2.1.6 Aussprache im Vergleich zum Deutschen
Ungarisch liest man, wie es dasteht: Jeder Buchstabe wird gesprochen, und zwar immer gleich. Deutsche Lesegewohnheiten – Dehnungs-h, Auslautverhärtung, verschluckte Endsilben, Knacklaut, deutsche Buchstabenwerte – gelten im Ungarischen nicht.
1.Budapest – ein Wort, drei Unterschiede
Budapest Magyarország fővárosa. – Budapest ist die Hauptstadt Ungarns.
Im Deutschen sagt man „Budapest“ mit dem s aus „Rest“. Ungarn sprechen das s als sch: etwa „Budapescht“. Am selben Wort zeigen sich drei Unterschiede zugleich:
Lautwert – Das ungarische s ist das deutsche sch. Länge – Das u ist kurz; ohne Akzentzeichen gibt es keine Länge. Betonung – Betont wird die erste Silbe: Budapest, Magyarország.Die Aussprache – kiejtés – ist also nicht schwer, aber sie folgt ungarischen Lesewerten. Wer ungarische Wörter mit deutschen Augen liest, spricht sie systematisch falsch. Die folgenden Abschnitte nennen die sieben deutschen Lesegewohnheiten, die im Ungarischen zu Fehlern führen.
kiejtés {ki·EJTÉS} – aus·SPRACHE(Aussprache)Wortschatz
- Budapest – Budapest
- Magyarország – Ungarn
- főváros {fő·város} – Hauptstadt
- fővárosa {fő·város·a} – seine Hauptstadt, die Hauptstadt (von …)
- kiejtés {ki·ejtés} – Aussprache
- hang – Laut
- betű – Buchstabe
2.Keine Dehnungszeichen
Das Deutsche zeigt die Länge eines Vokals auf viele Arten: durch h („Sohn“), durch ie („Bier“), durch Doppelvokal („Saal“) – oder gar nicht („Tag“). Das Ungarische zeigt sie nur auf eine Art, durch das Akzentzeichen (→ 2.1.5):
| deutsch | ungarisch |
|---|---|
| Sohn (oh) | só – Salz |
| Bier (ie) | sír – Grab; weint |
| Saal (aa) | sál – Schal |
| Tag (a) | tál – Schüssel |
Ein h ist im Ungarischen immer ein gesprochener Laut, nie ein Dehnungszeichen (→ 2.1.2): hó „Schnee“, méhész „Imker“. Ebenso ist ie kein langes i, sondern zwei Vokale nacheinander:
kiesik {ki·ESIK} – heraus·FÄLLT(fällt heraus)Kiesett a tollam. – Mein Stift ist herausgefallen.
Wortschatz
- só – Salz
- sír – Grab; weint
- sál – Schal
- tál – Schüssel
- hó – Schnee
- kiesik {ki·esik} – fällt heraus
- kiesett {ki·es·ett} – fiel heraus, ist herausgefallen
- toll – Stift, Feder
- tollam – mein Stift
3.Doppelter Konsonant – langer Konsonant
Im Deutschen macht ein doppelter Konsonant den Vokal davor kurz („Kamm“, „Ball“); der Konsonant selbst ist nicht länger als ein einfacher. Im Ungarischen bleibt der Vokal, wie er ist, und der Konsonant wird länger gehalten, etwa anderthalb- bis zweimal so lang (→ 2.2.3):
hal – Fisch hall – hört (er, sie)Jó reggelt kívánok! – Guten Morgen!
Itt mindenki kedves. – Hier sind alle nett.
Hallod a zenét? – Hörst du die Musik?
In reggelt wird das gg gehalten, in itt das tt, in hallod das ll. Die Vokale davor bleiben dabei kurz, aber nicht „abgehackt“ wie in „Kamm“.
Wortschatz
- hal – Fisch
- hall – hört
- hallod – du hörst (es)
- reggel – Morgen; morgens
- reggelt {reggel·t} – Morgen (Objekt)
- kíván – wünscht
- kívánok – ich wünsche
- itt – hier
- mindenki {minden·ki} – jeder, alle
- kedves – nett, lieb
- zene – Musik
- zenét – Musik (Objekt)
4.Keine Auslautverhärtung
Laute, bei denen die Stimmbänder schwingen, heißen stimmhaft – ungarisch zöngés, lateinisch sonorus. Man spürt dabei ein Summen am Kehlkopf. Laute ohne diesen Stimmton heißen stimmlos – zöngétlen, lateinisch surdus „taub“. Beide Wörter gehen auf zönge „Stimmton“ zurück, ein Wort der Spracherneuerung des 18./19. Jahrhunderts, gebildet zu einer Nebenform von zeng „klingen, tönen“; „-tlen” bedeutet „ohne“.
| stimmhaft | stimmlos |
|---|---|
| b | p |
| d | t |
| g | k |
| z | sz |
| zs | s |
| v | f |
| gy | ty |
| dz | c |
| dzs | cs |
Im Deutschen werden stimmhafte Laute am Wortende stimmlos: „Rad“ klingt wie „Rat“, „Tag“ endet auf k. Das ist die Auslautverhärtung, ungarisch szóvégi zöngétlenedés „Stimmloswerden am Wortende“:
szóvégi {szó·VÉGi} – Wort·ENDE·lich(am Wortende befindlich)Im Ungarischen gibt es keine Auslautverhärtung. Am Wortende bleibt b ein b, d ein d, z ein summendes s. Wer verhärtet, sagt ein anderes Wort:
| stimmhaft am Ende | stimmlos am Ende |
|---|---|
| had – Heer | hat – sechs |
| víz – Wasser | visz – trägt, bringt |
| ég – Himmel; brennt | ék – Keil |
| kéz – Hand | kés – Messer |
| láb – Fuß | láp – Moor |
Az ég kék. – Der Himmel ist blau.
Hat órákor kelek fel. – Ich stehe um sechs Uhr auf.
In ég endet das Wort auf ein stimmhaftes g, in kék auf ein stimmloses k – ein hörbarer Unterschied, den das Deutsche am Wortende nicht kennt.
Wortschatz
- zöngés – stimmhaft
- zöngétlen – stimmlos
- zönge – Stimmton
- szóvég {szó·vég} – Wortende
- had – Heer
- hat – sechs
- víz – Wasser
- visz – trägt, bringt
- ég – Himmel; brennt
- ék – Keil
- kéz – Hand
- kés – Messer
- láb – Fuß
- láp – Moor
- kék – blau
- órákor – um … Uhr
- kelek fel – ich stehe auf
5.Kein verschlucktes e
Deutsche Endsilben auf -en, -el, -er werden zum Murmellaut: „leben“ klingt fast wie „lebn“, „Vogel“ wie „Vogl“. Im Ungarischen wird jedes e voll und offen gesprochen, in jeder Silbe und auch am Wortende. Es klingt ähnlich wie das ä in „Männer“.
Este beszélgetünk. – Am Abend unterhalten wir uns.
Holnap meleg lesz. – Morgen wird es warm.
Szerdán esni fog. – Am Mittwoch wird es regnen.
In beszélgetünk stehen drei e-Laute (e, é, e); keiner davon wird abgeschwächt. Auch este und zene enden auf ein volles e.
Wortschatz
- este – Abend; abends
- beszélget – unterhält sich
- beszélgetünk – wir unterhalten uns
- holnap – morgen
- meleg – warm
- lesz – wird
- szerda – Mittwoch
- szerdán – am Mittwoch
- esik – fällt; regnet
- esni fog – wird regnen
- zene – Musik
6.Kein Knacklaut – Wörter fließen zusammen
Im Deutschen setzt man vor einem Vokal am Wort- oder Wortteilanfang neu an, mit einem kurzen Verschluss im Kehlkopf: „beʔachten“, „amʔAbend“. Das Ungarische kennt diesen Knacklaut nicht. Wortteile und Wörter gehen ohne Pause ineinander über:
megáll {meg·ÁLL} – (Vorsilbe)·STEHT(hält an)Megállunk a sarkon. – Wir halten an der Ecke an.
Az alma piros. – Der Apfel ist rot.
Megállunk klingt wie „me-gál-lunk“, az alma wie ein einziges Wort „a-zal-ma“. Dadurch wirkt gesprochenes Ungarisch fließend und gleichmäßig.
Wortschatz
- megáll {meg·áll} – hält an
- megállunk {meg·áll·unk} – wir halten an
- sarok – Ecke
- sarkon – an der Ecke
- alma – Apfel
- piros – rot
7.Betonung immer vorn
Betont wird stets die erste Silbe eines Wortes, gleich wie lang es ist (→ 2.3.1). Das Akzentzeichen zeigt die Länge, nicht die Betonung: In kávé ist das é lang, betont ist trotzdem ká-.
A kávé forró. – Der Kaffee ist heiß.
Viszontlátásra! – Auf Wiedersehen!
| Wort | betont |
|---|---|
| kávé – Kaffee | kávé |
| Magyarország – Ungarn | Magyarország |
| viszontlátásra – auf Wiedersehen | viszontlátásra |
| egyetem – Universität | egyetem |
Wortschatz
- kávé – Kaffee
- forró – heiß
- viszontlátásra – auf Wiedersehen
- egyetem – Universität
- Magyarország – Ungarn
8.Vom deutschen Laut zur ungarischen Schreibung
Wer ein ungarisches Wort hört und schreiben will, geht vom Laut aus, nicht von der deutschen Schreibung. Die wichtigsten Entsprechungen:
| Laut (deutsches Beispiel) | deutsch | ungarisch | Beispiel |
|---|---|---|---|
| sch in „Schule“ | sch | s | só – Salz |
| scharfes s in „Wasser“, „heiß“ | s, ss, ß | sz | szép – schön |
| summendes s in „Sonne“ | s | z | zene – Musik |
| z in „Zucker“, tz in „Katze“ | z, tz | c | cukor – Zucker |
| tsch in „Matsch“ | tsch | cs | csak – nur |
| j in „ja“ | j | j, ly | jó – gut |
| w in „Wasser“ | w | v | víz – Wasser |
| f in „Vater“, „Fisch“ | v, f | f | fa – Baum |
| langes a in „Vater“ | a, ah, aa | á | ár – Preis |
| langes i in „Liebe“, „ihn“ | ie, ih, i | í | víz – Wasser |
| langes ö in „Söhne“ | ö, öh | ő | őz – Reh |
| langes ü in „Hüte“, „früh“ | ü, üh | ű | fű – Gras |
A szomszéd mindig köszön. – Der Nachbar grüßt immer.
Sajnos ma nem érek rá. – Leider habe ich heute keine Zeit.
Szia, hogy vagy? – Köszönöm, jól. – Hallo, wie geht’s? – Danke, gut.
Wortschatz
- szép – schön
- cukor – Zucker
- csak – nur
- jó – gut
- hely – Platz, Ort
- fa – Baum
- ár – Preis
- őz – Reh
- fű – Gras
- szomszéd – Nachbar
- köszön – grüßt
- köszönöm – danke
- sajnos – leider
- ráér {rá·ér} – hat Zeit
- nem érek rá – ich habe keine Zeit
- szia – hallo; tschüs
9.Das Wichtigste in Kürze
- Länge nur durch das Akzentzeichen; h ist immer ein Laut, ie sind zwei Vokale.
- Doppelter Konsonant = langer Konsonant; der Vokal davor bleibt: hal – hall.
- Stimmhaft – zöngés, stimmlos – zöngétlen; keine Auslautverhärtung: had ≠ hat, víz ≠ visz.
- Jedes e wird voll gesprochen; es gibt keinen Knacklaut.
- Betonung immer auf der ersten Silbe, unabhängig vom Akzentzeichen.
- Deutsch sch = s, ß/ss = sz, z = c, tsch = cs, w = v.
Vertiefung
10.Wo Schrift und Aussprache auseinandergehen
Das Ungarische gilt als lautgetreu, ganz genau ist es das nicht. An einigen Stellen spricht man etwas anderes, als dasteht. Die Behelfsumschrift in Anführungszeichen gibt nur den ungefähren Klang wieder:
| Wort | gesprochen etwa | Erscheinung | ausführlich |
|---|---|---|---|
| hely – Platz | „hej“ | ly = j | (→ 2.1.3) |
| egészség – Gesundheit | „egéschség“ | sz + s → langes s (sch) | (→ 2.7) |
| barátság – Freundschaft | „baráccság“ | t + s → langes cs | (→ 2.7) |
| népdal – Volkslied | „nébdal“ | p vor d stimmhaft | (→ 2.7) |
| különben – sonst | „külömben“ | n vor b → m | (→ 2.7) |
| angyal – Engel | „anygyal“ | n vor gy → ny | (→ 2.7) |
| méh – Biene | „mé“ | h am Ende stumm | (→ 2.1.2) |
| fiú – Junge | „fi(j)ú“ | schwaches j zwischen i und ú | – |
| bodza – Holunder | „boddza“ | dz lang | (→ 2.1.4) |
In egészség verschmelzen sz und s zu einem langen sch-Laut [ˈɛɡeːʃːeːɡ], in barátság t und s zu einem langen tsch [ˈbɒraːt͡ʃːaːɡ]. Geschrieben werden diese Angleichungen nicht; wer nach Gehör schreibt, landet bei *egésség oder *baráccság.
Jó egészséget kívánok! – Ich wünsche gute Gesundheit!
Barátságos ez a város. – Diese Stadt ist freundlich.
Pontyot sütünk karácsonyra. – Zu Weihnachten braten wir Karpfen.
Prágában sok cseh barátom van. – In Prag habe ich viele tschechische Freunde.
Fiú vagy lány? – Junge oder Mädchen?
In ponty und angyal klingt das n wie ny, in cseh und méh ist das h am Wortende stumm. Zwischen i und einem folgenden Vokal ist in fiú und dió ein schwaches j hörbar.
Wortschatz
- hely – Platz, Ort
- egészség {egészség} – Gesundheit
- egészséget {egészség·et} – Gesundheit (Objekt)
- barátság {barátság} – Freundschaft
- barátságos {barátságos} – freundlich
- népdal {nép·dal} – Volkslied
- különben – sonst
- angyal – Engel
- ponty – Karpfen
- pontyot – Karpfen (Objekt)
- sütünk – wir braten, wir backen
- karácsony – Weihnachten
- karácsonyra – zu Weihnachten
- Prága – Prag
- Prágában – in Prag
- cseh – tschechisch; Tscheche
- méh – Biene
- fiú – Junge
- dió – Nuss
- bodza – Holunder
11.Lautgetreue Schreibung und ihre Grenzen
Das Grundprinzip der ungarischen Rechtschreibung – helyesírás – ist die lautgetreue Schreibung, ungarisch kiejtés szerinti írásmód „Schreibweise nach der Aussprache“, fachsprachlich phonematisches Prinzip. Daneben gelten drei weitere Prinzipien (→ 18.1):
wortgliedernd – Wortteile bleiben erkennbar: egészség aus egész + „-ség”, nicht *egésség. traditionell – alte Schreibungen in Familiennamen: Széchenyi, Kossuth (→ 2.1.1). vereinfachend – ein doppelter Mehrbuchstabe wird verkürzt geschrieben: sz + sz → ssz (asszony „Frau“), nicht *szsz. helyesírás {helyes·ÍRÁS} – richtig·SCHREIBUNG(Rechtschreibung) írásmód {írás·MÓD} – Schrift·WEISE(Schreibweise)Wortschatz
- helyesírás {helyes·írás} – Rechtschreibung
- írásmód {írás·mód} – Schreibweise
- szerint – gemäß, nach
- kiejtés szerinti – nach der Aussprache
- egész – ganz
12.Fremd- und Lehnwörter
Eingebürgerte Fremdwörter werden nach ungarischem Lautwert geschrieben. Wer s = sch und sz = s kennt, erkennt sie sofort:
| ungarisch | Herkunft | Bedeutung |
|---|---|---|
| sofőr | frz. chauffeur | Fahrer |
| szendvics | engl. sandwich | belegtes Brot |
| dizájn | engl. design | Design |
| fájl | engl. file | Datei |
| bájt | engl. byte | Byte |
| menedzser | engl. manager | Manager |
| szingli | engl. single | Single |
| Svájc | dt. Schweiz | Schweiz |
Griechische Wörter verlieren th, ph und y: filozófia, téma, szimfónia. Neuere Wörter behalten teils die fremde Schreibung: e-mail, taxi. Fremde Personen- und Ortsnamen bleiben, wie sie sind, und werden nach der Originalaussprache gelesen (→ 3.9.4, 18.5.3).
A sofőr vár ránk. – Der Fahrer wartet auf uns.
Küldd el e-mailben! – Schick es per E-Mail!
Az autó a garázsban áll. – Das Auto steht in der Garage.
Wortschatz
- sofőr – Fahrer, Chauffeur
- szendvics – belegtes Brot, Sandwich
- fájl – Datei
- Svájc – Schweiz
- filozófia – Philosophie
- téma – Thema
- szimfónia – Sinfonie
- e-mail – E-Mail
- e-mailben – per E-Mail
- garázs – Garage
- garázsban – in der Garage
- autó – Auto
13.Deutsche Lehnwörter in ungarischem Gewand
Aus dem bairisch-österreichischen Deutsch stammen zahlreiche Alltagswörter. Hinter der ungarischen Schreibung steckt die deutsche Aussprache:
| ungarisch | deutsch | Bedeutung |
|---|---|---|
| sógor | vgl. Schwager | Schwager |
| kuglóf | Gugelhupf | Gugelhupf |
| krumpli | Grundbirne (mundartl. „Grumbirn“) | Kartoffel |
| spájz | Speis | Speisekammer |
| sláger | Schlager | Schlager, Hit |
| vekker | Wecker | Wecker |
| puszi | vgl. Bussi | Küsschen |
Das „-i” in krumpli löst die Konsonantenhäufung am Wortende auf; das Wort ist seit 1768 belegt. Spájz geht über mittelhochdeutsch „spîse“ auf lateinisch expensa „Ausgabe“ zurück.
A sógorom Bécsben él. – Mein Schwager lebt in Wien.
A nagymama kuglófot süt. – Oma bäckt Gugelhupf.
Wortschatz
- sógor – Schwager
- sógorom – mein Schwager
- kuglóf – Gugelhupf
- kuglófot – Gugelhupf (Objekt)
- krumpli – Kartoffel
- spájz – Speisekammer
- sláger – Schlager
- vekker – Wecker
- puszi – Küsschen
- Bécs – Wien
- Bécsben – in Wien
- nagymama {nagy·mama} – Großmutter, Oma
14.Zwielaute, Hiatus und Knacklaut
Das Standardungarische hat keine Zwielaute (Diphthonge) – ungarisch kettőshangzó. Wo zwei Vokalbuchstaben nebeneinanderstehen, werden beide gesprochen: au in autó ist a + u, eu in Európa ist e + u, nicht „oi“ wie im deutschen „Europa“. In schneller Rede rücken die beiden Vokale eng zusammen, bleiben aber zwei Silben.
kettőshangzó {kettős·HANGZÓ} – doppelt·LAUTEND(Zwielaut, Diphthong)Das Zusammentreffen zweier Vokale heißt Hiatus (lateinisch „Kluft“), ungarisch hangűr „Lautleere“. Beide Vokale werden gesprochen, ein schwaches j kann dazwischen hörbar sein (fiú, dió). Einen Knacklaut (Glottisschlag) – gégezárhang – wie im Deutschen gibt es nicht Abschnitt 6.
hangűr {hang·ŰR} – Laut·LEERE(Hiatus) gégezárhang {gége·ZÁR·hang} – Kehlkopf·VERSCHLUSS·Laut(Knacklaut, Glottisschlag)Az autó a garázsban áll. – Das Auto steht in der Garage.
Európa nagy. – Europa ist groß.
Wortschatz
- kettőshangzó {kettős·hangzó} – Zwielaut, Diphthong
- kettős – doppelt
- hangűr {hang·űr} – Hiatus
- űr – Leere; Weltraum
- gégezárhang {gége·zár·hang} – Knacklaut
- gége – Kehlkopf
- zár – Verschluss; Schloss
- autó – Auto
- Európa – Europa
- dió – Nuss
15.Der ungarische Klang
Mehrere Eigenschaften zusammen ergeben den Klang des Ungarischen:
p, t, k – unbehaucht, ohne nachfolgenden Hauch (→ 2.1.2): pap „Priester“, tök „Kürbis“. r – mit der Zungenspitze gerollt, nie im Rachen: rózsa „Rose“. l – hell, auch am Silbenende: alma „Apfel“. a, e – a gerundet und dunkel, e offen. ng – in hang „Laut“ wird das g gesprochen [ˈhɒŋɡ], anders als in deutsch „lang“. Rhythmus – lange Vokale und Konsonanten auch in unbetonten Silben, Betonung gleichmäßig vorn.Wortschatz
- pap – Priester
- tök – Kürbis
- rózsa – Rose
- alma – Apfel
- hang – Laut; Stimme
- hosszú – lang
- rövid – kurz
16.Mundartliche Unterschiede
Viele Sprecher unterscheiden ein offenes e und ein geschlossenes, dem deutschen e in „Weg“ ähnliches ë, das nicht geschrieben wird: egyetem lautet bei ihnen etwa „ëgyetëm“. Das ly wird mundartlich teils noch anders gesprochen als j. Maßstab dieses Buches ist die Budapester Standardaussprache.
Wortschatz
- egyetem – Universität
- nyelvjárás {nyelv·járás} – Mundart, Dialekt
- köznyelv {köz·nyelv} – Standardsprache, Gemeinsprache
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