6.1.7 Possessivkonstruktion und deutscher Genitiv

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6.1.7 Possessivkonstruktion und deutscher Genitiv

Eine deutsche Genitivgruppe wie „das Fahrrad des Jungen“ entspricht im Ungarischen einer Possessivkonstruktion: a fiú biciklije. Der Besitzer steht vorn und bleibt unverändert; die Zuordnung zeigt das Possessivsuffix am Besitzwort. Eine Kasusform, die dem deutschen Genitiv entspricht, hat das Ungarische nicht.

1.Zwei Gruppen im Vergleich

A fiú biciklije piros. – Das Fahrrad des Jungen ist rot.

A férfi táskája barna. – Die Tasche des Mannes ist braun.

A gyerek szobája meleg. – Das Zimmer des Kindes ist warm.

Beide Sprachen verbinden zwei Substantive zu einer Gruppe: den Besitzer (birtokos) und das Besitzwort (birtokszó), den Kern der Gruppe. Sie tun es aber an verschiedenen Stellen und in umgekehrter Reihenfolge.

Im Deutschen steht der Kern vorn („das Fahrrad“), der Besitzer folgt und erhält die Kasusform Genitiv: Artikel des, Endung -en in „des Jungen“. Im Ungarischen steht der Besitzer vorn und bleibt unverändert (a fiú, genau wie im Wörterbuch); das Besitzwort folgt und erhält das Possessivsuffix: biciklije „sein Fahrrad“.

→a fiú – der Junge→biciklije – sein Fahrrad→a fiú biciklije – das Fahrrad des Jungen

MerkmalDeutschUngarisch
ReihenfolgeKern vor BesitzerBesitzer vor Kern
Form des BesitzersGenitiv (des Jungen)unverändert (a fiú)
Form des Kernsunverändert (das Fahrrad)Possessivsuffix (biciklije)

Der Genitiv ist ein deutscher Kasus. In ungarischen Grammatiken des Deutschen, Lateinischen oder Russischen heißt er birtokos eset „Besitzerfall“. Der Name bezeichnet dort den fremden Kasus; eine ungarische Kasusform ist damit nicht gemeint Abschnitt 14.

Das lateinische casus genitivus gilt als Lehnübersetzung von griechisch γενικὴ πτῶσις (genikḗ ptṓsis) „Fall der Gattung, der Herkunft“; die Römer bezogen das Wort auf gignere „zeugen“. Die deutsche Bezeichnung „Wesfall“ geht von der Frage „wessen?“ aus.

Wortschatz

  • birtokos – Besitzer
  • birtokszó {birtok·SZÓ} – Besitz·WORT(Besitzwort)
  • birtokos eset – Genitiv (Name des deutschen Kasus)
  • fiú – Junge
  • biciklije – sein/ihr Fahrrad
  • férfi – Mann
  • táskája – seine/ihre Tasche
  • gyerek – Kind
  • szobája – sein/ihr Zimmer
  • piros – rot
  • barna – braun
  • meleg – warm

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2.Das Namen-s bleibt deutsch

Anna háza a park mellett van. – Annas Haus steht neben dem Park.

Júlia könyve a polcon van. – Júlias Buch steht im Regal.

Vor einem Namen steht der deutsche Genitiv vorn, mit einem -s am Namen: „Annas Haus“. Die Reihenfolge stimmt hier mit dem Ungarischen überein, die Markierung nicht: Der ungarische Name bleibt unverändert, die Endung sitzt am Besitzwort.

→Anna – Anna→háza – ihr Haus→Anna háza – Annas Haus

Das deutsche -s und das ungarische „-a” erfüllen dieselbe Aufgabe, sitzen aber an verschiedenen Wörtern. Die Mischform *Annas ház überträgt das deutsche -s auf den ungarischen Namen und ist falsch.

Bei vollem Namen bleibt die ungarische Reihenfolge Familienname – Vorname erhalten, das Suffix steht wieder am Besitzwort:

Kovács Péter autója – Péter Kovács’ Auto
SpracheAnnas HausMarkierung
DeutschAnnas Hausam Namen
EnglischAnna’s houseam Namen
UngarischAnna házaam Besitzwort
Lateindomus Annaeam Namen (Genitiv)
Russischдом Анны (dom Anny)am Namen (Genitiv)
Französischla maison d’AnnaPräposition
Spanischla casa de AnaPräposition

Wortschatz

  • ház – Haus
  • háza – sein/ihr Haus
  • könyv – Buch
  • könyve – sein/ihr Buch
  • autója – sein/ihr Auto
  • park – Park
  • mellett – neben
  • polcon – im Regal, auf dem Regal

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3.Der deutsche Artikel im Genitiv

A nő kabátja hosszú. – Der Mantel der Frau ist lang.

A család kutyája öreg. – Der Hund der Familie ist alt.

Az iskola igazgatója kedves. – Der Direktor der Schule ist freundlich.

Im Deutschen wechselt im Genitiv der Artikel: „die Frau“ → „der Frau“, „das Kind“ → „des Kindes“. Im Ungarischen bleibt der Artikel des Besitzers, wie er ist: a nő heißt „die Frau“ und steht unverändert in a nő kabátja „der Mantel der Frau“.

→a nő – die Frau→a nő kabátja – der Mantel der Frau

Der ungarische Artikel a/az zeigt nur die Bestimmtheit an, weder Kasus noch Geschlecht noch Besitz. Er hat deshalb auch keine Form, die dem deutschen „des“ oder „der“ entspräche.

DeutschGenitivformUngarischer Besitzer
der Manndes Mannesa férfi
die Frauder Fraua nő
das Kinddes Kindesa gyerek
die Schuleder Schuleaz iskola

Wortschatz

  • nő – Frau
  • kabát – Mantel
  • kabátja – sein/ihr Mantel
  • család – Familie
  • kutyája – sein/ihr Hund
  • iskola – Schule
  • igazgató – Direktor
  • igazgatója – sein/ihr Direktor
  • hosszú – lang
  • öreg – alt
  • kedves – freundlich, nett

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4.Der Kern trägt die Zuordnung

A tanár neve Gábor. – Der Name des Lehrers ist Gábor.

A fa levele sárga. – Das Blatt des Baumes ist gelb.

A folyó vize tiszta. – Das Wasser des Flusses ist sauber.

Weil die Zuordnung am Kern steht, verändert sich dort auch der Stamm: név → neve, levél → levele, víz → vize. Der Besitzer a tanár, a fa, a folyó bleibt dagegen unberührt. Im Deutschen verhält es sich umgekehrt: Der Kern „der Name“ bleibt, „der Lehrer“ wird zu „des Lehrers“.

neve {nev·E} – Name·SEIN(sein/ihr Name) levele {level·E} – Blatt·SEIN(sein/ihr Blatt) vize {viz·E} – Wasser·SEIN(sein/ihr Wasser)

Das „-e” in neve ist deshalb keine Genitivendung, sondern ein Possessivsuffix der 3. Person: neve allein heißt „sein Name“ oder „ihr Name“. Ein genannter Besitzer kommt hinzu, ohne dass sich das Suffix ändert.

Die Sprachwissenschaft nennt diesen Unterschied Kopfmarkierung (Ungarisch: die Endung am Kern) und Dependensmarkierung (Deutsch: die Endung am Besitzer); die Begriffe prägte Johanna Nichols 1986. Der Kern einer Wortgruppe heißt ungarisch alaptag „Grundglied“.

alaptag {alap·TAG} – Grund·GLIED(Kern einer Wortgruppe)

Wortschatz

  • alaptag {alap·TAG} – Grund·GLIED(Kern einer Wortgruppe)
  • tanár – Lehrer
  • név – Name
  • neve – sein/ihr Name
  • fa – Baum
  • levél – Blatt; Brief
  • levele – sein/ihr Blatt
  • folyó – Fluss
  • víz – Wasser
  • vize – sein/ihr Wasser
  • sárga – gelb
  • tiszta – sauber, rein

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5.Natürliche Übersetzung statt Schema

A város térképe új. – Der Stadtplan ist neu.

A falu temploma régi. – Die Dorfkirche ist alt.

Nicht jede ungarische Possessivgruppe wird im Deutschen mit einem Genitiv wiedergegeben. Oft ist ein zusammengesetztes Wort natürlicher: a város térképe „der Stadtplan“ statt „die Karte der Stadt“, a falu temploma „die Dorfkirche“ statt „die Kirche des Dorfes“. Beide Übersetzungen sind richtig; die Bedeutung ist dieselbe, die Form nicht.

Umgekehrt steht einer deutschen Zusammensetzung im Ungarischen oft eine Possessivgruppe gegenüber, wenn ein bestimmter Besitzer gemeint ist: die Karte dieser einen Stadt, die Kirche dieses einen Dorfes.

Ungarischwörtlichnatürlich
a város térképedie Karte der Stadtder Stadtplan
a falu templomadie Kirche des Dorfesdie Dorfkirche
az iskola igazgatójader Direktor der Schuleder Schulleiter
a szálloda címedie Adresse des Hotelsdie Hoteladresse

térkép selbst ist zusammengesetzt: tér „Raum, Platz“ und kép „Bild“.

térkép {tér·KÉP} – Raum·BILD(Landkarte)

Wortschatz

  • térkép {tér·KÉP} – Raum·BILD(Landkarte)
  • térképe – seine/ihre Karte
  • város – Stadt
  • falu – Dorf
  • templom – Kirche
  • temploma – seine/ihre Kirche
  • szálloda – Hotel
  • cím – Adresse; Titel
  • címe – seine/ihre Adresse
  • új – neu
  • régi – alt

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6.Nicht nur rechtlicher Besitz

A ház kertje gondozott. – Der Garten des Hauses ist gepflegt.

A regény szerzője magyar. – Der Autor des Romans ist Ungar bzw. Ungarin.

A szálloda címe a papíron van. – Die Adresse des Hotels steht auf dem Papier.

Ein Haus besitzt keinen Garten, ein Roman keinen Autor. Trotzdem stehen beide Beziehungen im Deutschen im Genitiv und im Ungarischen in der Possessivkonstruktion. Beide Formen bezeichnen eine Zugehörigkeit im weitesten Sinn: Teil und Ganzes, Urheber und Werk, Eigenschaft und Träger. Eigentum im rechtlichen Sinn ist nur ein Fall davon. Dafür hat das Ungarische eigene Wörter: tulajdon „Eigentum“, tulajdonos „Eigentümer“. Das Inventar der Bedeutungen folgt in Kapitel 6.11 (→ 6.11).

DeutschUngarische GruppeAnalyse
das Fahrrad des Jungena fiú biciklijefiú Besitzer, biciklije Kern
Annas HausAnna házaAnna unverändert, háza Kern
der Mantel der Fraua nő kabátjanő Besitzer, kabátja Kern
der Name des Lehrersa tanár neveStammwechsel am Kern
der Garten des Hausesa ház kertjeTeil und Ganzes
der Autor des Romansa regény szerzőjeUrheber und Werk

Wortschatz

  • kert – Garten
  • kertje – sein/ihr Garten
  • gondozott – gepflegt
  • regény – Roman
  • szerző – Autor, Verfasser
  • szerzője – sein/ihr Autor
  • magyar – Ungar, Ungarin; ungarisch
  • papíron – auf dem Papier
  • tulajdon – Eigentum
  • tulajdonos – Eigentümer

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7.Das Wichtigste in Kürze

  • Der deutschen Genitivgruppe entspricht die ungarische Possessivkonstruktion: a fiú biciklije – das Fahrrad des Jungen.
  • Der Besitzer steht vorn und bleibt unverändert, auch der Artikel: a nő kabátja – der Mantel der Frau.
  • Das Namen-s hat keine ungarische Entsprechung am Namen: Anna háza, nicht *Annas ház.
  • Die Zuordnung trägt der Kern; dort finden auch Stammwechsel statt: név → neve.
  • Beide Formen bezeichnen Zugehörigkeit im weiten Sinn, nicht nur Eigentum; die deutsche Übersetzung ist oft ein zusammengesetztes Wort: a város térképe – der Stadtplan.

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Vertiefung

8.Zwei ungarische Formen für einen deutschen Genitiv

Péternek a barátja mérnök. – Péters Freund ist Ingenieur.

Péternek az új autója drága. – Péters neues Auto ist teuer.

Péter barátja mérnök. – Péters Freund ist Ingenieur.

Neben dem endungslosen Besitzer kennt das Ungarische eine zweite Form: Der Besitzer erhält „-nak”/„-nek”, das Besitzwort behält sein Possessivsuffix und meist einen eigenen Artikel: Péternek a barátja. Beide Formen werden im Deutschen gleich übersetzt.

Formal ist Péternek die Dativform („dem Péter“). Das Ganze erinnert an die umgangssprachliche deutsche Fügung „dem Péter sein Freund“, die Bastian Sick 2004 im Buchtitel „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ aufspießte. Was im Deutschen als nachlässig gilt, ist im Ungarischen eine ganz normale Form der Standardsprache.

Daraus folgt aber nicht, dass „-nak”/„-nek” die ungarische Entsprechung von „des/der“ wäre. Der gewöhnliche Fall ist der Besitzer ohne Endung. Die Form mit „-nak”/„-nek” tritt ein, wenn der Besitzer hervorgehoben, vom Besitzwort getrennt oder verkettet wird; das System folgt in Kapitel 6.5 (→ 6.5).

Im zweiten Satz gehört új „neu“ zum Besitzwort: az új autója „sein neues Auto“. Der Artikel az steht vor dem Adjektiv, weil dieses mit einem Vokal beginnt. Die Frage nach dem Besitzer verwendet dieselbe Form:

Kinek a táskája ez? – Wessen Tasche ist das?

Wortschatz

  • Péternek – dem Péter; (hier) Péters
  • barátja – sein/ihr Freund
  • mérnök – Ingenieur
  • új – neu
  • drága – teuer
  • kinek – wem; (vor Besitzwort) wessen
  • ez – das, dies

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9.Mehrzahl des Besitzers

A gyerekek szobája tágas. – Das Zimmer der Kinder ist geräumig.

A szülők háza a faluban van. – Das Haus der Eltern steht im Dorf.

Im Deutschen zeigt der Artikel „der“ die Genitivmehrzahl an: „der Kinder“, „der Eltern“. Im Ungarischen trägt der Besitzer die Mehrzahl selbst (gyerekek, szülők), und das Besitzwort behält die Form der 3. Person Einzahl: szobája, háza.

Die Mehrzahl der Kinder wird also nicht zusätzlich am Besitzwort wiederholt. Das Suffix „-uk”/„-ük” „ihr (mehrerer)“ erscheint, wenn kein Substantiv den Besitzer nennt: szobájuk „ihr Zimmer“ (das Zimmer der Kinder). Die Einzelheiten folgen in Kapitel 6.3 (→ 6.3).

DeutschUngarischBesitzwort
das Zimmer des Kindesa gyerek szobájaEinzahlform
das Zimmer der Kindera gyerekek szobájaEinzahlform
ihr Zimmer (der Kinder)szobájukMehrzahlform

Wortschatz

  • gyerekek – Kinder
  • szülő – Elternteil
  • szülők – Eltern
  • szobája – sein/ihr Zimmer
  • szobájuk – ihr Zimmer (mehrerer Besitzer)
  • tágas – geräumig
  • faluban – im Dorf

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10.Die Genitivgruppe als Objekt

A könyv végét olvasom. – Ich lese das Ende des Buches.

A ház ajtaját festem. – Ich streiche die Tür des Hauses.

Látom a nő kabátját. – Ich sehe den Mantel der Frau.

Die ganze Gruppe kann jede Rolle im Satz übernehmen. Ist sie Objekt, erhält das Besitzwort hinter dem Possessivsuffix die Akkusativendung „-t”: vége → végét, kabátja → kabátját. Das auslautende „-e”/„-a” des Suffixes wird dabei lang.

→vég – Ende→vége – sein Ende→végét – sein Ende (Akkusativ)

Hier gibt es zwei Kasus in einer Gruppe, die getrennt zu betrachten sind. Im Deutschen steht der Besitzer im Genitiv („des Buches“), der Kern im Akkusativ („den Mantel“). Im Ungarischen bleibt der Besitzer endungslos, der Kern trägt Possessivsuffix und Akkusativ hintereinander. Das Verb steht in der bestimmten Form (olvasom, festem, látom), weil das Objekt durch den Besitzer bestimmt ist.

Dasselbe gilt für alle anderen Endungen des Kerns: a könyv végén „am Ende des Buches“, a ház ajtajában „in der Tür des Hauses“.

Zu ajtó „Tür“ gibt es zwei Besitzformen. ajtaja mit verändertem Stamm steht vor allem für die Tür, die fest zu etwas gehört (zu einem Haus, einem Auto); ajtója ohne Stammwechsel eher für eine Tür, die jemand hat oder herstellt.

ajtaja {ajtaj·A} – Tür·SEIN(seine Tür (die Tür des Hauses)) ajtója {ajtó·JA} – Tür·SEIN(seine Tür (die er hat))

Wortschatz

  • vég – Ende
  • vége – sein/ihr Ende
  • végét – sein/ihr Ende (Akkusativ)
  • végén – an seinem/ihrem Ende
  • ajtó – Tür
  • ajtaját – seine/ihre Tür (Akkusativ)
  • ajtajában – in seiner/ihrer Tür
  • kabátját – seinen/ihren Mantel
  • olvasom – ich lese es
  • festem – ich streiche es
  • látom – ich sehe es

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11.Beziehungen zwischen Menschen

A testvérem lánya tanul. – Die Tochter meines Bruders bzw. meiner Schwester lernt.

A fiam tanára fiatal. – Der Lehrer meines Sohnes ist jung.

Bei Verwandtschaft und anderen Beziehungen zwischen Menschen gilt dasselbe Muster. Der Besitzer kann selbst schon ein Possessivsuffix tragen: testvérem „mein Geschwister“, fiam „mein Sohn“. Danach folgt das Besitzwort mit dem Suffix der 3. Person: lánya „seine/ihre Tochter“, tanára „sein/ihr Lehrer“. Die deutsche Genitivgruppe „meines Bruders“ entspricht also a testvérem; das „mein“ steckt im Suffix „-em”. Längere Ketten folgen in Kapitel 6.6 (→ 6.6).

testvér lässt das Geschlecht offen; die deutsche Übersetzung muss sich entweder entscheiden oder beide nennen. Das Wort ist aus test „Körper“ und vér „Blut“ zusammengesetzt. fiú „Junge, Sohn“ hat in den Besitzformen den Stamm fi-: fia „sein Sohn“, fiam „mein Sohn“.

testvér {test·VÉR} – Körper·BLUT(Bruder, Schwester, Geschwister)

Wortschatz

  • testvér {test·VÉR} – Körper·BLUT(Bruder, Schwester, Geschwister)
  • testvérem – mein Bruder, meine Schwester
  • lány – Mädchen, Tochter
  • lánya – seine/ihre Tochter
  • fiú – Junge, Sohn
  • fia – sein/ihr Sohn
  • fiam – mein Sohn
  • tanára – sein/ihr Lehrer
  • tanul – lernen
  • fiatal – jung

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12.Ort, Rolle, Grund

A város főtere ma üres. – Der Hauptplatz der Stadt ist heute leer.

A cég vezetője telefonál. – Der Leiter der Firma telefoniert.

A döntés oka világos. – Der Grund der Entscheidung ist klar.

Der deutsche Genitiv ist ein Kasus mit vielen Aufgaben. Er bezeichnet einen Ort in einem Ganzen („der Hauptplatz der Stadt“), eine Rolle in einer Einrichtung („der Leiter der Firma“), einen abstrakten Zusammenhang („der Grund der Entscheidung“). Die ungarische Possessivkonstruktion deckt alle diese Fälle ab, ohne dass die Form sich ändert.

Bei Wörtern, die von Verben abgeleitet sind, kann der Besitzer der Handelnde oder der Betroffene sein, im Deutschen wie im Ungarischen:

a vonat érkezése – die Ankunft des Zuges (der Zug kommt an) a ház építése – der Bau des Hauses (das Haus wird gebaut)

Die lateinische Grammatik unterscheidet hier genitivus subiectivus und genitivus obiectivus; die Gliederung der Bedeutungen folgt in Kapitel 6.11 (→ 6.11).

főtér {fő·TÉR} – Haupt·PLATZ(Hauptplatz)

Wortschatz

  • főtér {fő·TÉR} – Haupt·PLATZ(Hauptplatz)
  • főtere – sein/ihr Hauptplatz
  • cég – Firma
  • vezető – Leiter
  • vezetője – sein/ihr Leiter
  • döntés – Entscheidung
  • ok – Grund
  • oka – sein/ihr Grund
  • érkezése – seine/ihre Ankunft
  • építése – sein/ihr Bau
  • üres – leer
  • világos – klar; hell

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13.Genitiv ohne Besitzgruppe

Az eső miatt otthon maradunk. – Wegen des Regens bleiben wir zu Hause.

A könyv helyett újságot olvas. – Statt des Buches liest er Zeitung.

Egy napon levelet kaptam. – Eines Tages bekam ich einen Brief.

Nicht jeder deutsche Genitiv bildet eine Besitzgruppe. Nach Präpositionen wie „wegen“, „statt“, „während“ hängt der Genitiv nur von der Präposition ab; im Ungarischen steht dafür meist eine Postposition hinter dem endungslosen Substantiv: az eső miatt, a könyv helyett. Ebenso hat der adverbiale Genitiv „eines Tages“ mit Besitz nichts zu tun; ungarisch egy napon steht im Superessiv.

Einige ungarische Entsprechungen deutscher Genitivpräpositionen sind allerdings selbst Besitzformen: ellenére „trotz“ enthält das Possessivsuffix „-e”, alkalmából „anlässlich“ das Possessivsuffix „-a”.

az eső ellenére – trotz des Regens az évforduló alkalmából – anlässlich des Jahrestages

Auch die Verben mit Genitiv („der Toten gedenken“) haben keine ungarische Besitzgruppe als Gegenstück: megemlékezik a halottakról steht mit Delativ. Die deutsche Genitivrektion wird hier nicht weiter verfolgt.

Wortschatz

  • eső – Regen
  • miatt – wegen
  • helyett – statt, anstelle
  • egy napon – eines Tages
  • ellenére – trotz
  • alkalmából – anlässlich
  • évforduló {év·FORDULÓ} – Jahr·WENDE(Jahrestag)
  • otthon maradunk – wir bleiben zu Hause
  • újságot – Zeitung (Akkusativ)
  • megemlékezik – gedenken

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14.Der Begriff birtokos eset

In älteren Lehrbüchern des Ungarischen für Deutsche wird die Possessivkonstruktion oft „Genitiv“ oder birtokos eset genannt. Das ist irreführend. Die ungarische Grammatik zählt den Besitzer nicht zu einem eigenen Kasus: Der endungslose Besitzer hat die Form des Nominativs (alanyeset), der Besitzer mit „-nak”/„-nek” die Form des Dativs (részes eset). Die Fügung als Ganzes heißt birtokos szerkezet „Possessivkonstruktion“, der Besitzer in ihr birtokos jelző „Besitzerattribut“.

eset „Fall“ ist von esik „fallen“ abgeleitet und eine Lehnübersetzung von lateinisch casus (zu cadere „fallen“), das seinerseits griechisch πτῶσις (ptṓsis) „Fall“ wiedergibt. Das deutsche „Fall“ für Kasus folgt demselben Bild.

alanyeset {alany·ESET} – Subjekt·FALL(Nominativ)
Deutsche Gruppeungarische FormFormal
das Fahrrad des Jungena fiú biciklijeBesitzer im Nominativ
das Fahrrad des Jungena fiúnak a biciklijeBesitzer im Dativ
wegen des Regensaz eső miattPostposition, keine Besitzgruppe
eines Tagesegy naponSuperessiv, keine Besitzgruppe

Die vereinfachte Regel der Grundlagen – deutscher Genitiv gleich ungarische Possessivkonstruktion – gilt also für den Genitiv als Attribut eines Substantivs. Für den Genitiv nach Präpositionen und Verben und für den adverbialen Genitiv gilt sie nicht. Und sie gilt nur in einer Richtung als Faustregel: Viele ungarische Possessivgruppen werden im Deutschen nicht mit Genitiv, sondern mit Possessivartikel, Zusammensetzung oder „von“ wiedergegeben (→ 6.1.8).

Wortschatz

  • birtokos szerkezet – Possessivkonstruktion
  • birtokos jelző – Besitzerattribut
  • eset – Fall, Kasus
  • esik – fallen
  • alanyeset {alany·ESET} – Subjekt·FALL(Nominativ)
  • részes eset – Dativ
  • fiúnak – dem Jungen

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