6.8.6 Pluralformen auf -éi

« Kapitel 6.8.5  |  Kapitel 6.8.6  |  Kapitel 6.8.7 »

6.8.6 Pluralformen auf -éi

Ersetzt die Form auf „-é” mehrere Besitzgegenstände, tritt das Pluralzeichen des Besitzes -i an: Péteré – das von Peter → Péteréi – die von Peter. Ebenso bei den persönlichen Formen: enyém – meins → enyéim – die meinen.

1.Péteré und Péteréi

Ez a kabát Péteré. – Dieser Mantel gehört Peter.

Ezek a kesztyűk Péteréi. – Diese Handschuhe gehören Peter.

Ez a ház a szomszédé. – Dieses Haus gehört dem Nachbarn.

Ezek a kutyák a szomszédéi. – Diese Hunde gehören dem Nachbarn.

Ezek a székek az iskoláéi. – Diese Stühle gehören der Schule.

Die Form auf „-é” steht für ein Besitzwort, das nicht genannt wird (→ 6.8.1, 6.8.2). Ist das ersetzte Besitzwort ein Plural, folgt auf „-é” das Pluralzeichen des Besitzes „-i”. Es ist dasselbe „-i” wie in házai „seine Häuser“ (→ 6.4).

→Péter – Peter→Péteré – das von Peter→Péteréi – die von Peter

Péteréi {Péter·É·i} – Peter·(BESITZ)·(MEHRZAHL_DES_BESITZES)(die von Peter)

Die Endung lautet immer „-éi”; eine Variante nach der Vokalharmonie gibt es nicht: Péteréi, a szomszédéi, az iskoláéi, a kertészéi. Auslautendes a und e werden vor „-é” gelängt, das „-i” ändert daran nichts.

Wortschatz

  • kabát – Mantel
  • kesztyűk – Handschuhe
  • Péteré – das von Peter
  • Péteréi – die von Peter
  • szomszéd – Nachbar
  • szomszédéi – die des Nachbarn
  • kutyák – Hunde
  • székek – Stühle
  • iskola – Schule
  • iskoláéi – die der Schule
  • kertész – Gärtner

↑ Hoch zum Seitenanfang

2.Zahl der Besitzer, Zahl des Besitzes

Besitzerein Besitzmehrere Besitze
ein Nachbara szomszédé – das des Nachbarna szomszédéi – die des Nachbarn
mehrere Nachbarna szomszédoké – das der Nachbarna szomszédokéi – die der Nachbarn

Die beiden Zahlen werden an verschiedenen Stellen bezeichnet. Die Zahl der Besitzer zeigt der Besitzer selbst (szomszéd – szomszédok), die Zahl der Besitzgegenstände allein das „-i” am Wortende. So entstehen aus einem Substantiv vier Formen.

Ez az autó a szomszédoké. – Dieses Auto gehört den Nachbarn.

Ezek az autók a szomszédokéi. – Diese Autos gehören den Nachbarn.

A mi gyerekeink kicsik, a szomszédokéi már nagyok. – Unsere Kinder sind klein, die der Nachbarn schon groß.

szomszédokéi {szomszéd·OK·é·I} – Nachbar·(MEHRZAHL)·(BESITZ)·(MEHRZAHL_DES_BESITZES)(die der Nachbarn)

Das Deutsche zeigt die Zahl des Besitzes hier nur am Artikel: „das der Nachbarn“, „die der Nachbarn“.

Wortschatz

  • szomszédok – Nachbarn
  • szomszédoké – das der Nachbarn
  • szomszédokéi – die der Nachbarn
  • autók – Autos
  • gyerekeink – unsere Kinder
  • kicsi – klein
  • nagy – groß
  • már – schon

↑ Hoch zum Seitenanfang

3.enyéim, tieid, övéi, mieink, tieitek, övéik

Personein Besitzmehrere Besitzezum Vergleich
1. Sg.enyém – meinsenyéim – die meinenházaim – meine Häuser
2. Sg.tied, tiéd – deinstieid – die deinenházaid – deine Häuser
3. Sg.övé – seins, ihresövéi – die seinen, die ihrenházai – seine/ihre Häuser
1. Pl.mienk, miénk – unseresmieink – die unserenházaink – unsere Häuser
2. Pl.tietek, tiétek – eurestieitek – die eurenházaitok – eure Häuser
3. Pl.övék – ihresövéik – die ihrenházaik – ihre Häuser

Die persönlichen Formen (→ 6.8.3, 6.8.4) bilden den Plural nach demselben Muster wie házaim: Das „-i-” steht vor der Personalendung. In der 3. Person Singular gibt es keine Personalendung, daher övéi wie házai. In tieid, mieink und tieitek wird das é zu e verkürzt; enyéim, övéi und övéik behalten das lange é.

Ezek a könyvek az enyéim. – Diese Bücher gehören mir.

Ezek a kulcsok a tieid? – Gehören diese Schlüssel dir?

Ezek a lovak az övéi. – Diese Pferde gehören ihm.

A fényképek a mieink. – Die Fotos gehören uns.

Ezek a bőröndök a tieitek? – Gehören diese Koffer euch?

A régi bútorok az övéik. – Die alten Möbel gehören ihnen.

Wortschatz

  • enyéim – die meinen
  • tieid – die deinen
  • övéi – die seinen, die ihren
  • mieink – die unseren
  • tieitek – die euren
  • övéik – die ihren (mehrerer)
  • könyvek – Bücher
  • kulcsok – Schlüssel (Plural)
  • lovak – Pferde
  • fénykép {fény·KÉP} – Licht·BILD(Foto)
  • bőröndök – Koffer (Plural)
  • bútorok – Möbel

↑ Hoch zum Seitenanfang

4.Meine und deine: Gegenüberstellung

A te gyerekeid jól tanulnak, az enyéim nem. – Deine Kinder lernen gut, meine nicht.

A mi gyerekeink jól tanulnak, a tieitek nem. – Unsere Kinder lernen gut, eure nicht.

Az ő cipői drágák, az enyéim olcsók. – Seine Schuhe sind teuer, meine billig.

Péter képei szebbek, mint a tieid. – Peters Bilder sind schöner als deine.

Az én szüleim fiatalabbak, mint Péteréi. – Meine Eltern sind jünger als die von Peter.

In der Gegenüberstellung ersetzt die Form ein eben genanntes Besitzwort im Plural. Das „-i” nimmt dessen Zahl auf: gyerekeid → az enyéim, szüleim → Péteréi. Das Deutsche sagt einfach „meine“, „deine“; das Englische unterscheidet hier die Zahl gar nicht (mine, yours).

Wortschatz

  • gyerekeid – deine Kinder
  • jól – gut
  • tanulnak – sie lernen
  • cipői – seine Schuhe
  • drága – teuer
  • olcsó – billig
  • képei – seine Bilder
  • szebb – schöner
  • szüleim – meine Eltern
  • fiatalabb – jünger

↑ Hoch zum Seitenanfang

5.Die Frage kiéi?

Kiéi ezek a könyvek? – Wem gehören diese Bücher?

Az enyéim. – Mir.

Kié ezek a könyvek? – Wem gehören diese Bücher? (umgangssprachlich)

Kinek a könyvei ezek? – Wessen Bücher sind das?

Auch das Fragewort kié „wessen? wem gehört?“ hat eine Form für mehrere Besitzgegenstände: kiéi. Sie ist korrekt, wirkt aber vielen Sprechern übergenau. Im Alltag steht oft kié auch bei mehreren Dingen, oder man fragt mit kinek und dem Possessivsuffix: Kinek a könyvei ezek? Nach mehreren Besitzern fragt kiké (→ 6.8.4).

kiéi {ki·É·i} – wer·(BESITZ)·(MEHRZAHL_DES_BESITZES)(wessen (mehrere Dinge))

Wortschatz

  • kié – wessen (eine Sache)
  • kiéi – wessen (mehrere Sachen)
  • kinek – wem
  • könyvei – seine Bücher
  • ezek – diese

↑ Hoch zum Seitenanfang

6.Das Wichtigste in Kürze

  • Für mehrere Besitzgegenstände steht -éi statt -é: Péteré → Péteréi.
  • Das -i ist das Pluralzeichen des Besitzes wie in házaim.
  • Persönliche Formen: enyéim, tieid, övéi, mieink, tieitek, övéik.
  • Die Zahl der Besitzer zeigt der Besitzer, die Zahl des Besitzes das -i: a szomszédokéi – die der Nachbarn.
  • Die Frage lautet kiéi?, im Alltag oft kié?

↑ Hoch zum Seitenanfang

Vertiefung

7.Vokal an Vokal: tieitek, fiaiéi

Das Ungarische kennt keine Zwielaute wie deutsch „ie“ oder „ei“. Jeder Vokal bildet eine eigene Silbe: ti-e-i-tek hat vier Silben, ö-vé-i drei. Tritt „-éi” an ein Besitzwort mit Possessivsuffix, entstehen noch längere Vokalfolgen:

→fia – sein Sohn→fiai – seine Söhne→fiaié – das seiner Söhne→fiaiéi – die seiner Söhne

In fiaiéi stehen fünf Vokale hintereinander, jeder in einer eigenen Silbe.

Ezek a játékok a fiaiéi. – Diese Spielsachen gehören seinen Söhnen.

Az én könyveim itt vannak, az apáméi a polcon. – Meine Bücher sind hier, die meines Vaters auf dem Regal.

In Dezső Kosztolányis Roman Édes Anna (1926) werden große blaue Augen beschrieben, mint a színészekéi, mikor alá festik „wie die von Schauspielern, wenn man sie untermalt“.

színészekéi {színész·EK·é·I} – Schauspieler·(MEHRZAHL)·(BESITZ)·(MEHRZAHL_DES_BESITZES)(die der Schauspieler)

Wortschatz

  • fia – sein Sohn
  • fiai – seine Söhne
  • fiaiéi – die seiner Söhne
  • játékok – Spielsachen
  • apám – mein Vater
  • apáméi – die meines Vaters
  • polc – Regal
  • színész – Schauspieler
  • szem – Auge

↑ Hoch zum Seitenanfang

8.Umgangssprache: enyémek, kiék und -é für den Plural

Ezek az enyéim. – Das sind meine.

Ezek az enyémek. – Das sind meine. (umgangssprachlich)

Neben enyéim steht in der Umgangssprache enyémek: An enyém tritt das gewöhnliche Pluralzeichen „-k”, wie bei könyv → könyvek. Das Bedeutungswörterbuch „A magyar nyelv értelmező szótára“ führt beide Formen; die ungarische Wikipedia nennt enyéim literarisch und enyémek umgangssprachlich, viele Sprachpfleger lassen nur enyéim gelten. Volkstümlich sind ebenso tiedek und, selten, mienkek; veraltet ist die doppelt bezeichnete Form enyéimek. Die Formen mit langem é, tiéid, miéink, tiéitek, gelten als volkstümlich oder gehoben.

In einem Gedicht von Gyula Juhász (1883–1937) heißt es: Ti vagytok enyémek, alkonyati órák „Ihr seid die Meinen, ihr Abendstunden“.

Das Fragewort bildet umgangssprachlich entsprechend kiék statt kiéi. Bei Miklós Radnóti (1909–1944) heißt es hogy kiék ezek a fáradt szemek „wem diese müden Augen gehören“.

Bei Substantiven bleibt im Alltag oft das einfache „-é” auch für mehrere Dinge stehen:

Ezek a poharak Pistáéi. – Diese Gläser gehören Pista.

Ezek a poharak a Pistáé. – Diese Gläser gehören Pista. (umgangssprachlich)

Selbst der Sprachwissenschaftler und Übersetzer Ádám Nádasdy sagte 2021 in einem Interview über seine Übersetzungen, sie seien kevésbé költőiek, mint az elődeimé „weniger poetisch als die meiner Vorgänger“ – mit „-é”, obwohl mehrere Übersetzungen gemeint sind.

Wortschatz

  • enyémek – die meinen (umgangssprachlich)
  • tiedek – die deinen (volkstümlich)
  • kiék – wessen (umgangssprachlich, mehrere Dinge)
  • alkonyat – Abenddämmerung
  • óra – Stunde
  • fáradt – müde
  • pohár – Glas
  • poharak – Gläser
  • Pista – Koseform von István (Stefan)
  • előd – Vorgänger

↑ Hoch zum Seitenanfang

9.Die Meinen: Familie und eigene Leute

Az enyéim otthon várnak. – Die Meinen warten zu Hause.

Az övéi mindig segítettek neki. – Seine Angehörigen haben ihm immer geholfen.

A mieink megnyerték a meccset. – Unsere haben das Spiel gewonnen.

Ohne vorher genanntes Besitzwort bezeichnen die Pluralformen Personen: az enyéim „meine Familie, meine Angehörigen“, az övéi „seine/ihre Angehörigen“. a mieink sind außerdem „die von unserer Seite“, im Sport die eigene Mannschaft oder die Sportler des eigenen Landes. In der Bedeutung „Familie“ steht nur der Plural.

Bei János Arany (1817–1882) heißt es: Édes övéi közt enyhül Toldi gondja „Im Kreis seiner Lieben lindert sich Toldis Sorge“.

Die Bibelübersetzung von Gáspár Károli (1590, hier in heutiger Schreibung) gibt Johannes 1,11 so wieder: Az övéi közé jöve, és az övéi nem fogadák be őt. Die Verbformen jöve und fogadák sind alte Erzählformen der Vergangenheit. Luther übersetzt: „Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf“, die Vulgata: In propria venit, et sui eum non receperunt. Ungarisch, Deutsch und Latein verwenden hier gleichermaßen das substantivierte Besitzpronomen im Plural.

Wortschatz

  • az enyéim – die Meinen, meine Familie
  • az övéi – die Seinen, seine Angehörigen
  • a mieink – die Unseren, unsere Leute
  • otthon – zu Hause
  • várnak – sie warten
  • segítettek – sie halfen
  • meccs – Spiel, Match
  • édes – süß, lieb
  • gond – Sorge
  • közé – zwischen (wohin)

↑ Hoch zum Seitenanfang

10.Höflichkeitsformen und egymás

ein Besitzmehrere Besitze
öné – Ihres (ein Angesprochener)önéi – die Ihren (ein Angesprochener)
önöké – Ihres (mehrere Angesprochene)önökéi – die Ihren (mehrere Angesprochene)
magáé – Ihres (weniger förmlich)magáéi – die Ihren (weniger förmlich)
maguké – Ihres (mehrere, weniger förmlich)magukéi – die Ihren (mehrere, weniger förmlich)
egymásé – einander gehörendegymáséi – einander gehörend (Plural)

Die Anredewörter ön, önök, maga, maguk stehen grammatisch in der 3. Person und folgen dem Muster der Substantive: „-é” und „-i” ohne Personalendung, wie Péteréi. Ebenso bildet egymás „einander“ (aus egy „einer“ und más „anderer“) die Form egymáséi, besonders von zwei Menschen, die zusammengehören.

Ezek a csomagok az önéi? – Gehören diese Pakete Ihnen?

Ezek a jegyek az önökéi. – Diese Fahrkarten gehören Ihnen.

Nem lehettek egymáséi. – Sie konnten einander nicht gehören.

Wortschatz

  • ön – Sie (förmlich)
  • önéi – die Ihren
  • önök – Sie (mehrere, förmlich)
  • önökéi – die Ihren (mehrere Angesprochene)
  • egymás {egy·MÁS} – einer·ANDERER(einander)
  • egymáséi – einander gehörend
  • csomagok – Pakete
  • jegyek – Fahrkarten

↑ Hoch zum Seitenanfang

11.Sprachvergleich

Spracheeinsmehrere
Deutschmeinsmeine
Englischminemine
Französischle mien, la mienneles miens, les miennes
Spanischel mío, la míalos míos, las mías
Russischмой, моя, моёмои
Lateinmeus, mea, meummei, meae, mea
Ungarischaz enyémaz enyéim

Englisch mine unterscheidet die Zahl nicht: This book is mine, These books are mine. Deutsch, Französisch, Spanisch, Russisch und Latein zeigen sie wie das Ungarische, richten die Form aber im Singular außerdem nach dem Geschlecht der Sache; das Ungarische kennt kein Geschlecht. Dafür vereint enyéim in einem Wort den Besitzer („-m”), die Mehrzahl des Besitzes („-i-”) und das Besitzzeichen „-é”.

Auch die Bedeutung „Familie, eigene Leute“ teilen mehrere Sprachen: deutsch „die Meinen“, französisch les miens, spanisch los míos, los suyos, russisch umgangssprachlich мои. Im Lateinischen bezeichnet nostri in Caesars Kriegsberichten die eigenen Soldaten, wie a mieink im Sport die eigene Mannschaft.

Wortschatz

  • enyém – meins
  • enyéim – die meinen
  • övéi – die seinen
  • mieink – die unseren
  • a mieink – unsere Leute

Dieser Text steht unter CC0 1.0 Universell. Eine Quellenangabe ist nicht erforderlich.
Er darf kostenlos kopiert, verändert, veröffentlicht und auch kommerziell genutzt werden.