1.1.5 Unterschiede zu flektierenden Sprachen wie Deutsch

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1.1.5 Unterschiede zu flektierenden Sprachen wie Deutsch

Das Deutsche ist überwiegend flektierend: Es verteilt Fall und Zahl auf Artikel, Adjektiv und Hauptwort, verschmilzt mehrere Angaben in einer Endung und verändert oft den Stamm. Das Ungarische fügt die Angaben einzeln und nur einmal an – am Hauptwort, am Ende der Wortgruppe.

1.Mit meinem neuen Auto

Az új autómmal járok dolgozni. – Mit meinem neuen Auto fahre ich zur Arbeit.

Im Deutschen ist die Wortgruppe dreimal gekennzeichnet: „mit“ verlangt den Dativ, „meinem“ und „neuen“ erhalten passende Endungen. Im Ungarischen bleibt új „neu“ unverändert; Besitz und Beziehung stehen einmal, am Hauptwort: autómmal {autó·M·mal} – Auto·MEIN·mit „-mal” ist das an das m angeglichene „-val” (→ 2.7.7).

Der Fachausdruck flektierend geht auf lateinisch flectere „biegen, beugen“ zurück; das Wort wird gleichsam gebogen (Vater – Väter, lesen – las). Die ungarische Bezeichnung hajlító enthält dasselbe Bild: flektáló nyelv – flektierende Sprache hajlító nyelv – flektierende Sprache, wörtlich „biegende Sprache“ Hajlít heißt „biegen“. Ihr Gegenstück ist die agglutinierende Sprache, agglutináló oder ragozó nyelv (→ 1.1.1).

Wortschatz

  • új – neu
  • autó – Auto
  • autóm – mein Auto
  • autómmal – mit meinem Auto
  • jár – (regelmäßig) gehen, fahren
  • dolgozni – arbeiten
  • járok dolgozni – ich fahre zur Arbeit
  • hajlít – biegen
  • hajlító nyelv – flektierende Sprache
  • flektáló – flektierend
  • ragozó nyelv – agglutinierende Sprache
  • nyelv – Sprache

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2.Die Mehrzahl

A gyerekek könyveket és füzeteket visznek az iskolába. – Die Kinder bringen Bücher und Hefte in die Schule.

Das Deutsche hat mehrere Mehrzahlbildungen: „-e“, „-er“, „-en“, „-s“, Umlaut oder gar keine Endung. Das Ungarische hat beim Hauptwort ein einziges Mehrzahlzeichen, „-k”; davor steht oft ein Bindevokal (→ 2.6, 3.4).

deutschBildungungarisch
das Kind / die Kinder-ergyerek / gyerekek
das Heft / die Hefte-efüzet / füzetek
der Tisch / die Tische-easztal / asztalok
die Frau / die Frauen-ennő / nők
das Auto / die Autos-sautó / autók
der Lehrer / die Lehrerohne Endungtanár / tanárok
das Fenster / die Fensterohne Endungablak / ablakok
der Apfel / die ÄpfelUmlautalma / almák
die Mutter / die MütterUmlautanya / anyák
die Stadt / die StädteUmlaut + -eváros / városok
der Baum / die BäumeUmlaut + -efa / fák

In einer Wortform folgt auf die Mehrzahl die Endung für das Objekt: könyveket {könyv·EK·et} – Buch·(MEHRZAHL)·(Objekt) füzeteket {füzet·EK·et} – Heft·(MEHRZAHL)·(Objekt) Für die Mehrzahl besessener Dinge gilt ein eigenes Zeichen, „-i-” (→ 6.4).

Wortschatz

  • gyerek – Kind
  • gyerekek – Kinder
  • könyv – Buch
  • könyveket – Bücher (Objekt)
  • füzet – Heft
  • füzeteket – Hefte (Objekt)
  • asztal – Tisch
  • ablak – Fenster
  • nő – Frau
  • nők – Frauen
  • tanár – Lehrer, Lehrerin
  • alma – Apfel
  • almák – Äpfel
  • anya – Mutter
  • város – Stadt
  • fa – Baum; Holz
  • visz – bringen, tragen
  • iskola – Schule
  • és – und

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3.Der Fall: Artikel oder Endung

Nőnapon virágot adunk a nőknek. – Am Frauentag schenken wir den Frauen Blumen.

A tanárnak megmutattam a dolgozatot. – Ich habe dem Lehrer die Klassenarbeit gezeigt.

A nőket meghívtuk vacsorára. – Die Frauen haben wir zum Abendessen eingeladen.

A nőkkel a konyhában beszélgettünk. – Mit den Frauen haben wir uns in der Küche unterhalten.

Die Bildung der Fallformen heißt Deklination, von lateinisch declinare „abbiegen, abwandeln“. Ungarisch: névszóragozás {név·SZÓ·ragozÁS} – Name·WORT·beugen·UNG(Deklination der Nomen) főnévragozás {fő·NÉV·ragozÁS} – Haupt·NAME·beugen·UNG(Deklination des Hauptworts) Im Deutschen trägt vor allem der Artikel den Fall: „der – den – dem – des“. Die ungarischen Artikel a/az bleiben immer gleich; az steht nur vor Vokal (→ 1.5.9). Den Fall trägt die Endung am Hauptwort.

FrageEinzahl deutschungarischMehrzahl deutschungarisch
Wer? (Nominativ)der Lehrera tanárdie Frauena nők
Wen? (Akkusativ)den Lehrera tanártdie Frauena nőket
Wem? (Dativ)dem Lehrera tanárnakden Frauena nőknek
mit wem?mit dem Lehrera tanárralmit den Frauena nőkkel

„Die Frauen“ lautet als Wer- und als Wen-Fall gleich; a nők und a nőket sind verschieden. Mehrzahl und Fall bleiben getrennt erkennbar: nőknek {nő·K·nek} – Frau·(MEHRZAHL)·für nőkkel {nő·K·kel} – Frau·(MEHRZAHL)·mit

Nőnap, der Frauentag am 8. März, ist zusammengesetzt: nőnap {nő·NAP} – Frau·TAG(Frauentag)

Wortschatz

  • névszó {név·SZÓ} – Name·WORT(Nomen)
  • főnév {fő·NÉV} – Haupt·NAME(Hauptwort)
  • névszóragozás {név·szó·ragozás} – Deklination
  • főnévragozás {fő·név·ragozás} – Deklination des Hauptworts
  • ragozás – Beugung, Flexion
  • név – Name
  • szó – Wort
  • a, az – der, die, das (Artikel)
  • tanárt – den Lehrer
  • tanárnak – dem Lehrer
  • tanárral – mit dem Lehrer
  • nőket – die Frauen (Objekt)
  • nőknek – den Frauen
  • nőkkel – mit den Frauen
  • nőnap {nő·nap} – Frauentag
  • nőnapon {nő·nap·on} – am Frauentag
  • virág – Blume
  • megmutat – zeigen
  • dolgozat – Klassenarbeit, Aufsatz
  • meghív – einladen
  • vacsora – Abendessen
  • konyha – Küche
  • beszélget – sich unterhalten

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4.Der Stamm: Umlaut und Ablaut

Az apák is eljöttek a szülői értekezletre. – Auch die Väter sind zum Elternabend gekommen.

Anna tegnap egy érdekes könyvet olvasott. – Anna hat gestern ein interessantes Buch gelesen.

Tavaly a Dunában úsztunk. – Letztes Jahr sind wir in der Donau geschwommen.

Der deutsche Umlaut verändert den Stammvokal unter anderem in der Mehrzahl und bei der Steigerung: Vater – Väter, Mutter – Mütter, alt – älter. Der Ablaut verändert ihn in den Verbformen: lesen – las – gelesen. Im Ungarischen bleibt der Stamm in diesen Fällen erhalten; das auslautende a wird vor der Endung nur gelängt:

→apa – Vater→apák – Väter

→anya – Mutter→anyák – Mütter

deutschungarischBedeutung
lesen / las / gelesenolvas / olvasotter/sie liest, las
sprechen / sprach / gesprochenbeszél / beszélter/sie spricht, sprach
helfen / half / geholfensegít / segítetter/sie hilft, half
finden / fand / gefundentalál / találter/sie findet, fand
sitzen / saß / gesessenül / ülter/sie sitzt, saß
geben / gab / gegebenad / adotter/sie gibt, gab
sehen / sah / gesehenlát / látotter/sie sieht, sah
schwimmen / schwamm / geschwommenúszik / úszotter/sie schwimmt, schwamm
úsztunk {úsz·T·unk} – schwimmen·(VERGANGENHEIT)·wir

Die Wörter Umlaut und Ablaut sind als deutsche Fachwörter ins Englische übernommen worden; dort gibt es Ablaut ebenso: swim – swam – swum. Ungarisch umschreibt man beide als Wechsel des Vokals: magánhangzó {magán·HANGZÓ} – für_sich·KLINGEND(Vokal) váltakozás – Wechsel Magánhangzó „für sich klingend“ und mássalhangzó „mit anderem klingend“ entsprechen genau den deutschen Wörtern Selbstlaut und Mitlaut. Auch das Ungarische kennt veränderte Stämme, etwa ló – lovak „Pferd – Pferde“ (→ 1.1.4, 1.2.2). Die Buchstaben ö, ü, ő, ű sind eigene Vokale, keine Umlaute. Das Zeichen ˝ über ő und ű heißt in der Schrifttechnik trotzdem Hungarumlaut.

Wortschatz

  • apa – Vater
  • apák – Väter
  • anya – Mutter
  • anyák – Mütter
  • olvas – lesen
  • olvasott – er/sie las
  • beszél – sprechen
  • segít – helfen
  • talál – finden
  • ül – sitzen
  • ad – geben
  • lát – sehen
  • úszik – schwimmen
  • úsztunk – wir sind geschwommen
  • magánhangzó {magán·hangzó} – Vokal, Selbstlaut
  • mássalhangzó {más·sal·hangzó} – Konsonant, Mitlaut
  • eljön – (her)kommen, mitkommen
  • szülői értekezlet – Elternabend
  • érdekes – interessant
  • tegnap – gestern
  • tavaly – letztes Jahr
  • Duna – Donau

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5.Die Verbformen

– Mit csinálsz? – Olvasok. – – Was machst du? – Ich lese.

Egész nap dolgoztam. – Ich habe den ganzen Tag gearbeitet.

Beide Sprachen kennzeichnen die Person am Verb: csinálsz – „mach-st“. Die Beugung des Verbs heißt Konjugation, von lateinisch coniugare „verbinden“: igeragozás {ige·RAGOZás} – Verb·BEUGEN·ung(Konjugation) Das ungarische Personalpronomen fehlt meist, weil die Endung die Person zeigt (→ 1.6.6).

Für die Vergangenheit braucht das Deutsche im Perfekt ein Hilfsverb und die Klammer „ge-…-t“ oder „ge-…-en“. Das Ungarische hat eine Form mit dem Zeichen „-t”/„-tt”, danach die Person: dolgoztam {dolgoz·T·am} – arbeiten·(VERGANGENHEIT)·ich

deutschungarisch
ich habe gearbeitetdolgoztam
ich habe gelesenolvastam
ich habe gezeigtmegmutattam
ich habe gekauftvásároltam
wir haben uns unterhaltenbeszélgettünk
wir sind geschwommenúsztunk
sie sind angekommenmegérkeztek

Die Wahl zwischen „haben“ und „sein“ entfällt. Das deutsche Präteritum ist ebenfalls ein Wort: „ich arbeitete“ – dolgoztam. Die Unterscheidung nach einem bestimmten oder unbestimmten Objekt hat das Deutsche nicht (→ 1.6.5).

Mit ist im Ungarischen kein Verhältniswort, sondern das Fragewort „was?“ als Objekt.

Wortschatz

  • csinál – machen, tun
  • csinálsz – du machst
  • olvasok – ich lese
  • mit? – was? (Objekt)
  • mi? – was?
  • dolgozik – arbeiten
  • dolgoztam – ich habe gearbeitet
  • egész nap – den ganzen Tag
  • igeragozás {ige·ragozás} – Konjugation
  • ige – Verb
  • vásárol – einkaufen
  • vásároltam – ich habe gekauft
  • megérkezik – ankommen

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6.Die Wörter einer Wortgruppe

A piros almákat a nagy kosárba tettem. – Die roten Äpfel habe ich in den großen Korb gelegt.

Az új szomszédunkkal még nem beszéltem. – Mit unserem neuen Nachbarn habe ich noch nicht gesprochen.

Im Deutschen passen sich Artikel und Adjektiv dem Hauptwort an. Im Ungarischen bleibt das vorangestellte Adjektiv unverändert; nur das Hauptwort ändert sich:

deutschungarisch
der rote Apfela piros alma
den roten Apfela piros almát
dem roten Apfela piros almának
mit dem roten Apfela piros almával
die roten Äpfela piros almák
den roten Äpfelna piros almáknak
mit den roten Äpfelna piros almákkal
almákat {almá·K·at} – Apfel·(MEHRZAHL)·(Objekt) szomszédunkkal {szomszéd·UNK·kal} – Nachbar·UNSER·mit

Falsch sind daher *a pirosakat almákat und *az újjal autómmal. Die Übereinstimmung zusammengehöriger Wörter heißt Kongruenz (→ 1.4.3, 3.8).

Wortschatz

  • piros – rot
  • nagy – groß
  • almát – den Apfel
  • almákat – die Äpfel (Objekt)
  • almával – mit dem Apfel
  • kosár – Korb
  • kosárba – in den Korb
  • tesz – legen, stellen, tun
  • tettem – ich habe gelegt
  • szomszéd – Nachbar, Nachbarin
  • szomszédunk – unser Nachbar
  • szomszédunkkal – mit unserem Nachbarn
  • még nem – noch nicht

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7.Gemeinsamkeiten

A tanárnők a tanári szobában ülnek. – Die Lehrerinnen sitzen im Lehrerzimmer.

A munkahelyemen mindenki németül beszél. – An meinem Arbeitsplatz sprechen alle Deutsch.

Auch das Deutsche reiht Bausteine aneinander: „Lehr-er-in-nen“. Ungarisch: tanárnők {tanár·NŐ·k} – Lehrer·FRAU·(Mehrzahl) Tanárnő ist eine Zusammensetzung mit nő „Frau“; ein Gegenstück zur deutschen Endung „-in“ gibt es nicht. Beide Sprachen bilden Zusammensetzungen und hängen Endungen an: munkahelyemen {munka·HELY·em·EN} – Arbeit·PLATZ·mein·AUF Umgekehrt bündeln manche ungarischen Endungen mehrere Angaben (→ 1.1.4). Die Sprachtypen beschreiben Schwerpunkte, keine reinen Formen.

Wortschatz

  • tanárnő {tanár·NŐ} – Lehrer·FRAU(Lehrerin)
  • tanárnők {tanár·nő·k} – Lehrerinnen
  • barátnő {barát·NŐ} – Freund·FRAU(Freundin)
  • tanári – Lehrer-
  • tanári szoba – Lehrerzimmer
  • ülnek – sie sitzen
  • munka – Arbeit
  • hely – Platz, Stelle
  • munkahely {munka·HELY} – Arbeit·PLATZ(Arbeitsplatz)
  • munkahelyemen {munka·hely·em·en} – an meinem Arbeitsplatz
  • mindenki – jeder, alle
  • németül – (auf) Deutsch
  • magyarul – (auf) Ungarisch

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8.Die Bauweisen im Überblick

MerkmalDeutsch (flektierend)Ungarisch (agglutinierend)
Mehrzahl-e, -er, -en, -s, Umlaut, ohne Endungein Zeichen „-k”
Fallan Artikel, Adjektiv und Hauptworteine Endung am Hauptwort
Artikelder, die, das, den, dem, desa/az, unveränderlich
Geschlechtdrei Geschlechter bestimmen die Formenkeines (→ 1.6.1)
Adjektiv vor dem Hauptwortgebeugt: die roten Äpfelunverändert: a piros almák
StammUmlaut, Ablaut: Väter, lasmeist unverändert (→ 1.1.4)
VergangenheitHilfsverb + ge-…-t / ge-…-en, oder Präteritumeine Form mit „-t”/„-tt”
Person am VerbEndung und PronomenEndung, Pronomen meist fehlend

Wortschatz

  • hajlító nyelv – flektierende Sprache
  • ragozó nyelv – agglutinierende Sprache
  • főnév {fő·név} – Hauptwort
  • ige – Verb
  • melléknév {mellék·NÉV} – Neben·NAME(Adjektiv)
  • névelő {név·ELŐ} – Name·VOR(Artikel)

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9.Das Wichtigste in Kürze

  • Mehrzahl: deutsch viele Bildungen – ungarisch ein Zeichen „-k”.
  • Fall: deutsch an Artikel, Adjektiv und Hauptwort, oft gleich lautend – ungarisch eine eigene Endung am Hauptwort; a/az bleibt gleich.
  • Stamm: deutsch Umlaut und Ablaut – ungarisch meist unverändert.
  • Vergangenheit: deutsch oft Hilfsverb + Partizip – ungarisch eine Form: dolgoztam.
  • Das vorangestellte Adjektiv bleibt im Ungarischen unverändert: a piros almákat.
  • Beide Sprachen haben Endungen und Zusammensetzungen; verschieden ist die Bauweise.

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Vertiefung

10.Geschlecht und Beugungsklassen

„Des Mannes“, „der Frau“, „des Herzens“, „des Löwen“: Alle vier stehen im Genitiv, dem Wessen-Fall, und haben doch verschiedene Formen. Die deutsche Endung hängt vom Geschlecht und von der Beugungsklasse des Hauptworts ab; „Mann“ und „Löwe“ sind beide männlich und gehören doch verschiedenen Klassen an.

A férfi kabátja fekete, a nő kabátja barna. – Der Mantel des Mannes ist schwarz, der Mantel der Frau braun.

Ő a tanárunk. – Er ist unser Lehrer. / Sie ist unsere Lehrerin.

Im Ungarischen hat kabátja bei Mann und Frau dieselbe Form: kabátja {kabát·JA} – Mantel·SEIN, Mantel·IHR Das Ungarische hat kein grammatisches Geschlecht (→ 1.6.1); ő heißt „er“ und „sie“. Die Besitzkonstruktion selbst folgt später (→ 6.5). Unterschiede zwischen den Hauptwörtern gibt es trotzdem: Stämme und Bindevokale wechseln (→ 1.1.4, 2.6).

Wortschatz

  • férfi – Mann
  • kabát – Mantel
  • kabátja – sein Mantel, ihr Mantel
  • fekete – schwarz
  • barna – braun
  • fehér – weiß
  • ő – er, sie
  • tanárunk – unser Lehrer, unsere Lehrerin

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11.Eine deutsche Endung, viele Aufgaben

„Frauen“, „kleinen“, „laufen“ und „gelaufen“ enden alle auf „-en“. Das Ungarische hat für jede dieser Aufgaben einen eigenen Baustein:

deutschAufgabe von „-en“ungarisch
die FrauenMehrzahla nők
den kleinen KindernAdjektivendunga kis gyerekeknek (kis unverändert)
wir laufenPerson „wir“futunk
gelaufenTeil des Partizipsfutott (er/sie lief, ist gelaufen)

Gleich lautende Endungen kennt auch das Ungarische, etwa „-unk” für „unser“ und „wir“ (→ 1.1.4, 1.4.4).

Wortschatz

  • kis – klein
  • gyerekeknek – den Kindern
  • fut – laufen, rennen
  • futunk – wir laufen
  • futott – er/sie lief
  • lakásunk – unsere Wohnung
  • utazunk – wir reisen

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12.„In den Städten“ in sieben Sprachen

SpracheFormBauweise
Lateinin urbibusPräposition + eine Endung für Mehrzahl und Fall zugleich
Russischв городах (v gorodach)Präposition + eine Endung für Mehrzahl und Fall zugleich
Deutschin den StädtenPräposition + Artikel + Umlaut + Endung
Englischin the citiesPräposition + Artikel + Mehrzahl, kein Fall
Französischdans les villesPräposition + Artikel + Mehrzahl, kein Fall
Spanischen las ciudadesPräposition + Artikel + Mehrzahl, kein Fall
Ungarischa városokbanArtikel + Stamm + Mehrzahl + Ortsendung
városokban {város·OK·ban} – Stadt·(MEHRZAHL)·in

Die lateinische Endung „-ibus“ und die russische „-ах“ tragen Mehrzahl und Fall zugleich; sie lassen sich nicht in zwei Teile zerlegen. Latein und Russisch sind damit stärker flektierend als das Deutsche, das Englische hat seine Fallendungen weitgehend abgebaut. Im Französischen hört man die Mehrzahl meist nur am Artikel: la ville und les villes unterscheiden sich gesprochen nur in la – les, das -s von villes ist stumm.

A nagyobb városokban több a munkahely. – In den größeren Städten gibt es mehr Arbeitsplätze.

Nach több „mehr“ steht das Hauptwort in der Einzahl (→ 1.6.9).

Wortschatz

  • városok – Städte
  • városokban – in (den) Städten
  • városban – in der Stadt
  • nagyobb – größer
  • több – mehr
  • munkahely {munka·hely} – Arbeitsplatz

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13.Satzrollen und Wortstellung

Az anya látja a lányt. – Die Mutter sieht das Mädchen.

A lányt látja az anya. – Die Mutter sieht das MÄDCHEN.

Az anyát látja a lány. – Das Mädchen sieht die MUTTER.

Das Objekt trägt im Ungarischen die Endung „-t”, gleich an welcher Stelle es steht. Die Stellung vor dem Verb hebt es hervor; die Wortstellung folgt Thema und Hervorhebung, sie ist nicht „frei“ (→ 1.6.8, 14.8). Im Deutschen unterscheiden „die“ und „das“ Wer- und Wen-Fall nicht; „Das Mädchen sieht die Mutter“ ist nur über Reihenfolge und Betonung eindeutig. Am Artikel erkennbar ist der Unterschied nur im männlichen Singular: „Der Vater sieht den Jungen“ – „Den Vater sieht der Junge“.

Az apa látja a fiút. – Der Vater sieht den Jungen.

Az apát látja a fiú. – Den Vater sieht der Junge.

Wortschatz

  • lány – Mädchen; Tochter
  • lányt – das Mädchen (Objekt)
  • anyát – die Mutter (Objekt)
  • fiú – Junge; Sohn
  • fiút – den Jungen
  • apát – den Vater
  • látja – er/sie sieht (ihn, sie, es)

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14.Vorsilben und Klammerbildungen

Megérkeztek a vendégek. – Die Gäste sind angekommen.

Nem érkeztek meg. – Sie sind nicht angekommen.

Meg kell érkezniük. – Sie müssen ankommen.

Beide Sprachen haben Vorsilben, die sich vom Verb lösen: deutsch „an-kommen – sie kommen an“, ungarisch das Verbalpräfix meg- (→ 1.5.8, 11.6): megérkeztek {meg·ÉRKEZ·t·EK} – (Präfix)·ANKOMMEN·(Vergangenheit)·SIE igekötő {ige·KÖTŐ} – Verb·BINDER(Verbalpräfix) Die Regeln der Trennung sind in beiden Sprachen verschieden.

Das Deutsche umschließt den Stamm in „ge-arbeit-et“; man spricht von einem Zirkumfix (→ 1.4.1). Material vor und hinter dem Stamm steht im Ungarischen beim Superlativ (→ 9.4): legnagyobb {leg·NAGY·obb} – (Superlativ)·GROSS·(Komparativ)(der größte)

Budapest Magyarország legnagyobb városa. – Budapest ist die größte Stadt Ungarns.

Mehrwortige Verbformen haben beide Sprachen (→ 1.1.3, 10.9, 10.12):

várni fogok – ich werde warten vártam volna – ich hätte gewartet

Wortschatz

  • vendég – Gast
  • vendégek – Gäste
  • megérkeztek – sie sind angekommen
  • nem érkeztek meg – sie sind nicht angekommen
  • kell – müssen
  • igekötő {ige·kötő} – Verbalpräfix
  • nagyobb – größer
  • legnagyobb – der größte
  • Magyarország {Magyar·ország} – Ungarn
  • várni fogok – ich werde warten
  • vártam volna – ich hätte gewartet

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15.Aneinandergereihte Bausteine im Deutschen

Ebben a városban sok lehetőség van. – In dieser Stadt gibt es viele Möglichkeiten.

In der Wortbildung reiht auch das Deutsche Bausteine: „mög-lich-keit-en“. Das Ungarische entspricht dem Schritt für Schritt:

→lehet – es ist möglich→lehető – möglich→lehetőség – Möglichkeit→lehetőségek – Möglichkeiten

Die Wortbildung (képző) ist von der Beugung zu unterscheiden (→ 1.3, 13.11). Bei Zusammensetzungen setzt das Deutsche oft ein Fugenelement, „Arbeit-s-platz“; das Ungarische nicht: munkahely {munka·HELY} – Arbeit·PLATZ(Arbeitsplatz) születésnap {születÉS·nap} – geboren_werden·UNG·Tag(Geburtstag)

Wortschatz

  • lehet – es ist möglich; kann sein
  • lehető – möglich
  • lehetőség – Möglichkeit
  • lehetőségek – Möglichkeiten
  • sok – viel(e)
  • munkahely {munka·hely} – Arbeitsplatz
  • születésnap {születés·nap} – Geburtstag
  • képző – Ableitungssuffix

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16.Der Grenzfall „in diesem Haus“

Ebben a házban laktak a nagyszüleim. – In diesem Haus haben meine Großeltern gewohnt.

Ezekben a házakban régen diákok laktak. – In diesen Häusern wohnten früher Studenten.

Ezzel a busszal megyünk. – Mit diesem Bus fahren wir.

Das hinweisende Wort ez „dieses“ und az „jenes“ nimmt die Endung des Hauptworts mit; hier ist auch das Ungarische zweimal gekennzeichnet (→ 7.3): ebben {eb·BEN} – dies·IN nagyszüleim {nagy·SZÜLE·i·M} – groß·ELTERNTEIL·(Mehrzahl_des_Besitzes)·MEIN(meine Großeltern)

Das Adjektiv als Satzaussage stimmt in der Zahl überein. Hier verhält sich das Deutsche umgekehrt: Es beugt das vorangestellte Adjektiv, nicht das prädikative. Französisch und Spanisch passen beide an.

A falak vastagok. – Die Wände sind dick.

A vastag falak hidegek. – Die dicken Wände sind kalt.

vastagok {vastag·OK} – dick·(MEHRZAHL)

Wortschatz

  • ez – dieses
  • az – jenes
  • ebben – in diesem
  • abban – in jenem
  • ezekben – in diesen
  • ezzel – mit diesem
  • busszal – mit dem Bus
  • lakik – wohnen
  • laktak – sie haben gewohnt
  • nagyszülő {nagy·SZÜLŐ} – groß·ELTERNTEIL(Großvater, Großmutter)
  • nagyszüleim {nagy·szüle·i·m} – meine Großeltern
  • diák – Schüler, Student
  • régen – früher
  • fal – Wand, Mauer
  • vastag – dick
  • vastagok – dick (Mehrzahl)
  • hideg – kalt

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17.Ein Blick in die Geschichte

Die erste Grammatik des Ungarischen, die Grammatica Hungarolatina von János Sylvester (1539), beschrieb die Sprache nach lateinischem Muster; die ungarischen Endungen wurden in die lateinischen Fälle eingeordnet. Sprachen ändern ihren Bau: Das Altenglische hatte vier Fälle, erhalten sind Reste wie he – him, who – whom. Das Deutsche hat die Dativendung „-e“ weitgehend aufgegeben; sie lebt in festen Wendungen fort: „zu Hause“, „im Jahre“, „nach Hause“ (→ 4.1.6).

Wortschatz

  • nyelvtan {nyelv·TAN} – Sprache·LEHRE(Grammatik)
  • latin – lateinisch; Latein
  • angol – englisch; Engländer
  • német – deutsch; Deutscher

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