6.1.8 Possessivkonstruktion und deutsche von-Verbindung
Das deutsche „von“ hat viele Aufgaben. Nur wo es eine Zugehörigkeit ausdrückt („die Tasche von Dóra“ = „Dóras Tasche“), entspricht ihm eine ungarische Possessivkonstruktion: Dóra táskája. Absender, Thema, Material und Ausgangspunkt stehen dagegen mit Kasusendungen: Annától, Magyarországról, aranyból.
1.Die Tasche von Dóra
Ez Dóra táskája. – Das ist die Tasche von Dóra.
Ez Lili könyve. – Das ist das Buch von Lili.
Ez Ádám kabátja. – Das ist der Mantel von Ádám.
Im Deutschen steht der Besitzer hinter dem Besitzwort, eingeleitet von „von“: „die Tasche von Dóra“. Das Ungarische hat kein Wort für dieses „von“. Der Besitzer Dóra steht ohne jede Endung vor dem Besitzwort, und die Zugehörigkeit wird am Besitzwort angezeigt: táska „Tasche“ erhält das Possessivsuffix der 3. Person „-ja” und dehnt dabei den Endvokal zu „-á-”.
→Dóra – Dóra→táskája – ihre Tasche→Dóra táskája – Dóras Tasche, die Tasche von Dóra
táskája {táská·JA} – Tasche·IHR(ihre Tasche)Das Ergebnis ist dieselbe birtokos szerkezet „Possessivkonstruktion“ wie bei „Dóras Tasche“ (→ 6.1.7). Ob der deutsche Ausgangssatz „von“ oder einen Genitiv enthält, spielt für das Ungarische keine Rolle. An Dóra, Lili und Ádám erscheint nichts, was dem deutschen „von“ entspräche.
Andere Sprachen brauchen hier eine Präposition: englisch the bag of Dóra, französisch le sac de Dóra, spanisch el bolso de Dóra. Alle drei Wörter bedeuteten ursprünglich „von … weg“: Englisch of und off waren einmal ein einziges Wort, verwandt mit deutsch „ab“ und lateinisch ab; französisch und spanisch de gehen auf lateinisch de „von … herab“ zurück. Das Russische kommt wie das Ungarische ohne Präposition aus, setzt aber den Besitzer in den Genitiv: сумка Доры (sumka Dory).
Wortschatz
- Dóra táskája – Dóras Tasche, die Tasche von Dóra
- táska – Tasche
- Lili könyve – Lilis Buch, das Buch von Lili
- könyv – Buch
- Ádám kabátja – Ádáms Mantel, der Mantel von Ádám
- kabát – Mantel
- birtokos {birtokOS} – Besitz·(ADJEKTIV)(Besitzer; besitzend)
- birtokos szerkezet – Possessivkonstruktion
2.Der Schlüssel vom Haus
A ház kulcsa itt van. – Der Schlüssel vom Haus ist hier.
A lakás ajtaja zárva van. – Die Tür von der Wohnung ist geschlossen.
A könyv címe rövid. – Der Titel von dem Buch ist kurz.
A város neve ismerős. – Der Name von der Stadt kommt mir bekannt vor.
A bolt neve furcsa. – Der Name von dem Laden ist seltsam.
Der Besitzer muss keine Person sein. Ein Haus „hat“ einen Schlüssel, eine Wohnung eine Tür, ein Buch einen Titel, eine Stadt einen Namen. Das „von“ bezeichnet hier keine Bewegung: Der Schlüssel kommt nicht vom Haus her, er gehört zum Haus. Deshalb steht auch hier die Possessivkonstruktion und keine Kasusendung der Richtung.
Bei ajtó „Tür“ wird der Endvokal zu „-a-” gekürzt: ajtaja; die Form ajtója kommt selten vor. Bei név „Name“ verkürzt sich der Stammvokal: neve (→ 6.2.9).
ajtaja {ajta·JA} – Tür·IHR(ihre Tür) neve {nev·E} – Name·SEIN(sein Name)Im natürlichen Deutsch heißt es meist „der Name der Stadt“ oder einfach „Buchtitel“, „Haustür“. Für die ungarische Form ist gleichgültig, ob der deutsche Ausgangstext „von“, einen Genitiv oder ein Kompositum benutzt: Die Zugehörigkeit steckt immer in der Endung des Besitzworts. Feste Verbindungen bildet auch das Ungarische als Kompositum: telefonszám „Telefonnummer“.
Wortschatz
- ház – Haus
- kulcs – Schlüssel
- a ház kulcsa – der Schlüssel vom Haus
- lakás – Wohnung
- ajtó – Tür
- a lakás ajtaja – die Tür von der Wohnung
- cím – Titel; Adresse
- a könyv címe – der Titel des Buches
- név – Name
- a város neve – der Name der Stadt
- bolt – Laden, Geschäft
- zárva – geschlossen
- ismerős – bekannt
- furcsa – seltsam
- telefonszám {telefon·SZÁM} – Telefon·NUMMER(Telefonnummer)
3.Der Hund vom Nachbarn
A szomszéd kutyája hangos. – Der Hund vom Nachbarn ist laut.
A tanár telefonja drága. – Das Telefon vom Lehrer ist teuer.
A fiú telefonja az ágyon van. – Das Telefon von dem Jungen liegt auf dem Bett.
A nő kalapja elegáns. – Der Hut von der Frau ist elegant.
A család autója új. – Das Auto von der Familie ist neu.
Das gesprochene Deutsch ersetzt den Genitiv oft durch „von“ mit Dativ: „der Hund vom Nachbarn“ statt „der Hund des Nachbarn“. Beide Fassungen meinen dasselbe, und beide ergeben dieselbe ungarische Konstruktion: a szomszéd kutyája.
Der deutsche Dativ nach „von“ verlangt im Ungarischen keine eigene Endung am Besitzer. „Vom Lehrer“ wird nicht zu einer Form mit „-nak/-nek”, sondern einfach zu a tanár. Eine Besitzerform mit „-nak/-nek” gibt es zwar (a tanárnak a telefonja), sie hat aber eigene Gründe und ist nie eine Nachbildung des deutschen Dativs (→ 6.5).
Eine auffällige Parallele bietet die deutsche Umgangssprache mit „dem Nachbarn sein Hund“: Der Besitzer steht im Dativ voran, das Besitzwort trägt ein Possessivpronomen. Genau so ist die ungarische Form mit „-nak/-nek” gebaut. Bastian Sick machte die Konstruktion 2004 mit dem Buchtitel „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ bekannt.
| Deutsch | Ungarisch |
|---|---|
| der Hund des Nachbarn | a szomszéd kutyája |
| der Hund vom Nachbarn | a szomszéd kutyája |
| dem Nachbarn sein Hund (umgangssprachlich) | a szomszédnak a kutyája |
Ez a testvérem szobája. – Das ist das Zimmer von meinem Bruder (meiner Schwester).
Ez a barátom telefonszáma. – Das ist die Telefonnummer von meinem Freund.
Auch „von meinem Bruder“ wird nicht mit einer Endung für „von“ übersetzt. Der Besitzer testvérem „mein Geschwister“ trägt schon selbst ein Possessivsuffix; das Besitzwort szobája zeigt die Zugehörigkeit zu ihm an.
Wortschatz
- szomszéd – Nachbar
- kutya – Hund
- a szomszéd kutyája – der Hund vom Nachbarn
- tanár – Lehrer
- telefon – Telefon
- a tanár telefonja – das Telefon vom Lehrer
- fiú – Junge
- nő – Frau
- kalap – Hut
- a nő kalapja – der Hut der Frau
- család – Familie
- autó – Auto
- a család autója – das Auto der Familie
- szoba – Zimmer
- testvérem – mein Bruder, meine Schwester
- barátom – mein Freund
- hangos – laut
- drága – teuer
- elegáns – elegant
4.Ein Freund von mir
Egy barátom Berlinben él. – Ein Freund von mir lebt in Berlin.
Egy kollégánk Szegeden lakik. – Ein Kollege von uns wohnt in Szeged.
Egy nagynéném Bécsben él. – Eine Tante von mir lebt in Wien.
„Ein Freund von mir“ heißt egy barátom – wörtlich „ein Freund-mein“. Das „von mir“ steckt allein im Possessivsuffix „-om”; der unbestimmte Artikel egy macht deutlich, dass einer von mehreren Freunden gemeint ist. Eine Wortgruppe wie *egy barát tőlem gibt es mit dieser Bedeutung nicht: tőlem heißt „von mir weg, von mir her“.
→barát – Freund→barátom – mein Freund→egy barátom – ein Freund von mir
Ohne egy ist ein bestimmter Freund gemeint: A barátom Berlinben él. „Mein Freund lebt in Berlin.“ (→ 6.1.6)
Die europäischen Sprachen lösen „ein Freund von mir“ unterschiedlich: englisch a friend of mine, spanisch un amigo mío, französisch un de mes amis („einer von meinen Freunden“), russisch один мой друг (odin moj drug, „ein mein Freund“). Das Russische steht der ungarischen Form am nächsten: Zahlwort „ein“ und Possessivum, keine Präposition.
Wortschatz
- barát – Freund
- barátom – mein Freund
- egy barátom – ein Freund von mir
- kolléga – Kollege
- kollégánk – unser Kollege
- egy kollégánk – ein Kollege von uns
- nagynéni – Tante
- nagynéném – meine Tante
- egy nagynéném – eine Tante von mir
- él – leben
- lakik – wohnen
- Bécs – Wien
5.Welches „von“ ist possessiv?
Ein deutsches „von“ führt nur dann zur Possessivkonstruktion, wenn es eine Zugehörigkeit bezeichnet. Eine einfache Probe ist der Ersatz durch den Genitiv: „die Tasche von Dóra“ → „Dóras Tasche“ – der Sinn bleibt gleich, also Possessivkonstruktion. „Ich komme von Péter“ lässt sich nicht in einen Genitiv umformen; hier bezeichnet „von“ den Ausgangspunkt einer Bewegung.
| Deutsch | Ungarisch | Beziehung |
|---|---|---|
| die Tasche von Dóra | Dóra táskája | Zugehörigkeit |
| ein Freund von mir | egy barátom | Zugehörigkeit (unbestimmt) |
| ein Brief von Anna (erhalten) | levelet kaptam Annától | Absender |
| von Péter kommen | Pétertől jövök | Ausgangspunkt |
| von der Großmutter sprechen | a nagymamámról beszélek | Thema |
| ein Ring aus Gold | a gyűrű aranyból van | Material |
| ein Gedicht von Ady | egy vers Adytól | Urheber |
Nur die ersten beiden Zeilen enthalten eine Possessivkonstruktion. In allen anderen steht eine Kasusendung: „-tól/-től” (→ 4.8.3), „-ról/-ről” (→ 4.7.3) oder „-ból/-ből” (→ 4.6.3). Es ist also falsch, jedes „von“ mit „-tól/-től” wiederzugeben – und ebenso falsch, aus jedem „von“ eine Possessivkonstruktion zu machen.
Wortschatz
- levél – Brief
- levelet – einen Brief
- kap – bekommen
- kaptam – ich bekam, ich habe bekommen
- Annától – von Anna
- Pétertől – von Péter
- jön – kommen
- jövök – ich komme
- nagymama – Großmutter
- nagymamámról – von meiner Großmutter, über meine Großmutter
- beszél – sprechen
- gyűrű – Ring
- arany – Gold
- aranyból – aus Gold
- vers – Gedicht
- Adytól – von Ady
6.Das Wichtigste in Kürze
- Ein „von“, das Zugehörigkeit ausdrückt, wird zur Possessivkonstruktion: „die Tasche von Dóra“ = Dóra táskája.
- Der Besitzer bleibt dabei ohne Endung; die Zugehörigkeit zeigt das Possessivsuffix am Besitzwort.
- Der deutsche Dativ nach „von“ („vom Lehrer“) verlangt keine Endung „-nak/-nek”: a tanár telefonja.
- „Ein Freund von mir“ heißt egy barátom.
- Absender, Thema, Material und Ausgangspunkt werden nicht possessiv übersetzt, sondern mit -tól/-től, -ról/-ről, -ból/-ből.
Vertiefung
7.Absender ist nicht Besitzer
Levelet kaptam Annától. – Ich habe einen Brief von Anna bekommen.
A tanártól kaptam a könyvet. – Ich habe das Buch vom Lehrer bekommen.
Anna levele hosszú. – Annas Brief ist lang.
Annától bezeichnet die Person, von der der Brief kommt – den Absender. Ob Anna den Brief selbst geschrieben hat, sagt der Satz nicht; ebenso wenig, wem der Brief jetzt gehört (dem Empfänger). Anna levele „Annas Brief“ dagegen ordnet den Brief Anna zu: als Verfasserin oder als Besitzerin, je nach Zusammenhang. Die deutsche Probe zeigt den Unterschied: „ein Brief von Anna“ lässt sich nicht ohne Bedeutungswechsel durch „Annas Brief“ ersetzen.
Die Form kaptam ist in beiden Sätzen dieselbe, obwohl einmal ein unbestimmtes Objekt (levelet „einen Brief“) und einmal ein bestimmtes (a könyvet „das Buch“) folgt: In der 1. Person Singular der Vergangenheit fallen unbestimmte und bestimmte Konjugation zusammen (→ 10.8.6).
kaptam {kap·T·am} – bekommen·(VERGANGENHEIT)·ich(ich bekam)Denselben Absender-Kasus verlangen viele Verben des Erhaltens, Lernens und Erwerbens:
Sokat tanultam a tanáromtól. – Ich habe viel von meinem Lehrer gelernt.
A szomszédtól vettem a biciklit. – Ich habe das Fahrrad vom Nachbarn gekauft.
Segítséget kértem a rendőrtől. – Ich habe den Polizisten um Hilfe gebeten.
Das Russische trennt hier wie das Ungarische: письмо Анны (pis’mo Anny) „Annas Brief“ mit Genitiv, письмо от Анны (pis’mo ot Anny) „Brief von Anna“ mit der Präposition от „von … weg“ – genau die Rolle von „-tól/-től”. Das Englische unterscheidet Anna’s letter und a letter from Anna.
Wortschatz
- levél – Brief
- levele – sein/ihr Brief
- Anna levele – Annas Brief
- kaptam – ich bekam
- tanul – lernen
- tanáromtól – von meinem Lehrer
- vesz – kaufen; nehmen
- vettem – ich kaufte
- bicikli – Fahrrad
- kér – bitten
- kértem – ich bat
- segítség – Hilfe
- rendőr – Polizist
- rendőrtől – vom Polizisten
- hosszú – lang
8.Von etwas sprechen: das Thema
Egy könyvet olvasok Magyarországról. – Ich lese ein Buch über Ungarn.
A nagymamámról beszélek. – Ich spreche von meiner Großmutter.
A házról készült kép szép. – Das Bild von dem Haus ist schön.
Spricht, liest oder schreibt man „von“ etwas, so bezeichnet „von“ das Thema. Das Ungarische verwendet dafür „-ról/-ről”, eigentlich die Endung für „von einer Oberfläche herab“ (→ 4.7.8). Ein Buch Magyarországról gehört nicht Ungarn, es handelt von Ungarn.
In nagymamámról stehen beide Beziehungen in einem Wort. Das Possessivsuffix „-m” zeigt das Verwandtschaftsverhältnis („meine Großmutter“), die Kasusendung „-ról” das Gesprächsthema:
nagymamámról {nagymamá·M·ról} – Großmutter·MEIN·über(über meine Großmutter)Bei Bildern ist zu unterscheiden: a házról készült kép „das über das Haus angefertigte Bild“ nennt das Haus eindeutig als Motiv. Készült ist hier ein Partizip und wird als Gesamtform übersetzt (→ 12.6). Die Possessivkonstruktion a ház képe kann zwar auch das Motiv meinen, lässt aber offen, ob nicht ein Bild gemeint ist, das zum Haus gehört (etwa im Flur hängt). Ähnlich bildet das Partizip szóló „handelnd von“ ein Themenattribut:
Egy Magyarországról szóló könyvet olvasok. – Ich lese ein Buch über Ungarn.
Dass ein Wort für „von … herab“ das Thema angibt, ist in Europa verbreitet: lateinisch de heißt „von … herab“ und „über“ – Caesars De bello Gallico handelt „vom Gallischen Krieg“. Französisch parler de, spanisch hablar de und deutsch „sprechen von“ setzen diese Linie fort. Das Russische nimmt dagegen о (o) „über“: книга о Венгрии (kniga o Vengrii) „ein Buch über Ungarn“. Die Endung „-ról/-ről” selbst war ursprünglich ein selbständiges Wort mit der alten Ablativendung „-l”; erst im Altungarischen wurde es zur Endung.
Wortschatz
- olvas – lesen
- olvasok – ich lese
- Magyarország {Magyar·ORSZÁG} – ungarisch·LAND(Ungarn)
- Magyarországról {Magyarország·RÓL} – Ungarn·ÜBER(über Ungarn, von Ungarn)
- nagymama – Großmutter
- nagymamám – meine Großmutter
- nagymamámról – über meine Großmutter
- beszél – sprechen
- kép – Bild
- a házról készült kép – das Bild von dem Haus (als Motiv)
- a ház képe – das Bild des Hauses
- szóló – handelnd von
9.Material: aus Gold
A gyűrű aranyból van. – Der Ring ist aus Gold.
A kanál fából készült. – Der Löffel ist aus Holz gemacht.
Ez egy aranygyűrű. – Das ist ein Goldring.
Das Material eines Gegenstands bezeichnet „-ból/-ből” „aus (dem Inneren heraus)“ (→ 4.6.7). Das heutige Deutsch sagt dafür „aus“, nicht „von“; ein Ring aranyból ist also kein Fall der von-Verbindung. Im älteren und gehobenen Deutsch steht allerdings auch „von“: „ein Herz von Stein“. Spätestens dort darf keine Possessivkonstruktion entstehen – das Gold besitzt den Ring nicht.
Sehr häufig ist das Kompositum mit dem Material als Vorderglied:
aranygyűrű {arany·GYŰRŰ} – Gold·RING(Goldring) fakanál {fa·KANÁL} – Holz·LÖFFEL(Holzlöffel) kőszívű {kő·SZÍVű} – Stein·HERZ·(ADJEKTIV)(hartherzig)Kőszívű „mit einem Herzen aus Stein“ ist der Schlüsselbegriff eines bekannten ungarischen Romans: Mór Jókais A kőszívű ember fiai (1869) „Die Söhne des Mannes mit dem steinernen Herzen“. Die Endung „-ból/-ből” selbst geht wie „-ban/-ben” auf das Wort bél „Darm, Inneres“ zurück.
Die Vergleichssprachen schwanken: spanisch un anillo de oro, englisch a ring of gold neben a gold ring, französisch une bague en or, russisch кольцо из золота (kol’co iz zolota) „Ring aus Gold“ neben dem Adjektiv золотое кольцо (zolotoe kol’co), lateinisch anulus aureus „goldener Ring“.
Wortschatz
- gyűrű – Ring
- arany – Gold
- aranyból – aus Gold
- aranygyűrű {arany·GYŰRŰ} – Gold·RING(Goldring)
- fa – Holz; Baum
- fából – aus Holz
- kanál – Löffel
- fakanál {fa·KANÁL} – Holz·LÖFFEL(Holzlöffel)
- kő – Stein
- szív – Herz
- kőszívű {kő·SZÍVű} – Stein·HERZ·(ADJEKTIV)(hartherzig)
- készül – angefertigt werden
10.Ausgangspunkt und Herkunft
Pétertől jövök. – Ich komme von Péter.
A boltból jövök. – Ich komme aus dem Laden.
Hétfőtől péntekig dolgozom. – Ich arbeite von Montag bis Freitag.
A bolt nyolctól hatig van nyitva. – Der Laden hat von acht bis sechs geöffnet.
Bezeichnet „von“ den Ausgangspunkt einer Bewegung, steht eine Kasusendung der Richtung „woher?“. Bei Personen ist das „-tól/-től”: Pétertől jövök heißt, dass man bei Péter war. Daraus folgt keine Besitzgruppe; an Péter „gehört“ hier nichts. Ein Innenraum verlangt „-ból/-ből” (a boltból), eine Oberfläche „-ról/-ről”. Das deutsche Paar „von“/„aus“ und die drei ungarischen Endungen decken sich dabei nicht (→ 4.5.2).
Auch der zeitliche Anfangspunkt „von … an“ steht mit „-tól/-től”, das Ende mit „-ig” „bis“ (→ 4.8.7).
Herkunft als dauerhaftes Merkmal einer Person wird oft mit dem Adjektiv auf „-i” ausgedrückt (→ 3.6.4):
szegedi {szegedI} – Szeged·(ADJEKTIV)(aus Szeged, Szegediner)A szegedi barátom holnap jön. – Mein Freund aus Szeged kommt morgen.
Dasselbe Mittel diente im ungarischen Adel als Adelsprädikat, also für das deutsche Adels-„von“: nagybányai Horthy Miklós heißt deutsch „Miklós Horthy von Nagybánya“. Das Adjektiv steht vor dem Namen, das deutsche „von“ dahinter.
Wortschatz
- Pétertől – von Péter
- boltból – aus dem Laden
- hétfő – Montag
- hétfőtől – ab Montag, von Montag an
- péntekig – bis Freitag
- nyolctól – von acht (Uhr) an
- hatig – bis sechs (Uhr)
- dolgozik – arbeiten
- dolgozom – ich arbeite
- nyitva van – geöffnet sein
- szegedi {szegedI} – Szeged·(ADJEKTIV)(aus Szeged)
- holnap – morgen
11.Der Urheber: ein Gedicht von Ady
Ez egy vers Adytól. – Das ist ein Gedicht von Ady.
Ady verse rövid. – Adys Gedicht ist kurz.
Ezt a verset Ady írta. – Dieses Gedicht ist von Ady.
Beim Urheber eines Werks sind mehrere Ausdrucksweisen möglich, keine davon ist falsch. Egy vers Adytól stellt ein Gedicht vor und nennt Ady als Quelle – so wie bei einer Lesung oder in einer Sammlung. Ady verse ordnet das Gedicht dem Dichter als sein Werk zu; mit Eigentum im rechtlichen Sinn hat das nichts zu tun. Welche Form passt, entscheiden Blickwinkel und Zusammenhang. Ady Endre (1877–1919) gilt als Erneuerer der ungarischen Lyrik zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
verse {vers·E} – Gedicht·SEIN(sein Gedicht)Das dritte Beispiel zeigt die häufigste Lösung für das „von“ im deutschen Passiv („Das Gedicht wurde von Ady geschrieben“): Der Urheber wird zum Subjekt eines aktiven Satzes, Ady írta „Ady schrieb es“. Das heutige Ungarisch hat kein allgemein gebräuchliches Passiv (→ 11.12.9); die Postposition által „durch“ steht nur in bestimmten Fügungen (→ 5.5.9).
A házat a nagyapám építette. – Das Haus wurde von meinem Großvater gebaut.
Das Englische trennt den Urheber sprachlich ab: a poem by Ady, nicht of oder from. Das Lateinische setzt beim Passiv a/ab „von … weg“, wie das Deutsche „von“: a Caesare „von Caesar“.
Wortschatz
- vers – Gedicht
- verse – sein Gedicht
- Ady verse – Adys Gedicht
- egy vers Adytól – ein Gedicht von Ady
- ír – schreiben
- írta – er/sie schrieb es
- nagyapa – Großvater
- nagyapám – mein Großvater
- épít – bauen
- által – durch
- rövid – kurz
12.Doppeltes „von“
Egy kollégám autója fekete. – Das Auto von einem Kollegen von mir ist schwarz.
Egy barátomtól kaptam ezt a könyvet. – Ich habe dieses Buch von einem Freund von mir bekommen.
Enthält eine deutsche Wortgruppe zwei „von“, wird jedes für sich bestimmt. Im ersten Satz sind beide possessiv: „ein Kollege von mir“ → egy kollégám; „das Auto von diesem Kollegen“ → kollégám autója. Das Ungarische stellt die Glieder einfach voreinander, jedes Besitzwort trägt sein eigenes Possessivsuffix (→ 6.6).
Im zweiten Satz ist nur das innere „von mir“ possessiv (barátom), das äußere „von einem Freund“ bezeichnet den Absender. Beide Beziehungen sitzen in einem Wort: Possessivsuffix „-om”, dann Kasusendung „-tól”.
barátomtól {barát·OM·tól} – Freund·MEIN·von(von meinem Freund)Eine weitere Aufgabe des deutschen „von“ ist die Auswahl aus einer Menge: „einer von uns“, „zwei von den Kindern“. Sie wird weder possessiv noch mit „-tól/-től” übersetzt, sondern mit egyik „der eine“ und Possessivsuffix oder mit der Postposition közül „aus … heraus, von … unter“ (→ 5.2.6):
Egyikünk otthon marad. – Einer von uns bleibt zu Hause.
A gyerekek közül kettő beteg. – Zwei von den Kindern sind krank.
Grenze der einfachen Regel: Die Gleichung „von = Possessivkonstruktion“ gilt nur für Zugehörigkeit. Ob ein „von“ Zugehörigkeit, Absender, Thema, Material, Ausgangspunkt, Urheber oder Auswahl bezeichnet, entscheidet der Zusammenhang – nicht das deutsche Wort. Bei Urhebern sind Possessivkonstruktion (Ady verse) und Kasusendung (Adytól) gleichermaßen möglich.
Wortschatz
- kolléga – Kollege
- kollégám – mein Kollege
- egy kollégám autója – das Auto eines Kollegen von mir
- fekete – schwarz
- barátomtól – von meinem Freund
- egyik – der eine
- egyikünk – einer von uns
- közül – aus … heraus, von … unter
- gyerek – Kind
- gyerekek – Kinder
- beteg – krank
- otthon – zu Hause
- marad – bleiben
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