „das Daruntergelegte“.

alany {alANY} – unter·(ABLEITUNG)(Subjekt)

Russisch und Latein kennen dieselbe Bauweise mit dem Dativ als Handelndem:

SpracheNotwendigkeitErlaubnis
UngarischNekem dolgoznom kell.Neked szabad elmenned.
DeutschIch muss arbeiten.Du darfst gehen.
EnglischI have to work.You may go.
FranzösischIl me faut travailler.Il t’est permis de partir.
SpanischMe toca trabajar.Te está permitido irte.
RussischМне надо работать.Тебе можно идти.
LateinMihi laborandum est.Tibi licet abire.

Auch Мне удалось купить билет „mir gelang es, eine Karte zu kaufen“ entspricht Wort für Wort Nekem sikerült jegyet vennem.

Wortschatz

  • datívuszi alany – Dativsubjekt
  • alany – Subjekt
  • részeshatározó {részes·határozó} – Dativergänzung
  • nyelvújítás {nyelv·újítás} – Spracherneuerung
  • alatt – unter
  • elmenned {el·men·n·ed} – dass du weggehst

↑ Hoch zum Seitenanfang

13.kell ohne Infinitiv: brauchen

Nekem is kell egy jegy. – Ich brauche auch eine Karte.

Kell neked egy toll? – Brauchst du einen Stift?

A gyerekeknek új cipő kell. – Die Kinder brauchen neue Schuhe.

Ohne Infinitiv bedeutet kell „gebraucht werden, nötig sein“. Was gebraucht wird, ist Subjekt im Nominativ (egy jegy, egy toll); wer es braucht, steht auf „-nak/-nek”. Wörtlich: „Mir ist auch eine Karte nötig.“ Deutsch „brauchen“ dreht die Rollen um: Der Bedürftige ist Subjekt, die Sache Akkusativobjekt.

In dieser Bedeutung hat kell auch Personalformen, denn das Gebrauchte kann eine Person sein: Kellek még? „Werde ich noch gebraucht?“ kell ist ein altes Erbwort aus finnisch-ugrischer Zeit.

Wortschatz

  • kell – wird gebraucht, ist nötig
  • kellek {kell·ek} – ich werde gebraucht
  • toll – Stift, Feder
  • cipő – Schuh
  • gyerekeknek – den Kindern
  • még – noch

Dieser Text steht unter CC0 1.0 Universell. Eine Quellenangabe ist nicht erforderlich.
Er darf kostenlos kopiert, verändert, veröffentlicht und auch kommerziell genutzt werden.