5.7.9 Possessivische Herkunft der Personalformen

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5.7.9 Possessivische Herkunft der Personalformen

Die Personalendungen der Postpositionen haben dieselbe Gestalt wie die Besitzsuffixe der Substantive: házam „mein Haus“ – alattam „unter mir“. Gleich ist die Form, nicht die Bedeutung: alattam bezeichnet eine Beziehung zu mir, keinen Besitz. Die Ähnlichkeit hat einen geschichtlichen Grund: Viele Postpositionen waren ursprünglich Substantive mit einer Ortsendung.

1.Gleiche Endung, andere Aufgabe

A házam a folyó mellett van. – Mein Haus liegt neben dem Fluss.

Alattam lakik egy zenész. – Unter mir wohnt ein Musiker.

Beide Wörter enden auf „-am”. In házam bezeichnet die Endung den Besitzer: Das Haus gehört mir. In alattam bezeichnet sie den Bezugspunkt einer räumlichen Beziehung: Der Musiker wohnt unter mir. Eine Übersetzung „mein Unter“ ergibt keinen Sinn; alattam wird als Ganzes mit „unter mir“ wiedergegeben.

házam {ház·AM} – Haus·MEIN(mein Haus) alattam {alatt·AM} – unter·ICH(unter mir)

Das Suffix an ház heißt birtokos személyjel „Besitzsuffix“ (→ 6.2). birtok heißt „Besitz“, birtokos „Besitzer“, személy „Person“, jel „Zeichen“: Das Besitzsuffix ist wörtlich das „Personenzeichen des Besitzers“.

birtokos {birtokOS} – Besitz·ER(Besitzer) személyjel {személy·JEL} – Person·ZEICHEN(Personalzeichen)

Beide Formen können im selben Satz stehen, jede mit ihrer eigenen Aufgabe:

Mellettem fekszik a kabátom. – Neben mir liegt mein Mantel.

Előtted ül a szomszédom. – Mein Nachbar sitzt vor dir.

„-em” an mellett heißt „neben mir“, „-om” an kabát „mein Mantel“. Im zweiten Satz gehören die beiden Personen nicht einmal zusammen: „-ed” zeigt auf „dich“ als Ort, „-om” auf „mich“ als Besitzer.

Wortschatz

  • házam – mein Haus
  • alattam – unter mir
  • mellettem – neben mir
  • előtted – vor dir
  • kabátom – mein Mantel
  • szomszédom – mein Nachbar
  • folyó – Fluss
  • zenész – Musiker
  • birtokos {birtokos} – Besitzer
  • személyjel {személy·jel} – Personalzeichen

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2.Die Reihen nebeneinander

A székem az ablaknál áll. – Mein Stuhl steht am Fenster.

A házunk messze van. – Unser Haus ist weit weg.

Miattunk maradt nyitva a bolt. – Unseretwegen blieb der Laden offen.

Legt man ein Substantiv mit Besitzsuffix und eine Postposition mit Personalendung nebeneinander, stimmen die Endungen in allen sechs Personen überein:

PersonBesitzformPersonalform der Postpositiongemeinsames Signal
ichházam – mein Hausalattam – unter mir„-am”
duházad – dein Hausalattad – unter dir„-ad”
er/sieháza – sein/ihr Hausalatta – unter ihm/ihr„-a”
wirházunk – unser Hausalattunk – unter uns„-unk”
ihrházatok – euer Hausalattatok – unter euch„-atok”
sieházuk – ihr Hausalattuk – unter ihnen„-uk”

Dasselbe gilt für Wörter mit hellen Vokalen:

PersonBesitzformPersonalform der Postpositiongemeinsames Signal
ichszékem – mein Stuhlmellettem – neben mir„-em”
duszéked – dein Stuhlmelletted – neben dir„-ed”
er/sieszéke – sein/ihr Stuhlmellette – neben ihm/ihr„-e”
wirszékünk – unser Stuhlmellettünk – neben uns„-ünk”
ihrszéketek – euer Stuhlmellettetek – neben euch„-etek”
sieszékük – ihr Stuhlmellettük – neben ihnen„-ük”

Die Übereinstimmung betrifft nur die Gestalt. házunk hat ein Substantiv als Kern und bezeichnet einen Gegenstand, der einer Gruppe gehört. miattunk hat keinen solchen Kern; es nennt die Gruppe als Ursache. Wer die Besitzsuffixe kennt, kennt damit die Personalendungen der Postpositionen, muss aber jede Form als Beziehung übersetzen.

A házatok nagyon szép. – Euer Haus ist sehr schön.

Alattatok van a konyha. – Unter euch ist die Küche.

A házuk közel van a tóhoz. – Ihr Haus liegt nahe am See.

Alattuk nyílik a kapu. – Unter ihnen öffnet sich das Tor.

Wortschatz

  • székem – mein Stuhl
  • házunk – unser Haus
  • miattunk – unseretwegen, wegen uns
  • házatok – euer Haus
  • alattatok – unter euch
  • házuk – ihr Haus
  • alattuk – unter ihnen
  • mellettük – neben ihnen
  • konyha – Küche
  • kapu – Tor

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3.Dir oder dein?

A házad előtt sok fa nő. – Vor deinem Haus wachsen viele Bäume.

Alattad lakik a tanárom. – Mein Lehrer wohnt unter dir.

A háza mellett kert van. – Neben seinem Haus ist ein Garten.

Alatta üres a lakás. – Unter ihm ist die Wohnung leer.

Im Deutschen entspricht dem Besitzsuffix ein Possessivpronomen („dein“, „sein“), der Personalendung der Postposition ein Personalpronomen („dir“, „ihm“). Die beiden Endungen „-ad” sehen gleich aus, werden aber verschieden übersetzt. a házad előtt enthält beides: das Besitzsuffix am Substantiv und die Postposition ohne Endung dahinter, „vor deinem Haus“. alattad hat kein Substantiv, die Person sitzt an der Postposition.

In der dritten Person gibt es weder hier noch dort ein Geschlecht: háza heißt „sein Haus“ oder „ihr Haus“, alatta „unter ihm“ oder „unter ihr“, bei Sachen auch „darunter“.

mit Substantivohne Substantiv
a házad előtt – vor deinem Hauselőtted – vor dir
a háza mellett – neben seinem/ihrem Hausmellette – neben ihm/ihr
a széked mögött – hinter deinem Stuhlmögötted – hinter dir
a házunk alatt – unter unserem Hausalattunk – unter uns

Wortschatz

  • a házad előtt – vor deinem Haus
  • alattad – unter dir
  • a háza mellett – neben seinem/ihrem Haus
  • alatta – unter ihm/ihr; darunter
  • mögötted – hinter dir
  • tanárom – mein Lehrer
  • lakás – Wohnung
  • üres – leer
  • fa – Baum

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4.Woher die Ähnlichkeit kommt

A ház előtt állnak a vendégek. – Die Gäste stehen vor dem Haus.

A ház elején van egy tábla. – An der Vorderseite des Hauses ist ein Schild.

előtt enthält das alte Substantiv elő „Vorderteil“ und die Ortsendung „-tt” (→ 5.3.2), heißt ursprünglich also „am Vorderteil“. Dasselbe Wort steckt in eleje „Vorderteil, Anfang“, das bis heute nur mit Besitzsuffix vorkommt: a ház eleje „die Vorderseite des Hauses“, a ház elején „an der Vorderseite des Hauses“. In beiden Fügungen steht a ház in der Grundform davor.

Eine Postposition wie előtt verhielt sich also einmal wie ein Substantiv, das eine Lage bezeichnet. Nach der üblichen Erklärung verband es sich mit einer Person wie ein Substantiv mit Besitzsuffix: „mein Vorderteil“ wurde zu „vor mir“. Ebenso gebaut sind:

mellett {mell·ETT} – Brust·(ORTSENDUNG)(neben) helyett {hely·ETT} – Ort·(ORTSENDUNG)(statt) alatt {al·ATT} – Unterteil·(ORTSENDUNG)(unter) előtt {elő·TT} – Vorderteil·(ORTSENDUNG)(vor)

mell „Brust“ und hely „Ort, Platz“ sind heute noch gewöhnliche Substantive. Dem Bild nach ist mellettem „an meiner Brust“, helyettem „an meinem Ort“. Das deutsche „an meiner Stelle“ ist genauso gebaut.

Wortschatz

  • mellett {mell·ett} – neben
  • helyett {hely·ett} – statt
  • alatt {al·att} – unter
  • előtt {elő·tt} – vor
  • mell – Brust
  • hely – Ort, Platz
  • eleje – Vorderteil, Anfang
  • a ház elején – an der Vorderseite des Hauses
  • vendég – Gast
  • tábla – Schild, Tafel

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5.Wo die Ähnlichkeit endet

A fiú háza a templom mögött van. – Das Haus des Jungen steht hinter der Kirche.

A fiú mellett ülök. – Ich sitze neben dem Jungen.

Steht der Besitzer als Substantiv da, braucht das Besitzwort trotzdem sein Suffix: a fiú háza. Die Postposition bleibt dagegen nach einem Substantiv ohne Endung: a fiú mellett, nicht *a fiú mellette. Das gilt auch bei einem Bezugswort im Plural: a gyerekek mellett „neben den Kindern“; erst ohne Substantiv heißt es mellettük „neben ihnen“.

Zweitens kann an das Besitzwort jede weitere Endung treten: házam, házamat, házamban, házamból. Nach der Personalendung einer Postposition folgt nichts mehr; *alattamban gibt es nicht.

→házam – mein Haus→házamban – in meinem Haus→házamból – aus meinem Haus

Drittens hat das Besitzwort eine eigene Mehrzahl des Besitzes: házaim „meine Häuser“. Bei alattam gibt es nichts, was mehrfach vorhanden sein könnte.

Wortschatz

  • a fiú háza – das Haus des Jungen
  • a fiú mellett – neben dem Jungen
  • a gyerekek mellett – neben den Kindern
  • mellettük – neben ihnen
  • házamban – in meinem Haus
  • házamból – aus meinem Haus
  • házaim – meine Häuser
  • templom – Kirche
  • fiú – Junge

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6.Das Wichtigste in Kürze

  • Die Personalendungen der Postpositionen gleichen den Besitzsuffixen: házam – alattam, székünk – mellettünk.
  • Das Besitzsuffix nennt den Besitzer („mein“), die Personalendung der Postposition den Bezugspunkt („mir“): alattam – unter mir.
  • Viele Postpositionen waren Substantive mit der Ortsendung -tt: elő „Vorderteil“ → előtt, mell „Brust“ → mellett, hely „Ort“ → helyett.
  • Nach einem Substantiv bleibt die Postposition ohne Endung: a fiú mellett, aber a fiú háza.
  • Nach der Personalendung der Postposition folgt keine weitere Endung: házamban, aber kein *alattamban.

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Vertiefung

7.Ortsbezeichnende Substantive als Ausgangspunkt

A lap alján van a dátum. – Unten auf der Seite steht das Datum.

A tér közepén áll egy szobor. – In der Mitte des Platzes steht eine Statue.

A régi ház helyén park van. – An der Stelle des alten Hauses ist ein Park.

Das Muster, aus dem viele Postpositionen hervorgegangen sind, ist im heutigen Ungarisch noch voll lebendig: ein Substantiv für einen Teil oder eine Stelle, mit Besitzsuffix und Ortsendung. alja „sein Unterteil“, közepe „seine Mitte“, helye „sein Platz“ stehen nach einem Substantiv in der Grundform, genau wie Postpositionen:

alján {alj·Á·n} – Unterteil·SEIN·auf(unten an) közepén {közep·É·n} – Mitte·SEIN·auf(in der Mitte) helyén {hely·É·n} – Platz·SEIN·auf(an der Stelle)

Der Unterschied zur Postposition liegt in der Reihenfolge. Bei alján stehen Besitzsuffix und Ortsendung in der gewöhnlichen Reihenfolge des Substantivs: erst die Person, dann der Kasus, wie in házamban. Bei alattam steht die alte Ortsendung „-tt” innen und die Personalendung außen. Die Personalendung tritt an eine Form, die schon als fertiges Wort gilt. Darin zeigt sich der Schritt vom Substantiv zur Postposition.

FügungBauweiseReihenfolge
a lap alján – unten auf der SeiteSubstantiv + Besitz + KasusPerson vor Kasus
a házamban – in meinem HausSubstantiv + Besitz + KasusPerson vor Kasus
alattam – unter miralte Ortsform + PersonOrtsendung vor Person

Mit demselben Stamm lassen sich beide Bauweisen vergleichen. hely bildet die durchsichtige Fügung und die Postposition:

A helyemen ülsz. – Du sitzt auf meinem Platz.

A helyedben nem mennék el. – An deiner Stelle würde ich nicht hingehen.

Helyetted én megyek el. – Statt deiner gehe ich hin.

a helyemen meint einen wirklichen Platz, a helyedben eine gedachte Lage, helyetted eine Vertretung. Nur die letzte Form ist eine Postposition; die beiden anderen sind Substantive mit Besitzsuffix und Kasus und nehmen den Artikel.

A széked mögött állok. – Ich stehe hinter deinem Stuhl.

Mögötted áll a székem. – Mein Stuhl steht hinter dir.

A házunk előtt állnak a vendégek. – Die Gäste stehen vor unserem Haus.

Diese Sätze sind heutige Vergleichssätze, keine alten Belege. Sie zeigen, dass beide Bauweisen nebeneinander bestehen: Besitzform plus endungslose Postposition (a széked mögött) und Personalform der Postposition (mögötted).

Wortschatz

  • a lap alján – unten auf der Seite
  • a tér közepén – in der Mitte des Platzes
  • a ház helyén – an der Stelle des Hauses
  • a helyemen – auf meinem Platz
  • a helyedben – an deiner Stelle
  • helyetted – statt deiner, für dich
  • a széked mögött – hinter deinem Stuhl
  • lap – Seite, Blatt
  • tér – Platz
  • szobor – Statue
  • dátum – Datum

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8.Grammatikalisierung

Előttünk állnak a vendégek. – Die Gäste stehen vor uns.

A tervünk szerint holnap dolgozunk. – Nach unserem Plan arbeiten wir morgen.

Szerintünk holnap dolgozni kell. – Unserer Meinung nach muss man morgen arbeiten.

Den Weg vom Inhaltswort zum grammatischen Wort nennt man Grammatikalisierung, ungarisch grammatikalizáció. Das Wort verliert dabei seine eigene, greifbare Bedeutung und bezeichnet nur noch eine Beziehung. Von „Brust“ ist in mellett nichts mehr zu spüren; das Wort heißt „neben“ und reicht weiter ins Übertragene:

A barátom kiáll mellettem. – Mein Freund steht zu mir.

Emellett angolul is beszél. – Außerdem spricht er auch Englisch.

Ein Fall, in dem das Besitzsuffix selbst in der Postposition steckt, ist után „nach“. Es gilt als Erstarrung von útján „auf seinem Weg“, aus út „Weg“, Besitzsuffix und Ortsendung „-n”. Die Fügung útján lebt daneben weiter, heute in der Bedeutung „auf dem Weg über, mittels“:

útján {út·JÁ·n} – Weg·SEIN·auf(auf seinem Weg; mittels)

A levelet a nagykövetség útján kaptuk meg. – Den Brief haben wir über die Botschaft erhalten.

Auch szerint zeigt, wie eine Beziehung grammatisch wird. Es enthält szer „Reihe, Ordnung“ und heißt nach einem Substantiv „gemäß“ (a tervünk szerint). Mit Personalendung bezeichnet es fast nur noch eine Meinung: szerintünk „unserer Meinung nach“, nicht „gemäß uns“ in einer Reihenfolge (→ 5.7.8). Die Personalform hat damit eine Bedeutung angenommen, die die Fügung mit Substantiv nicht hat.

Grammatikalisierung beschreibt eine Richtung, keinen festen Fahrplan. Nicht jede Postposition hat dieselben Stufen durchlaufen, und für die meisten ist kein Zeitpunkt bekannt, an dem die Personalendungen hinzukamen.

Wortschatz

  • előttünk – vor uns
  • a tervünk szerint – nach unserem Plan
  • szerintünk – unserer Meinung nach
  • kiáll vki mellett – für jemanden eintreten, zu jemandem stehen
  • emellett – außerdem
  • útján – auf seinem Weg; über, mittels
  • nagykövetség – Botschaft
  • szer – (veraltet) Reihe, Ordnung
  • grammatikalizáció – Grammatikalisierung

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9.Keine gemeinsame Herkunft aller Postpositionen

Die Herleitung aus einem Substantiv mit Ortsendung passt zu alatt, előtt, mellett, mögött, között und helyett. Andere Postpositionen haben einen anderen Ursprung und tragen trotzdem dieselben Personalendungen:

PostpositionHerkunftPersonalform
alattal „Unterteil“ + Ortsendung „-tt”alattam – unter mir
mellettmell „Brust“ + Ortsendung „-tt”mellettem – neben mir
mögöttmög „Raum dahinter“ (mundartlich) + Ortsendung „-tt”mögöttem – hinter mir
helyetthely „Ort“ + Ortsendung „-tt”helyettem – statt meiner
utánút „Weg“ + Besitzsuffix + „-n”utánam – nach mir
szerintszer „Reihe“ + Adverbsuffix „-int”szerintem – meiner Meinung nach
nélkülKasusendung „-nél” + kül, alte Form von kívülnélkülem – ohne mich
miattFragewort mi + alte Endungenmiattam – meinetwegen

nélkül und miatt enthalten kein Substantiv, an dem ein Besitzsuffix ursprünglich gestanden haben könnte. Ihre Personalformen sind durch Analogie entstanden: Die Endungen gingen von den nominalen Postpositionen auf die ganze Wortart über. Bei nélkül ist eine ältere Bauweise noch bekannt, die Personalform eines Kasus vor der unveränderten Postposition, wie heute bei velem szemben (→ 5.6.8):

Nálam nélkül nem kezdenek. – Ohne mich fangen sie nicht an. (altertümlich)

Nélkülem nem kezdenek. – Ohne mich fangen sie nicht an.

Gewöhnlich ist heute nélkülem; nálam nélkül wirkt altertümlich oder bewusst gehoben. Die Bezeichnung „possessivische Herkunft“ beschreibt also eine Vorlage, nach der sich die Reihe gebildet hat, nicht die Geschichte jedes einzelnen Wortes.

A családunk nélkülünk utazik. – Unsere Familie reist ohne uns.

Wortschatz

  • nélkülem – ohne mich
  • nélkülünk – ohne uns
  • nálam nélkül – (altertümlich) ohne mich
  • utánam – nach mir
  • helyettem – statt meiner
  • miattam – meinetwegen, wegen mir
  • kívül – außerhalb, außer
  • családunk – unsere Familie
  • utazik – reist

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10.Zwei Beschreibungen derselben Form

A barátom mellettem ül a vonaton. – Mein Freund sitzt im Zug neben mir.

A testvéred miattad maradt itt. – Dein Bruder ist deinetwegen hier geblieben.

Die ungarische Schulgrammatik nennt Wörter wie mellettem személyragos névutó „Postposition mit Personalendung“. Sie unterscheidet dabei zwei Arten von Endungen: jel „Zeichen“ und rag „Endung“. Ein jel kann weitere Endungen nach sich haben, ein rag schließt das Wort ab. Das Besitzsuffix in barátom ist ein jel, denn es folgt noch etwas: barátomnak, barátommal. Die Endung in mellettem gilt als rag, denn danach ist das Wort fertig. Gleiche Form, verschiedene Einordnung – der Name richtet sich nach der Stellung im Wort, nicht nach der Herkunft.

személyragos {személy·RAGos} – Person·ENDUNG·(MIT)(mit Personalendung) névutó {név·UTÓ} – Name·NACH(Postposition)

Eine zweite Beschreibung geht vom Personalpronomen aus. mellettem, velem und nekem vertreten jeweils „ich“ in einer bestimmten Beziehung; in manchen neueren Darstellungen heißen sie deshalb névmási határozószó, „pronominales Adverb“. Diese Sicht fasst Formen zusammen, die verschieden gebaut sind: mellettem hat eine Postposition als Stamm, velem eine Kasusendung. Beide Beschreibungen schließen sich nicht aus; die eine betrachtet den Bau des Wortes, die andere seine Rolle im Satz.

névmási {név·MÁSi} – Name·ANDERER·(ADJEKTIV)(pronominal) határozószó {határozÓ·szó} – bestimmen·END·Wort(Adverb)

Wortschatz

  • személyragos {személy·ragos} – mit Personalendung
  • névutó {név·utó} – Postposition
  • jel – Zeichen
  • rag – Endung
  • barátomnak – meinem Freund
  • barátommal – mit meinem Freund
  • miattad – deinetwegen
  • testvéred – dein Bruder / deine Schwester
  • névmási {név·mási} – pronominal
  • határozószó {határozó·szó} – Adverb

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11.Grenzen der Analogie

A szomszédjuk mellettük vár. – Ihr Nachbar wartet neben ihnen.

Mögöttem áll a gyerek. – Das Kind steht hinter mir.

Ez az örömöm. – Das ist meine Freude.

Die Gleichung „Personalendung = Besitzsuffix“ stimmt in den Grundzügen, nicht in jeder Einzelheit. Substantive mit gerundetem Vokal haben im Besitz Bindevokale mit ö: örömöm „meine Freude“, örömötök „eure Freude“. Die Postpositionen mit ö nehmen nur e: mögöttem, mögöttetek, fölöttem, közöttetek. Ebenso hat után nur a: utánam, während kalap „Hut“ kalapom bildet.

PersonSubstantiv mit öPostposition mit ö
ichörömöm – meine Freudemögöttem – hinter mir
ihrörömötök – eure Freudemögöttetek – hinter euch
sieörömük – ihre Freudemögöttük – hinter ihnen

Auch nach langem Vokal weichen die Reihen ab. kapu „Tor“ bildet kapuja „sein Tor“; die Richtungsform mellé „neben … hin“ hat in der dritten Person gar keine Endung oder „-je”: mellé oder melléje „neben ihn/sie hin“ (→ 5.7.4). Mit j stehen szomszédjuk „ihr Nachbar“ und melléjük „neben sie hin“, ohne j dagegen mellettük.

Schließlich lassen sich mit den Personalendungen keine neuen Postpositionen bilden. Die Reihe ist auf die vorhandenen Wörter beschränkt; die Stammform muss je Postposition gelernt werden: körülöttem „um mich herum“ mit eingeschobenem „-ött-”, köztem neben közöttem „zwischen mir“ (→ 5.7.5). Postpositionen mit Kasusforderung wie szemben oder képest erhalten überhaupt keine Personalendung.

Wortschatz

  • szomszédjuk – ihr Nachbar
  • mellettük – neben ihnen
  • mögöttem – hinter mir
  • mögöttetek – hinter euch
  • örömöm – meine Freude
  • örömötök – eure Freude
  • utánam – nach mir
  • kalapom – mein Hut
  • kapuja – sein/ihr Tor
  • melléje – neben ihn/sie hin
  • körülöttem – um mich herum

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12.Vergleich mit anderen Sprachen

Präpositionen aus Substantiven kennen auch die europäischen Sprachen, und bei Personen erscheint dann oft ein Possessivpronomen. Das deutsche „meinetwegen“ geht auf mittelhochdeutsch von mînen wegen „von meinen Wegen“ zurück; „wegen“ ist der Plural von „Weg“, und vor ihm steht das Possessivpronomen. „An meiner Stelle“ entspricht helyettem bis ins Bild, ebenso englisch instead of me mit stead „Stelle“, französisch à ma place und russisch вместо меня (vmesto menja), aus в место „an den Ort“.

Das Lateinische stellt causa „wegen“ hinter den Genitiv wie eine ungarische Postposition: honoris causa „der Ehre wegen“. Bei Personen steht das Possessivpronomen: mea causa „meinetwegen“. Das entspricht genau dem ungarischen Paar a ház miatt – miattam. Im Spanischen ist neben delante de mí „vor mir“ umgangssprachlich auch delante mío zu hören, mit Possessivpronomen; die Norm zieht delante de mí vor.

Sprachemit Substantivmit Person
Ungarischa ház helyett – statt des Hauseshelyettem – statt meiner
Deutschan Stelle des Hausesan meiner Stelle
Englischinstead of the houseinstead of me
Französischà la place de la maisonà ma place
Russischвместо дома (vmesto doma)вместо меня (vmesto menja)
Lateinhonoris causamea causa
Spanischdelante de la casadelante de mí; umgangssprachlich delante mío

Das Ungarische geht weiter als diese Sprachen: Bei ihm ist die Personalform nicht ein Sonderfall weniger Wörter, sondern die Regel für eine große Gruppe von Postpositionen ohne Kasusforderung.

Wortschatz

  • helyettem – statt meiner, an meiner Stelle
  • miattam – meinetwegen
  • a ház miatt – wegen des Hauses
  • a ház helyett – statt des Hauses
  • előttem – vor mir
  • mögöttem – hinter mir

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