6.11.2 Körperteil und Träger
Ein Körperteil gehört zu seinem Träger, ohne dass ein Besitz vorliegt: Eine Hand kann man nicht verkaufen, ein Buch schon. Das Ungarische unterscheidet beides grammatisch nicht. Der Träger steht als Besitzer, der Körperteil erhält das Possessivsuffix: a kutya farka – der Schwanz des Hundes, Péter keze – Peters Hand. Wird der Teil vom Träger getrennt und zur Ware, tritt das Kompositum ein: libamáj – Gänseleber.
1.Der Träger als Besitzer: a kutya farka
A kutya csóválja a farkát. – Der Hund wedelt mit dem Schwanz.
Az oroszlán megrázza a sörényét. – Der Löwe schüttelt seine Mähne.
A madár kiterjeszti a szárnyát. – Der Vogel breitet die Flügel aus.
A fiú keze piszkos. – Die Hand des Jungen ist schmutzig.
A fiú könyve új. – Das Buch des Jungen ist neu.
a fiú keze und a fiú könyve sind gleich gebaut, obwohl das Verhältnis verschieden ist. Das Buch kann der Junge verschenken, verleihen oder verlieren; die Hand bleibt seine, solange er lebt. Die Sprachwissenschaft nennt das erste Verhältnis unveräußerlich, das zweite veräußerlich. Das Ungarische hat für die unveräußerliche Zugehörigkeit keine eigene Form: Wer einen Körperteil trägt, steht grammatisch als Besitzer da (→ 6.1, 6.5).
Träger ist jedes Lebewesen, das den Körperteil hat: Mensch, Tier, im übertragenen Sinn auch ein Gegenstand (az asztal lába – das Tischbein (→ 6.9.1)). Der Körperteil steht fast immer mit Possessivsuffix, auch wo das Deutsche den Träger nicht noch einmal nennt. Deutsch „mit dem Schwanz“, ungarisch „seinen Schwanz“:
| Sprache | Der Hund wedelt mit dem Schwanz. |
|---|---|
| Ungarisch | A kutya csóválja a farkát. |
| Deutsch | Der Hund wedelt mit dem Schwanz. |
| Englisch | The dog wags its tail. |
| Französisch | Le chien remue la queue. |
| Spanisch | El perro mueve la cola. |
| Russisch | Собака виляет хвостом. (Sobaka viljaet chvostom.) |
Deutsch, Französisch, Spanisch und Russisch begnügen sich mit dem Artikel oder dem bloßen Substantiv; das Ungarische und das Englische nennen den Träger ein zweites Mal, am Körperteil.
Wortschatz
- kutya – Hund
- farok – Schwanz
- farka – sein Schwanz
- farkát – seinen Schwanz
- csóválja – er wedelt (damit), er schwenkt es
- oroszlán – Löwe
- sörény – Mähne
- sörényét – seine Mähne (Objekt)
- megrázza – er schüttelt es
- madár – Vogel
- szárnyát – seinen Flügel (Objekt)
- kiterjeszti – er breitet es aus
- keze – seine Hand
- könyve – sein Buch
- piszkos – schmutzig
2.Körperteile von Tieren
A páva tolla színes. – Die Federn des Pfaus sind bunt.
A sas karmai élesek. – Die Krallen des Adlers sind scharf.
A gólya csőre piros. – Der Schnabel des Storchs ist rot.
Az elefánt az ormányával szívja fel a vízet. – Der Elefant saugt das Wasser mit dem Rüssel auf.
A ló patája megsérült. – Der Huf des Pferdes ist verletzt.
A méh fullánkja mérges. – Der Stachel der Biene ist giftig.
Tierkörperteile bilden die Besitzform nach denselben Regeln wie alle Substantive (→ 6.2.7, 6.2.8). Einige Wörter verlieren in der Besitzform den Vokal der letzten Silbe: farok → farka, karom → karma. Mit „-ja”/„-je” stehen die Vokalstämme und manche Konsonantenstämme: pata → patája (mit gedehntem a), kopoltyú → kopoltyúja, púp → púpja.
| Körperteil | Besitzform | Träger |
|---|---|---|
| farok – Schwanz | farka | kutya – Hund |
| szarv – Horn | szarva | tehén – Kuh |
| szárny – Flügel | szárnya | madár – Vogel |
| toll – Feder | tolla | páva – Pfau |
| csőr – Schnabel | csőre | gólya – Storch |
| karom – Kralle | karma | sas – Adler |
| pata – Huf | patája | ló – Pferd |
| mancs – Pfote, Tatze | mancsa | medve – Bär |
| sörény – Mähne | sörénye | oroszlán – Löwe |
| uszony – Flosse | uszonya | hal – Fisch |
| kopoltyú – Kieme | kopoltyúja | hal – Fisch |
| ormány – Rüssel | ormánya | elefánt – Elefant |
| agyar – Hauer, Stoßzahn | agyara | vaddisznó – Wildschwein |
| fullánk – Stachel | fullánkja | méh – Biene |
| púp – Höcker | púpja | teve – Kamel |
karma „seine Kralle“ fällt mit dem Lehnwort karma „Karma“ zusammen (→ 2.8.2). farok ist eine Ableitung von far „Hinterteil, Gesäß“.
Wortschatz
- tolla – seine Feder, seine Federn
- páva – Pfau
- színes – bunt
- karmai – seine Krallen
- sas – Adler
- éles – scharf
- csőre – sein Schnabel
- gólya – Storch
- ormányával – mit seinem Rüssel
- felszív – aufsaugen
- patája – sein Huf
- megsérül – sich verletzen, verletzt werden
- fullánkja – sein Stachel
- méh – Biene
- mérges – giftig
- szarva – sein Horn
- uszonya – seine Flosse
- kopoltyúja – seine Kieme
- agyara – sein Hauer
- púpja – sein Höcker
- far – Hinterteil, Gesäß
3.Gattungsaussagen: A póknak nyolc lába van
A póknak nyolc lába van. – Die Spinne hat acht Beine.
A madárnak két szárnya van. – Der Vogel hat zwei Flügel.
A zsiráfnak hosszú nyaka van. – Die Giraffe hat einen langen Hals.
A dromedárnak egy púpja van. – Das Dromedar hat einen Höcker.
A kígyónak nincs lába. – Die Schlange hat keine Beine.
Aussagen über eine ganze Tierart stehen im Haben-Satz mit van und nincs (→ 6.7.1, 6.7.5). Der Träger trägt „-nak”/„-nek”, der Körperteil das Possessivsuffix. Nach Zahlwörtern steht der Körperteil im Singular: nyolc lába „acht Bein-sein“ (→ 3.4.7).
Gemeint ist die ganze Art, nicht ein einzelnes Tier. Vor dem Träger steht trotzdem der bestimmte Artikel, wie im Deutschen („die Spinne“).
Wortschatz
- pók – Spinne
- póknak – der Spinne
- nyolc lába – ihre acht Beine
- zsiráf – Giraffe
- nyaka – sein Hals
- dromedár – Dromedar
- kígyó – Schlange
- nincs lába – sie hat keine Beine
- hosszú – lang
4.Lebender Träger oder Ware: a liba mája – libamáj
Az állatorvos megvizsgálta a liba máját. – Der Tierarzt untersuchte die Leber der Gans.
A piacon libamájat vettünk. – Auf dem Markt haben wir Gänseleber gekauft.
Vacsorára füstölt marhanyelvet ettünk. – Zum Abendessen aßen wir geräucherte Rinderzunge.
A párna lúdtollal van tömve. – Das Kissen ist mit Gänsefedern gefüllt.
A szobor elefántcsontból készült. – Die Figur ist aus Elfenbein.
Solange der Körperteil zu einem bestimmten Tier gehört, steht die Besitzkonstruktion: a liba mája „die Leber der (einen) Gans“. Ist er abgetrennt und Speise, Ware oder Werkstoff, steht ein Kompositum ohne Suffix: libamáj „Gänseleber“ als Sorte, von welcher Gans auch immer (→ 3.10.10, 13.10.2).
| Besitzkonstruktion | Kompositum |
|---|---|
| a liba mája – die Leber der Gans | libamáj – Gänseleber |
| a borjú mája – die Leber des Kalbes | borjúmáj – Kalbsleber |
| a liba combja – die Keule der Gans | libacomb – Gänsekeule |
| a marha nyelve – die Zunge des Rindes | marhanyelv – Rinderzunge |
| a lúd tolla – die Feder der Gans | lúdtoll – Gänsefeder |
| a ló szőre – das Haar des Pferdes | lószőr – Rosshaar |
| az elefánt agyara – der Stoßzahn des Elefanten | elefántcsont – Elfenbein |
Das Deutsche verfährt ebenso („die Leber der Gans“ – „Gänseleber“). elefántcsont heißt wörtlich „Elefantenknochen“, genau wie deutsch „Elfenbein“: mittelhochdeutsch helfenbein aus helfant „Elefant“ und bein „Knochen“. Englisch ivory und französisch ivoire gehen auf lateinisch ebur „Elfenbein“ zurück.
Wortschatz
- máj – Leber
- liba – Gans
- máját – seine Leber (Objekt)
- libamáj {liba·MÁJ} – Gans·LEBER(Gänseleber)
- borjúmáj {borjú·MÁJ} – Kalb·LEBER(Kalbsleber)
- comb – Oberschenkel, Keule
- libacomb {liba·COMB} – Gans·KEULE(Gänsekeule)
- marhanyelv {marha·NYELV} – Rind·ZUNGE(Rinderzunge)
- lúd – Gans
- lúdtoll {lúd·TOLL} – Gans·FEDER(Gänsefeder)
- lószőr {ló·SZŐR} – Pferd·HAAR(Rosshaar)
- elefántcsont {elefánt·CSONT} – Elefant·KNOCHEN(Elfenbein)
- állatorvos – Tierarzt
- füstölt – geräuchert
- párna – Kissen
- szobor – Statue, Figur
5.Das Wichtigste in Kürze
- Körperteil und Träger stehen in der gewöhnlichen Besitzkonstruktion: a kutya farka – der Schwanz des Hundes, a fiú keze – die Hand des Jungen.
- Eine eigene Form für unveräußerliche Zugehörigkeit gibt es nicht.
- Der Körperteil trägt das Possessivsuffix auch dort, wo das Deutsche nur den Artikel setzt: csóválja a farkát – wedelt mit dem Schwanz.
- Stammformen wie üblich: farok → farka, karom → karma, pata → patája.
- Gattungsaussagen im Haben-Satz: a póknak nyolc lába van.
- Abgetrennt als Speise, Ware, Stoff: Kompositum ohne Suffix: libamáj, lószőr, elefántcsont.
Vertiefung
6.Tiere nach Körperteilen benannt: farkas, szarvas
A farkas a kutya rokona. – Der Wolf ist ein Verwandter des Hundes.
A szarvas az erdő szélén legel. – Der Hirsch äst am Waldrand.
A szárnyas húsa sovány. – Das Fleisch von Geflügel ist mager.
A Balaton híres hala a fogas. – Der berühmte Fisch des Plattensees ist der Zander.
Mehrere Tiernamen sind Adjektive auf „-s” (→ 13.4.5), die den Träger nach einem auffälligen Körperteil benennen. farkas „Wolf“ ist farok „Schwanz“ + „-as”, ursprünglich eine Verkürzung von farkas állat „geschwänztes Tier“. Ebenso ist szarvas „Hirsch“ das „gehörnte“ Tier. Solche Umschreibungen gelten als Tabunamen: Gefährliche oder geachtete Tiere sollten nicht bei ihrem eigentlichen Namen genannt werden.
farkas {farkAS} – Schwanz·IG(Wolf) szarvas {szarvAS} – Horn·IG(Hirsch) szárnyas {szárnyAS} – Flügel·IG(Geflügel) fogas {fogAS} – Zahn·IG(Zander; Garderobe) szarvasmarha {szarvAS·marha} – Horn·IG·Vieh(Rind)fogas „gezähnt“ ist der Zander, aber auch der Kleiderständer mit seinen Haken. szarvasmarha „gehörntes Vieh“ ist die Bezeichnung des Hausrindes. Das Deutsche und das Russische kennen dieselbe Scheu vor dem eigentlichen Namen beim Bären: deutsch „Bär“ bedeutete ursprünglich „der Braune“, russisch медведь (medved’) „Honigesser“.
Wortschatz
- farkas {farkAS} – Schwanz·IG(Wolf)
- szarvas {szarvAS} – Horn·IG(Hirsch)
- szárnyas {szárnyAS} – Flügel·IG(Geflügel)
- fogas {fogAS} – Zahn·IG(Zander; Garderobe)
- szarvasmarha {szarvAS·marha} – Horn·IG·Vieh(Rind)
- rokona – sein Verwandter
- legel – weiden, äsen
- erdő – Wald
- húsa – sein Fleisch
- sovány – mager
7.Tiergruppen nach Körperteilen: emlős, gerinces
Az ember is az emlősök közé tartozik. – Auch der Mensch gehört zu den Säugetieren.
A halak gerinces állatok. – Fische sind Wirbeltiere.
A polip a lábasfejűek közé tartozik. – Der Krake gehört zu den Kopffüßern.
A százlábú gyorsan fut. – Der Hundertfüßer läuft schnell.
Auch die Fachnamen der Zoologie bezeichnen Tiergruppen nach einem Körperteil. emlős „Säugetier“ ist emlő „Brust, Zitze“ + „-s”, gerinces „Wirbeltier“ ist gerinc „Rückgrat“ + „-es”, patás „Huftier“ ist pata „Huf“ + „-s”. Die Gegenbildung zu gerinces ist gerinctelen „wirbellos“. Mit Beiwort zum Körperteil entstehen Adjektive auf „-ú”/„-ű” (→ 13.4.6): százlábú „hundertbeinig“, lábasfejű „mit beinigem Kopf“, négylábú „vierbeinig“, auch „Vierbeiner“.
emlős {emlőS} – Brust·IG(Säugetier) gerinces {gerincES} – Rückgrat·IG(Wirbeltier) lábasfejű {lábAS·fejŰ} – Bein·IG·Kopf·IG(Kopffüßer) százlábú {száz·LÁBú} – hundert·BEIN·ig(Hundertfüßer)Das Lateinische der Zoologie benennt dieselben Gruppen nach denselben Körperteilen: Mammalia nach mamma „Brust“, Vertebrata nach vertebra „Wirbel“. Beim Hundertfüßer gehen die Sprachen bei der Zahl der Beine auseinander:
| Sprache | Säugetier | Wirbeltier | Hundertfüßer |
|---|---|---|---|
| Ungarisch | emlős | gerinces | százlábú |
| Deutsch | Säugetier | Wirbeltier | Hundertfüßer |
| Englisch | mammal | vertebrate | centipede |
| Französisch | mammifère | vertébré | mille-pattes |
| Spanisch | mamífero | vertebrado | ciempiés |
| Russisch | млекопитающее (mlekopitajuščee) | позвоночное (pozvonočnoe) | сороконожка (sorokonožka) |
| Latein | Mammalia | Vertebrata | – |
Französisch zählt tausend Beine, Russisch vierzig, Ungarisch, Englisch und Spanisch hundert.
Wortschatz
- emlő – Brust, Zitze, Euter
- emlős {emlőS} – Brust·IG(Säugetier)
- emlősök – Säugetiere
- gerinc – Rückgrat; Bergkamm
- gerinces {gerincES} – Rückgrat·IG(Wirbeltier)
- gerinctelen {gerincTELEN} – Rückgrat·LOS(wirbellos)
- patás {patáS} – Huf·IG(Huftier)
- lábasfejű {lábAS·fejŰ} – Bein·IG·Kopf·IG(Kopffüßer)
- százlábú {száz·LÁBú} – hundert·BEIN·ig(Hundertfüßer)
- négylábú {négy·LÁBú} – vier·BEIN·ig(vierbeinig; Vierbeiner)
- polip – Krake
- közé tartozik – gehört zu
- állat – Tier
8.Der Körperteil steht für den Träger: fő, száj, kéz
Az ülésen húsz fő vett részt. – An der Sitzung nahmen zwanzig Personen teil.
Otthon öt éhes száj várja. – Zu Hause warten fünf hungrige Mäuler auf ihn.
Kevés a munkáskéz. – Es fehlt an Arbeitskräften.
Négyszemközt beszéltek. – Sie sprachen unter vier Augen.
Umgekehrt kann ein Körperteil den ganzen Träger vertreten (pars pro toto). fő „Kopf“, im heutigen Sprachgebrauch als Körperteilwort veraltet, zählt in der Amtssprache Personen: húsz fő „zwanzig Personen“. Als Adjektiv lebt es in der Bedeutung „Haupt-“ weiter: főváros „Hauptstadt“, wie deutsch „Haupt“ zugleich „Kopf“ ist. száj „Mund“ steht für den Menschen, der ernährt werden muss, munkáskéz „Arbeiterhand“ für die Arbeitskraft.
főváros {fő·VÁROS} – Haupt·STADT(Hauptstadt) munkáskéz {munkás·KÉZ} – Arbeiter·HAND(Arbeitskraft) négyszemközt {négy·SZEM·közt} – vier·AUGE·zwischen(unter vier Augen)In négyszemközt „zwischen vier Augen“ werden die zwei Gesprächspartner nach ihren Augen gezählt; deutsch „unter vier Augen“ und französisch entre quatre yeux zählen ebenso. Latein zählt Köpfe: per capita „pro Kopf“ (→ 2.5.1); Englisch zählt Hände (farm hands „Landarbeiter“) und beim Vieh Köpfe: fifty head of cattle „fünfzig Stück Vieh“.
Wortschatz
- fő – Kopf (veraltet); Person (beim Zählen)
- húsz fő – zwanzig Personen
- főváros {fő·VÁROS} – Haupt·STADT(Hauptstadt)
- száj – Mund
- éhes – hungrig
- munkáskéz {munkás·KÉZ} – Arbeiter·HAND(Arbeitskraft)
- négyszemközt {négy·SZEM·közt} – vier·AUGE·zwischen(unter vier Augen)
- ülésen – in der Sitzung
- részt vesz – teilnehmen
- kevés – wenig
Dieser Text steht unter CC0 1.0 Universell. Eine Quellenangabe ist nicht erforderlich.
Er darf kostenlos kopiert, verändert, veröffentlicht und auch kommerziell genutzt werden.