6.4.5 Pluralbesitz bei veränderlichen Stämmen
Vor dem Besitzpluralzeichen -ai/-ei steht bei veränderlichen Wörtern derselbe veränderte Stamm wie im gewöhnlichen Plural: ló → lovak → lovaim – meine Pferde, levél → levelek → leveleim – meine Briefe. Einige Wörter weichen davon ab und haben eigene Formen: út → utak, aber útjaim; szülő → szüleim.
1.Meine Pferde
A lovaim a réten vannak. – Meine Pferde sind auf der Wiese.
Das Wörterbuch nennt ló „Pferd“. In lovaim „meine Pferde“ steht davor aber nicht ló, sondern lov-: Hinter dem o erscheint ein v, und der Vokal ist kurz. Die Endung selbst ist regelmäßig: das Besitzpluralzeichen „-ai” und das Possessivsuffix „-m” „mein“ (→ 6.4.4).
lovaim {lov·AI·m} – Pferd·(MEHRZAHL_DES_BESITZES)·mein(meine Pferde)Dieselbe Stammform lov- kennt man schon aus dem gewöhnlichen Plural und aus dem Besitz im Singular:
→ló – Pferd→lovak – Pferde→lovam – mein Pferd→lovaim – meine Pferde
Solche Wörter haben zwei Stämme: den Wörterbuchstamm, der allein und vor manchen Endungen steht, und einen zweiten Stamm vor vokalisch beginnenden Endungen. Ungarisch heißen sie változó tövű szavak „Wörter mit veränderlichem Stamm“; die Stammklassen im Einzelnen behandelt 2.8 (→ 2.8). Für den Besitzplural gilt eine einfache Beobachtung: Das Zeichen „-ai”/„-ei” beginnt mit einem Vokal, deshalb steht davor stets der zweite Stamm.
szótő {szó·TŐ} – Wort·STAMM(Wortstamm) változó tövű – mit veränderlichem StammVon lov- sind auch lovas „Reiter“, lovag „Ritter“ und lovagol „reiten“ abgeleitet.
Wortschatz
- ló – Pferd
- lovak – Pferde
- lovam – mein Pferd
- lovaim – meine Pferde
- lovas – Reiter
- lovag – Ritter
- lovagol – reiten
- rét – Wiese
- réten – auf der Wiese
- szótő {szó·TŐ} – Wort·STAMM(Wortstamm)
2.Kurzer Vokal im Stamm
A leveleim a fiókban vannak. – Meine Briefe liegen in der Schublade.
A kezeid hidegek. – Deine Hände sind kalt.
A neveink a táblán vannak. – Unsere Namen stehen an der Tafel.
Bei levél, kéz und név ist der Vokal der letzten Silbe im Wörterbuchwort lang (é). Vor dem Besitzpluralzeichen wird er kurz (e), wie im gewöhnlichen Plural levelek, kezek, nevek:
→levél – Brief→levelek – Briefe→leveleim – meine Briefe
→kéz – Hand→kezek – Hände→kezeid – deine Hände
→név – Name→nevek – Namen→neveink – unsere Namen
Ebenso verhalten sich viele Wörter mit á oder é in der letzten Silbe:
| Grundwort | gewöhnlicher Plural | meine … |
|---|---|---|
| madár – Vogel | madarak | madaraim |
| nyár – Sommer | nyarak | nyaraim |
| tehén – Kuh | tehenek | teheneim |
| egér – Maus | egerek | egereim |
| kéz – Hand | kezek | kezeim |
| levél – Brief, Blatt | levelek | leveleim |
| név – Name | nevek | neveim |
A madaraim reggel énekelnek. – Meine Vögel singen morgens.
A teheneim a réten legelnek. – Meine Kühe weiden auf der Wiese.
A leveleid tegnap érkeztek. – Deine Briefe sind gestern angekommen.
levél bedeutet „Blatt“ an der Pflanze und „Brief“; die Bedeutung „Brief“ ist seit dem 14. Jahrhundert belegt. Das gleiche Bild steckt in deutsch „ein Blatt Papier“, englisch leaf (Blatt eines Buches) und französisch feuille. leveleim kann also auch „meine Blätter“ heißen. Mit kurzem Stamm sind ebenfalls levelez „Briefe wechseln“ und leveles „belaubt“ gebildet, von név das Verb nevez „nennen“.
Wortschatz
- levél – Brief; Blatt
- levelek – Briefe
- leveleim – meine Briefe
- leveleid – deine Briefe
- kéz – Hand
- kezeid – deine Hände
- név – Name
- neveink – unsere Namen
- madár – Vogel
- madaraim – meine Vögel
- tehén – Kuh
- teheneim – meine Kühe
- fiók – Schublade
- tábla – Tafel
- levelez – Briefe wechseln
- nevez – nennen
3.Ausfall eines Vokals
A dolgaim a táskában vannak. – Meine Sachen sind in der Tasche.
A tükreim tiszták. – Meine Spiegel sind sauber.
A bokraim gyorsan nőnek. – Meine Sträucher wachsen schnell.
Bei dolog, tükör und bokor fällt der Vokal der letzten Silbe aus, sobald eine vokalisch beginnende Endung folgt. Übrig bleibt ein Stamm mit zwei Konsonanten am Ende: dolg-, tükr-, bokr-. Formen wie *dologaim oder *tüköreim gibt es nicht.
→dolog – Sache→dolgok – Sachen→dolgaim – meine Sachen
→tükör – Spiegel→tükrök – Spiegel (Plural)→tükreim – meine Spiegel
| Grundwort | gewöhnlicher Plural | meine … |
|---|---|---|
| dolog – Sache | dolgok | dolgaim |
| tükör – Spiegel | tükrök | tükreim |
| álom – Traum | álmok | álmaim |
| bokor – Strauch | bokrok | bokraim |
| torony – Turm | tornyok | tornyaim |
| köröm – Nagel (Finger, Zeh) | körmök | körmeim |
| teher – Last | terhek | terheim |
Az álmaim néha furcsák. – Meine Träume sind manchmal seltsam.
A körmeim rövidek. – Meine Fingernägel sind kurz.
A vár tornyai messziről látszanak. – Die Türme der Burg sind von weitem zu sehen.
A terheim most kisebbek. – Meine Belastungen sind jetzt geringer.
Bei teher fällt nicht nur ein Vokal aus, auch h und r tauschen die Plätze: terh-, nicht *tehr-. Diese Lautumstellung (hangátvetés, Metathese) zeigen nur wenige Wörter, etwa pehely „Flocke“ → pelyhek und kehely „Kelch“ → kelyhek. teher gilt als Lehnwort aus bairisch trächt, deutsch Tracht „das Getragene, Last“ (zu tragen); das t am Ende wurde als Akkusativendung empfunden und fiel weg. Von terh- kommt terhes „lästig“ und „schwanger“, wörtlich „belastet“.
Auch torony gilt als Lehnwort aus dem Deutschen (Turm), das letztlich auf lateinisch turris zurückgeht. Die Ausfallstämme stecken in vielen Ableitungen: dolgozik „arbeiten“ (von dolog), álmodik „träumen“, tükröz „spiegeln“.
hangátvetés {hang·ÁTvetÉS} – Laut·HINÜBER·werfen·UNG(Lautumstellung)Wortschatz
- dolog – Sache
- dolgaim – meine Sachen
- tükör – Spiegel
- tükreim – meine Spiegel
- álom – Traum
- álmaim – meine Träume
- bokor – Strauch
- bokraim – meine Sträucher
- torony – Turm
- tornyai – seine/ihre Türme
- köröm – Nagel (Finger, Zeh)
- körmeim – meine Nägel
- teher – Last
- terheim – meine Lasten, Belastungen
- táska – Tasche
- vár – Burg
- dolgozik – arbeiten
- álmodik – träumen
4.Wörter mit v im Stamm
A szavaim őszinték. – Meine Worte sind ehrlich.
A lovaid szépek. – Deine Pferde sind schön.
A kert tavai kicsik. – Die Teiche des Gartens sind klein.
Einige Wörter auf „-ó”, „-ő”, „-ű” und „-u” erhalten vor vokalisch beginnenden Endungen ein v. Dabei kann sich auch der Vokal davor ändern: Aus szó wird szav-, aus tó wird tav-, aus kő wird köv-; bei falu fällt das u weg: falv-. Ungarisch heißen sie v-tövű főnevek „v-stämmige Substantive“ (→ 2.8.5).
| Grundwort | gewöhnlicher Plural | meine … |
|---|---|---|
| ló – Pferd | lovak | lovaim |
| szó – Wort | szavak | szavaim |
| tó – See, Teich | tavak | tavaim |
| kő – Stein | kövek | köveim |
| mű – Werk | művek | műveim |
| falu – Dorf | falvak | falvaim |
A szavaitok megnyugtattak. – Eure Worte haben mich beruhigt.
A templom kövei régiek. – Die Steine der Kirche sind alt.
Petőfi műveit olvassuk. – Wir lesen Petőfis Werke.
A megye falvai kicsik. – Die Dörfer des Komitats sind klein.
Der v-Laut gilt nicht als Einschub, sondern als alter Stammauslaut, der am Wortende geschwunden ist und sich nur vor einem Vokal erhalten hat. Der Stamm szav- lebt auch im Verb szavaz „abstimmen, wählen“, wörtlich etwa „sein Wort geben“.
Wortschatz
- szó – Wort
- szavaim – meine Worte
- szavaitok – eure Worte
- tó – See, Teich
- tavai – seine/ihre Seen, Teiche
- kő – Stein
- kövei – seine/ihre Steine
- mű – Werk
- műveit – seine/ihre Werke (Objekt)
- falu – Dorf
- falvai – seine/ihre Dörfer
- megye – Komitat
- őszinte – ehrlich, aufrichtig
- szavaz – abstimmen, wählen
5.Grundwort, Plural und Besitz nebeneinander
Die folgende Übersicht stellt für jedes Wort vier Formen nebeneinander: das Wörterbuchwort, den gewöhnlichen Plural, „mein …“ mit einem Besitzgegenstand und „meine …“ mit mehreren Besitzgegenständen. Bei allen diesen Wörtern hat der gewöhnliche Plural denselben Stamm wie der Besitzplural.
| Grundwort | gewöhnlicher Plural | mein … (ein Gegenstand) | meine … (mehrere) |
|---|---|---|---|
| kéz – Hand | kezek | kezem | kezeim |
| levél – Brief | levelek | levelem | leveleim |
| név – Name | nevek | nevem | neveim |
| ló – Pferd | lovak | lovam | lovaim |
| szó – Wort | szavak | szavam | szavaim |
| tó – See | tavak | tavam | tavaim |
| dolog – Sache | dolgok | dolgom | dolgaim |
| tükör – Spiegel | tükrök | tükröm | tükreim |
| álom – Traum | álmok | álmom | álmaim |
| bokor – Strauch | bokrok | bokrom | bokraim |
| teher – Last | terhek | terhem | terheim |
Der Unterschied zwischen dem dritten und dem vierten Feld liegt allein im Besitzpluralzeichen: lovam ist ein Pferd, lovaim sind mehrere. Der Stamm ist in beiden Formen gleich verändert. Der gewöhnliche Plural lovak sagt nichts über einen Besitzer; zum Unterschied der beiden Plurale → 6.4.6 (→ 6.4.6).
Ez a lovam. – Das ist mein Pferd.
Ezek a lovaim. – Das sind meine Pferde.
A réten lovak vannak. – Auf der Wiese sind Pferde.
Wortschatz
- lovam – mein Pferd
- lovaim – meine Pferde
- lovak – Pferde
- kezem – meine Hand
- kezeim – meine Hände
- dolgom – meine Sache; meine Arbeit
- dolgaim – meine Sachen
- tükröm – mein Spiegel
- tükreim – meine Spiegel
- ez – das (hier)
- ezek – diese, das (Plural)
6.Alle sechs Personen
A bokraik a kerítés mellett nőnek. – Ihre Sträucher wachsen am Zaun.
A tükreitek a falon vannak. – Eure Spiegel hängen an der Wand.
Ist der Stamm einmal gefunden, folgen alle sechs Personen ohne weitere Änderung. Nur das Possessivsuffix hinter „-ai”/„-ei” wechselt: „-m” mein, „-d” dein, kein Suffix bei sein/ihr, „-nk” unser, „-tok”/„-tek” euer, „-k” ihr (mehrere Besitzer).
| Besitzer | ló – Pferd | levél – Brief | dolog – Sache |
|---|---|---|---|
| mein | lovaim | leveleim | dolgaim |
| dein | lovaid | leveleid | dolgaid |
| sein/ihr | lovai | levelei | dolgai |
| unser | lovaink | leveleink | dolgaink |
| euer | lovaitok | leveleitek | dolgaitok |
| ihr (mehrere) | lovaik | leveleik | dolgaik |
János lovai a réten vannak. – János’ Pferde sind auf der Wiese.
A lovaink fáradtak. – Unsere Pferde sind müde.
A falvaink egyre kisebbek. – Unsere Dörfer werden immer kleiner.
In der 3. Person Singular endet die Form auf das Besitzpluralzeichen selbst: lovai „seine/ihre Pferde“, levelei „seine/ihre Briefe“. Steht ein Besitzer davor, wie in János lovai, ist das die gewöhnliche Form der Besitzgruppe (→ 6.1).
Wortschatz
- bokraik – ihre Sträucher (mehrere Besitzer)
- tükreitek – eure Spiegel
- lovai – seine/ihre Pferde
- lovaink – unsere Pferde
- levelei – seine/ihre Briefe
- falvaink – unsere Dörfer
- kerítés – Zaun
- fal – Wand
- falon – an der Wand
- fáradt – müde
- egyre kisebb – immer kleiner
7.Das Wichtigste in Kürze
- Vor -ai/-ei steht der zweite, veränderte Stamm, meist derselbe wie im gewöhnlichen Plural: lovak – lovaim.
- Kurzer Vokal: kéz → kezeim, levél → leveleim, név → neveim.
- Vokalausfall: dolog → dolgaim, tükör → tükreim, álom → álmaim; mit Lautumstellung teher → terheim.
- v-Stämme: ló → lovaim, szó → szavaim, tó → tavaim, kő → köveim.
- Hinter dem Stamm folgen alle sechs Personen regelmäßig: lovaid, lovai, lovaink …
Vertiefung
8.Der Stamm bleibt vor Kasusendungen
Elolvastam a leveleidet. – Ich habe deine Briefe gelesen.
Keresem a dolgaimat. – Ich suche meine Sachen.
Az álmaidról beszélgetünk. – Wir sprechen über deine Träume.
A leveleiben gyakran ír a családjáról. – In seinen/ihren Briefen schreibt er/sie oft über seine/ihre Familie.
Eine Kasusendung tritt hinter das Possessivsuffix und ändert am Stamm nichts mehr. Der veränderte Stamm wird für die ganze Form einmal gewählt, ganz gleich, wie viele Endungen folgen:
→levél – Brief→leveleid – deine Briefe→leveleidet – deine Briefe (Objekt)
dolgaimat {dolg·AI·m·AT} – Sache·(MEHRZAHL_DES_BESITZES)·mein·(AKKUSATIV)(meine Sachen (Objekt)) álmaidról {álm·AI·d·RÓL} – Traum·(MEHRZAHL_DES_BESITZES)·dein·VON(über deine Träume)Das gilt auch, wenn die 3. Person Singular kein eigenes Possessivsuffix zeigt: In leveleiben folgt „-ben” unmittelbar auf „-ei”. Ebenso tükreiben „in seinen/ihren Spiegeln“, szavaiból „aus seinen/ihren Worten“. Die Reihenfolge Stamm – Besitzplural – Person – Kasus ist dieselbe wie bei unveränderlichen Wörtern (→ 6.4.3).
A szavaiból kiderült az igazság. – Aus seinen/ihren Worten ging die Wahrheit hervor.
Gyerekkori nyaraimat a Balatonnál töltöttem. – Meine Kindheitssommer habe ich am Balaton verbracht.
Wortschatz
- leveleidet – deine Briefe (Objekt)
- leveleiben – in seinen/ihren Briefen
- dolgaimat – meine Sachen (Objekt)
- álmaidról – über deine Träume
- szavaiból – aus seinen/ihren Worten
- nyaraimat – meine Sommer (Objekt)
- elolvas – durchlesen, zu Ende lesen
- keres – suchen
- beszélget – sich unterhalten
- kiderül – sich herausstellen
- gyerekkori {gyerek·KORi} – Kind·ALTER·lich(Kindheits-)
9.út, kút, híd: zwei verschiedene Stämme
Az útjaim gyakran hosszúak. – Meine Reisen sind oft lang.
Sokat mesél az útjairól. – Er/Sie erzählt viel von seinen/ihren Reisen.
Bei út „Weg, Straße, Reise“ trifft die Faustregel aus den Grundlagen nicht zu. Der gewöhnliche Plural hat den kurzen Stamm ut-, ebenso der Akkusativ und „mein Weg“. Die Formen der 3. Person und der ganze Besitzplural haben dagegen den langen Stamm út- und die Variante „-jai” des Besitzpluralzeichens:
| Form | út – Weg | kút – Brunnen | híd – Brücke |
|---|---|---|---|
| Plural | utak | kutak | hidak |
| Akkusativ | utat | kutat | hidat |
| mein … | utam | kutam | hidam |
| sein/ihr … | útja | kútja | hídja |
| meine … | útjaim | kútjaim | hídjaim |
| seine/ihre … | útjai | kútjai | hídjai |
Aus utak lässt sich also útjaim nicht vorhersagen; die Form *utaim kommt vor, gilt aber nicht als Standard. In der Aussprache wird tj zu einem langen ty: útja klingt wie [úttya].
Budapest hídjai éjjel ki vannak világítva. – Die Brücken von Budapest sind nachts beleuchtet.
A falu kútjai kiszáradtak. – Die Brunnen des Dorfes sind ausgetrocknet.
Das Kompositum útlevél „Reisepass“ verbindet zwei Wörter dieses Kapitels. Verändert wird nur das letzte Glied, deshalb heißt es útleveleim „meine Reisepässe“:
útlevél {út·LEVÉL} – Weg·BRIEF(Reisepass)Hol vannak az útleveleink? – Wo sind unsere Reisepässe?
Wortschatz
- út – Weg, Straße; Reise
- utak – Wege, Straßen
- utam – mein Weg
- útjaim – meine Wege, Reisen
- útjairól – von seinen/ihren Reisen
- kút – Brunnen
- kútjai – seine/ihre Brunnen
- híd – Brücke
- hídjai – seine/ihre Brücken
- útlevél {út·LEVÉL} – Weg·BRIEF(Reisepass)
- útleveleink {út·LEVEL·ei·NK} – Weg·BRIEF·(Mehrzahl_des_Besitzes)·UNSER(unsere Reisepässe)
- mesél – erzählen
- kiszárad – austrocknen
10.Kurzer Stamm, langer Auslaut
A kezeid hidegek. – Deine Hände sind kalt.
Az almáim a kosárban vannak. – Meine Äpfel sind im Korb.
Zwei Veränderungen sehen ähnlich aus und betreffen doch verschiedene Stellen des Wortes. Bei kéz wird ein langer Vokal im Inneren des Stammes kurz: kéz → kez-. Bei alma wird der kurze Vokal am Wortende lang: alma → almá- (→ 2.8.1). Im Besitzplural erscheint bei den Wörtern auf „-a”/„-e” nur das „-i”, weil der Vokal schon im Stamm steht:
| Wort | Veränderung | meine … |
|---|---|---|
| kéz – Hand | é → e im Stamm | kezeim |
| tehén – Kuh | é → e im Stamm | teheneim |
| alma – Apfel | a → á am Ende | almáim |
| kefe – Bürste | e → é am Ende | keféim |
| táska – Tasche | a → á am Ende | táskáim |
Die Kürzung trifft also einen Vokal im Inneren des Stammes, die Längung den Auslaut. Eine Form wie *kézeim mit langem Vokal gibt es so wenig wie *almaim mit kurzem.
A keféim a fürdőszobában vannak. – Meine Bürsten sind im Badezimmer.
Wortschatz
- kezeid – deine Hände
- alma – Apfel
- almáim – meine Äpfel
- kefe – Bürste
- keféim – meine Bürsten
- táska – Tasche
- táskáim – meine Taschen
- kosár – Korb
- fürdőszoba {fürdő·SZOBA} – Bad·ZIMMER(Badezimmer)
11.Wo der Stamm endet
Bei der Zerlegung von leveleim liegt die Grenze hinter level-, nicht hinter levél-: leveleim. Der Stamm wird ganz in seiner veränderten Form abgetrennt, das Besitzpluralzeichen beginnt erst danach. Wer die Grenze nach dem Wörterbuchwort zieht, erhält die falsche Form *levéleim.
leveleim {level·EI·m} – Brief·(MEHRZAHL_DES_BESITZES)·mein(meine Briefe)Für das Zeichen selbst gibt es zwei Analysen. Die eine, hier verwendete, nimmt „-ai”/„-ei” als ein Ganzes. Die andere zerlegt weiter in einen Bindevokal „-a-”/„-e-” und das eigentliche Zeichen „-i”: leveleim; sie stützt sich darauf, dass bei Wörtern auf „-a”/„-e” nur das „-i” erscheint (almáim). Für den veränderten Stamm ändert die Wahl der Analyse nichts: Er lautet in beiden Fällen level-.
Bei den Ausfallstämmen sieht man die Grenze besonders deutlich, weil der fehlende Vokal sonst keinen Platz hat: dolgaim, tükreim, álmaim. Der Vokal von „-ai”/„-ei” ersetzt nicht den ausgefallenen Stammvokal: *dologaim hätte beide.
tükreim {tükr·EI·m} – Spiegel·(MEHRZAHL_DES_BESITZES)·mein(meine Spiegel) kötőhang {kötő·HANG} – Binde·LAUT(Bindevokal)Wortschatz
- leveleim – meine Briefe
- tükreim – meine Spiegel
- dolgaim – meine Sachen
- álmaim – meine Träume
- kötőhang {kötő·HANG} – Binde·LAUT(Bindevokal)
12.Eltern und Söhne: feste Sonderformen
A szüleink vidéken laknak. – Unsere Eltern wohnen auf dem Land.
A szüleitek mikor érkeznek? – Wann kommen eure Eltern an?
Anna szülei orvosok. – Annas Eltern sind Ärzte.
szülő „Elternteil“ ist das Partizip Präsens von szül „gebären“, wörtlich „Gebärender“; der Plural szülők bedeutet „Eltern“. Der Besitzplural folgt keinem Stamm, den man aus diesen Formen ableiten könnte: Er lautet szüleim, szüleid, szülei, szüleink, szüleitek, szüleik. Das ő fehlt ganz. Daneben kommen szülőim, szülői usw. vor, sind aber seltener. Diese Formen bilden eine feste Familie für sich; andere Wörter auf „-ő” verhalten sich nicht so: cipő → cipőim „meine Schuhe“.
→szül – gebären→szülő – Elternteil→szülők – Eltern→szüleim – meine Eltern
Eine ähnliche Sonderform hat fiú in der Bedeutung „Sohn“: fiam „mein Sohn“, fia „sein/ihr Sohn“ und im Besitzplural fiaim „meine Söhne“, fiai „seine/ihre Söhne“.
A fiaim már egyetemre járnak. – Meine Söhne studieren schon.
Kovács úr fiai mind orvosok. – Die Söhne von Herrn Kovács sind alle Ärzte.
Wortschatz
- szülő – Elternteil
- szülők – Eltern
- szüleim – meine Eltern
- szüleink – unsere Eltern
- szüleitek – eure Eltern
- szülei – seine/ihre Eltern
- szül – gebären
- fiú – Junge; Sohn
- fiaim – meine Söhne
- fiai – seine/ihre Söhne
- vidéken – auf dem Land
- orvos – Arzt
- egyetem – Universität
13.Schwankende Formen
A ház ajtajai zöldek. – Die Türen des Hauses sind grün.
Az asztalos ajtói a műhelyben állnak. – Die Türen des Tischlers stehen in der Werkstatt.
Einige Wörter haben zwei Besitzformen nebeneinander. Bei ajtó „Tür“ steht die Form mit verändertem Stamm (ajtaja, ajtajai) vor allem, wenn die Tür fester Teil eines Gebäudes ist: a ház ajtajai. Besitzt jemand Türen als Ware oder Werkstück, steht der unveränderte Stamm: az asztalos ajtói. In der 1. Person ist ajtóim „meine Türen“ die übliche Form; ajtajaim ist außerhalb einiger Mundarten selten.
Bei szó schwankt nur der gewöhnliche Plural: Neben szavak steht szók, das vor allem in der Sprachwissenschaft und in Zusammensetzungen vorkommt, etwa kötőszók „Konjunktionen“. Im Besitzplural gilt nur szavaim, szavai usw.
A város nevei sokat változtak. – Die Namen der Stadt haben sich stark verändert.
Solche Doppelformen sind auf einzelne Wörter beschränkt. Die übrigen Wörter dieses Kapitels haben im Besitzplural jeweils nur eine Standardform.
Wortschatz
- ajtó – Tür
- ajtajai – seine/ihre Türen (als Teil des Gebäudes)
- ajtói – seine/ihre Türen (als Besitz)
- ajtóim – meine Türen
- asztalos – Tischler
- műhely – Werkstatt
- szavak – Wörter, Worte
- szók – Wörter (Fachsprache)
- kötőszók {kötő·SZÓ·k} – Binde·WORT·(Plural)(Konjunktionen)
- nevei – seine/ihre Namen
- változik – sich verändern
14.Reichweite der Faustregel
Die Faustregel der Grundlagen lautet: Der Besitzplural hat denselben Stamm wie der gewöhnliche Plural. Sie trifft für die drei großen Gruppen zu – Kürzung (kezek – kezeim), Vokalausfall (dolgok – dolgaim), v-Stämme (lovak – lovaim) – und ebenso für teher mit Lautumstellung (terhek – terheim).
Sie versagt bei drei kleinen Gruppen:
| Gruppe | gewöhnlicher Plural | Besitzplural |
|---|---|---|
| út, kút, híd | utak, kutak, hidak | útjaim, kútjaim, hídjaim |
| szülő, fiú | szülők, fiúk | szüleim, fiaim |
| ajtó | ajtók | ajtóim, aber a ház ajtajai |
Bei út ist der Stamm des Besitzplurals länger als der des gewöhnlichen Plurals, bei szülő und fiú kürzer, bei ajtó hängt er von der Art des Besitzes ab. Für diese Wörter gibt das Wörterbuch die Besitzform eigens an (→ 2.8.9).
Wortschatz
- kezek – Hände
- kezeim – meine Hände
- dolgok – Sachen
- dolgaim – meine Sachen
- terhek – Lasten
- terheim – meine Lasten
- utak – Wege
- útjaim – meine Wege, Reisen
- szüleim – meine Eltern
- fiaim – meine Söhne
15.Andere Sprachen
Dass ein Wort allein anders aussieht als vor Endungen, kennen auch andere Sprachen. Am nächsten kommt das Lateinische: nomen „Name“ hat in allen übrigen Formen den Stamm nomin- (nominis, nomina), so wie név vor Endungen nev- zeigt. Auch dort ist die Wörterbuchform die Ausnahme, nicht der Stamm.
Das Russische hat flüchtige Vokale, die vor Endungen ausfallen, genau wie die ungarischen Ausfallstämme. Zufällig betrifft es sogar das Wort für „Traum“: сон (son) → сны (sny) „Träume“, wie álom → álmok; ebenso отец (otec) „Vater“ → отца (otca) „des Vaters“.
Das Englische kennt den Wechsel von f zu v vor der Pluralendung: leaf → leaves, wife → wives. Im Französischen wird aus cheval „Pferd“ im Plural chevaux – auch hier verändert gerade das Pferd seinen Stamm. Das Deutsche zeigt den Umlaut: Hand → Hände. Der Unterschied: Im Ungarischen gilt der veränderte Stamm nicht nur für den Plural, sondern für jede vokalisch beginnende Endung, auch für die Besitzformen.
Wortschatz
- név – Name
- nevek – Namen
- álom – Traum
- álmok – Träume
- ló – Pferd
- lovak – Pferde
- kéz – Hand
- kezek – Hände
- levél – Blatt; Brief
- levelek – Blätter; Briefe
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